Ulli Rössle/Stadt Ingolstadt
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Von Ende Mai bis Ende November ist im Kavalier Hepp die Ausstellung „Von Spitzweg zu Sisi – Kunst und Kunsthandwerk des 19. Jahrhunderts. Die Sammlung Werner Friedrich Ott“ zu sehen. Einerseits ein Maler, dessen Name wohl zu den bekanntesten im deutschsprachigen Raum zählt. Auf der anderen Seite Sisi, die unglückliche Kaiserin von Österreich, die ein so tragisches Ende nahm. Auf der einen Seite die Darstellung der bürgerlichen Lebenswelt mit all ihrer Beschränktheit – und der von Meisterhand verpackten Kritik daran. Andererseits Kunst und Kunsthandwerk in neuen Formen, Farben und Materialien. „Das Bürgertum entwickelt einen eigenen Stil, bedient sich der herrschaftlichen Symbolik früherer Epochen und ordnet sie neuen Funktionen zu“, heißt es in der Einführung zur Ausstellung. Nach der Französischen Revolution und der Napoleonischen Zeit nimmt die Wirtschaft Aufschwung, neue Käufer- und neue Sammlerschichten interessieren sich für Kunst und legen Wert auf die erlesene Bearbeitung von kostbaren Materialien.

Ulli Rössle/Stadt Ingolstadt
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Den Triumphwagen Maximilians I.
Den Triumphwagen Maximilians I. stellte ein Dresdner Elfenbeinschnitzer Ende des 19. Jahrhunderts her. Er war vorübergehend im Besitz von Louis Armstrong, der ihn statt Devisen von der DDR-Regierung für ein Konzert erhalten hatte. Museumsleiterin Beatrix Schönewald freut sich sichtlich über das einmalige Stück.
Eberl
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„Der Historismus ist eine Zeit, die auch für Ingolstadt wichtig ist“, sagt Beatrix Schönewald, die Leiterin des Stadtmuseums. Als Beispiel nennt sie das Alte Rathaus, das wohl von den meisten Ingolstädtern als schön empfunden wird. Und Schönewald kennt nicht wenige alte Ingolstädter Familien, die repräsentative Möbel, Porzellan oder Schmuck aus dieser Zeit ihr Eigen nennen. „Ingolstadt war keine arme Stadt am Ende des 19. Jahrhunderts“, sagt sie. Wertvolle Gläser etwa gab es damals auch in bürgerlichen Haushalten, wie auch die Offiziere der Landesfestung entsprechend zu tafeln wussten.

„Aber der Historismus ist offenbar nicht jedermanns Sache“, räumt die Museumsleiterin ein. Denn es sind nicht so sehr die Ingolstädter, die die einmalige Sammlung anschauen, die Werner Friedrich Ott dem Stadtmuseum für etliche Jahre überlassen hat. Es sind vor allem die Auswärtigen, die ein spezielles Interesse an dieser Kunstrichtung haben, die vor allem an den Wochenenden bis aus München und anderen Städten nach Ingolstadt kommen. Fachleute sprechen von einer „selten wertvollen Sammlung“, so Schönewald. „Und bei Einzelführungen sind die Leute begeistert.“ Anders der Spitzweg: „Der trifft offenbar derzeit nicht so den Nerv.“

Doch wer sich einlässt auf die Bilder von Carl Spitzweg und auf die seines Freundes Eduard Schleich, der wird bei Gemälden wie „Mädchen im Wald“ förmlich hineingezogen in die Tiefe der scheinbar völlig unaufgeregten Szenerie. Oder die durch die Wüste ziehende Karawane, ein Meisterwerk aus wenigen Pinselstrichen, das den Betrachter völlig einfängt und eine andere Welt erschließt. Carl Spitzweg zählt zu den renommiertesten Malern des 19. Jahrhunderts. Er verbrachte einige Zeit auch in Ingolstadt und konnte das Entstehen der Festungsbauten verfolgen. In seinem Skizzenbuch finden sich auch Ingolstädter Motive wie etwa das Kreuztor.

Viel augenfälliger sind freilich die ganzen Humpen und Pokale, Leuchter und das Tafelsilber, Porzellan, Glas, Schmuck und Möbel. Viele Stücke sind Unikate, einmalig, unverwechselbar und mit einer überbordenden Fülle an Details. Mit Edelsteinen besetzte Geschenkbroschen aus Platin von Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt als Sisi, oder Elfenbein-Geschenketuis von König Ludwig II. werden ebenso gezeigt wie eine fantastische Wiener Emailarbeit des Fabelvogels Rok, ein Unikat. Nur was für große Tafeln war der imposante Tischaufsatz, den Kaiser Wilhelm I. einst seinem Reichskanzler Otto von Bismarck schenkte. Einmalig sind auch der Triumphwagen Maximilans I. und der Palazzo, beide aus Elfenbein geschnitzt.