Ingolstadt: Auf verschlungenen Pfaden
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Ingolstadt

Die begann vor 25 Jahren, als die Landesgartenschau Ingolstadt für einen Sommer zur bayerischen Blütenmetropole machte. Noch gut daran erinnern können sich Dagmar Weber-Güth und Marianne Aschenbrenner, die bis heute zu den Mitgliedern der sogenannten Labyrinthgruppe gehören. Sie kümmert sich um die Pflege und Bepflanzung der Anlage und nutzt sie, um darin zu meditieren und sich an ihr zu erfreuen. Aschenbrenner ist in jener Anfangszeit zu der Gruppe gestoßen. Weber-Güth ein paar Jahre später. "Das Labyrinth ist ein Lebenssymbol", sagen beide. "Wie das Leben geht es einher mit vielen Windungen und führt doch zum Ziel." Ein Satz, der zugleich den Unterschied zu einem Irrgarten verdeutlicht. Denn ein solcher sei das Labyrinth nicht. "Weil es keine Sackgassen gibt", betont Weber-Güth. Dafür eine Vielzahl an Blumen, Pflanzen und Kräutern, die mit dem Lauf der Jahreszeiten gedeihen und wieder verwelken, manchmal sogar ganz verschwinden. Das Labyrinth als Zyklus also, der alle Sinne anspricht, Trost spendet, zum Nachdenken einlädt, auf seinem geschlungenen Pfad plötzliche Wendungen bereithält und so beim Betrachten der Bepflanzung verschiedene Perspektiven ermöglicht - all das finden die beiden Frauen darin vor, wenn sie sich hinein begeben. "Wie auf dem Lebensweg gehe ich dann immer ein Stück weit in mein Inneres", beschreibt Weber-Güth ihre Empfindungen.

Die Idee zum Pflanzenlabyrinth brachte 1991 der Ingolstädter Religionslehrer Günter Doliwa von einem Aufenthalt in der Schweiz mit in die Schanz. Handelte es sich dort um ein reines Frauenprojekt, entstand hier eine gemischte Gruppe aus 20 Frauen, Männern und Kindern, die 1992 den ersten Kreis von 30 Metern Durchmesser auf dem Gelände der geplanten Landesgartenschau anlegte. Es folgten gemeinschaftliche Gartenarbeit und öffentliche Führungen. Ein Wunschbaum wurde gepflanzt, an dessen Äste Besucher ihre auf Zettel und Bänder formulierten Hoffnungen und Träume anbringen können und der heute längst Kult unter jenen ist, die fest an die Magie des Apfelbäumchens glauben.

Ab 2001 hat die Labyrinthgruppe damit begonnen, "Frauen aus Ingolstadt, die etwas auf den Weg gebracht haben", wie es heißt, Raum im Labyrinth zu geben und sie so zu verewigen. Zu ihnen gehören die Schriftstellerin Marieluise Fleißer, die Sagenforscherin Emmi Böck sowie Ingolstadts älteste Marktfrau, Therese Eisenbarth. Heute hat der Weg durch das Pflanzenlabyrinth eine Länge von 600 Metern. All das will gehegt und gepflegt sein. Deshalb suche der Freundeskreis auch laufend Menschen, die dabei mitmachen möchten, so Aschenbrenner. Die Helfer erhalten ein Beet im Labyrinth, das sie nach Belieben bepflanzen können. "Auch mit Kartoffeln", sagt sie schmunzelnd. Sie selbst hat sich für Rosenstöcke aus der Lüneburger Heide entschieden. Im Pflanzenlabyrinth gedeihen das Jahr über aber auch Lilien, Herbstanemonen, Oregano, Melisse und Wunderblumen. Eingeladen, sich die Pracht anzusehen und dabei vielleicht auch zu sich selbst zu finden, ist jeder, der Lust auf einen Besuch hat.