Ingolstadt: Auf dem Weg zur Langsamkeit
Faszinierende Landschaften und Menschen: Fünf Jahre lang bereiste der Fotograf Dieter Glogowski Nepal. Bei einem Multivisionsvortrag am Freitagabend in Ingolstadt zeigte er viele Aufnahmen von dem asiatischen Land - Foto: Privat
Ingolstadt

Die Tour beginnt auf einem Ochsenkarren. Ein lang gehegter Wunsch von Glogowski, wie er sagte. Die Etappe führt ihn und seine Begleiter in den Dschungel von Nepal – ein Land, das der freie Foto- und Fernsehjournalist aus mehr als 100 Reisen kennt wie kaum ein anderer westlicher Reporter. Doch noch immer ist er tief beeindruckt und fasziniert von dem, was die einzigartige Hochgebirgsregion an atemberaubenden Bildern und spannenden Geschichten bereithält. „Ich bin fasziniert von der tiefen Religiosität und spirituellen Gelassenheit der Menschen dort“, betonte Glogowski am Freitagabend.

Er trifft auf alte Freunde und macht neue Bekanntschaften. Ein Sadhu – ein strenger, buddhistischer Asket – ist darunter. 30 Jahre will dieser ausschließlich stehend verbringen. Fast so lange, wie Glogowski in seinem Leben unterwegs war. Er stößt auf acht Kupferplatten, jede so groß wie ein Handteller, die seiner Reise ohne tiefere Bestimmung („Auf dem Weg zur Langsamkeit“) eine ungeahnte Choreografie verleihen.

„Acht – der Weg hat ein Ziel“: So lautet auch der Titel der Multivisionsshow, die der bald 60-jährige Globetrotter den rund 400 Zuschauern im Alpenvereinszentrum darbot. Eine über zweistündige Expedition mit bestechend scharfen Aufnahmen von tiefen Schluchten, ausgewaschenen Pfaden und harschen Moränenlandschaften. Über schier unüberwindbar erscheinende Erdrutsche hinweg hin zu einsamen Bergklöstern. Weiter geht es hinauf ins Hochland Nepals. Glogowski verharrt im Zelt bei bedrohlich pfeifenden Winden in klirrend kalten Nächten unter einem sternenklaren Himmel, wie man ihn in unseren Breitengraden in seiner funkelnden Pracht nicht einmal erahnen kann. Dazwischen immer wieder spirituelle Botschaften aus einer entschleunigten Welt in Texteinblendungen.

Glogowski sieht die acht Kupferplatten und kommt auf einen Gedanken: Jede der Platten trägt eines der acht tibetischen Glückssymbole, zu denen der kostbare Schirm, die weiße Muschel und das Siegesbanner gehören. Sie stehen für Liebe, Mitgefühl und Furchtlosigkeit. Acht Achttausender gibt es in Nepal. Acht der weltweit 14 Berge also, die höher als 8000 Meter sind. Glogowski erwirbt die Platten, lässt sie von einem Abt segnen und durchreist mit ihnen im Gepäck – und begleitet von acht Akteuren – die nepalesische Gebirgswelt. An den Basislagern der Bergriesen angekommen, legt die Gruppe jeweils eine der Platten dort nieder.

Der Kreis der Reise schließt sich. Doch nicht nur dieser: „Mit meinen Bildern möchte ich zum Nachdenken anregen. Häufig steht in unseren westlichen Ländern das Materielle im Vordergrund. Ich wünsche, dass die Menschen hier sich mehr auf ihre Wünsche besinnen und eine innere Ruhe finden“, sagte Glogowski einmal über seine Beweggründe. Mit einer Reise nach Nepal hat vor 33 Jahren alles begonnen. Und so hat seine voraussichtlich letzte Vortragsreihe nun ebenfalls Nepal zum Thema. Damit schließt sich für den Fotografen auch der Kreis seines gesamten Schaffens.