Ingolstadt: Auf dem Boden der Tatsachen
Wie hier beim Turnfest des Bezirks heuer im Juli wird die MTV-Halle stark genutzt. Doch mit einem Baujahr von Anfang der 1970er-Jahre ist sie die älteste Sportstätte der städtischen Bezirksportanlagen und in einigen Bereichen in entsprechendem Zustand. ‹ŒArch - foto: Rimmelspacher
Ingolstadt

Die Klagen gehören fest dazu: Wann auch immer sich gegnerische Mannschaften in den verschiedenen Sportarten in der MTV-Halle einstellen, beschweren sie sich über die fast frostige Begrüßung. Diese hat aber nichts mit der Gastfreundschaft des MTV zu tun (an der es auch nichts auszusetzen gibt), sondern "damit, dass es von Haus aus sehr kalt ist", wie Vereinspräsident Gerhard Bonschab weiß. Wobei sich seine eigenen Sportler schon gar nicht mehr rühren, sie haben sich arrangiert und wärmen sich "auch schon mal mit drei Pullovern am Körper auf". So gehe das natürlich nicht mehr weiter, heißt es beim MTV. Bonschab nennt die Heizung aber auch nur als einen der Mängel, die sich bei einer Sportstätte dieses Alters "fast zwangsläufig ergeben". Es sei so ziemlich alles nicht mehr zeitgemäß. "Handlungsbedarf in allen Bereichen", meldet der Präsident im Namen des Vereins an. "Wir leiden darunter sehr." Die Ickstatt-Realschule, die vormittags Nutzer ist, nicht zu vergessen.

Inzwischen ist das laute Klagen bei der Politik und der Stadtverwaltung angekommen und wird sehr wohl vernommen. Die Stadt will das Problem angehen und hat zunächst 200 000 Euro in den Haushalt für 2018 eingestellt, mit denen die Lüftung modernisiert werden soll. Aber schon jetzt ist klar, dass der Betrag bei Weitem nicht ausreicht. "Das wird sicher mehr", sagte Baureferent Alexander Ring jetzt den Stadträten in der Haushaltsitzung. Das sei die Erkenntnis eines Rundgangs durch die Sportanlagen mit Vereinspräsidium sowie Verwaltungsvertretern aus dem Hochbau- und dem Sportamt.

Die Bestandsaufnahme hat laut Bonschab eine lange Liste ergeben: Licht, Tribünen, Sprecheranlage und noch einiges mehr in der Halle. Aber auch im MTV-Stadion müsse dringend angepackt werden, so der Präsident. So ist die Gegengerade in stark verbesserungswürdigem Zustand, um es noch nett auszudrücken. Große Probleme im Sportbetrieb bereitet aber die Laufbahn, die sich stellenweise wegen des schlechten Untergrunds absenkt. "Die müssen wir angreifen", sagt Bonschab. Sonst könne man die vielen Veranstaltungen gerade der Leichtathleten, die als ein Aushängeschild für den MTV wie auch die Region gelten (zum Beispiel Vize-Europameisterin Alica Schmidt), nicht mehr abhalten. Heuer stand bereits einen Meisterschaft kurz vor der Absage, da der Verband den Zustand der Laufbahn massiv bemängelt hatte. Notgedrungen und notdürftig habe man dann in Zusammenarbeit mit dem Sportamt schnell geflickt, sagt Bonschab. So könne das aber natürlich nicht weitergehen.

Das findet auch Sportbürgermeister Sepp Mißlbeck, der Ehrenpräsident des MTV ist und entsprechend im Wort steht. Es bestehe eine "berechtigte Erwartungshaltung", sagte Mißlbeck jetzt im Stadtrat, wo er Eile anmahnte. Einige Mängel in der Halle müssten bald behoben werden. Das war darauf bezogen, dass das Baureferat zunächst die Aufgabe hat, eine Bestandsaufnahme zu erheben - was sich aber auch auf die restlichen vier Bezirkssportanlagen (Nordost: TSV Nord, Nordwest: TV 1861, Südwest: DJK, Südost: ESV) bezieht. "Dann muss man das alles nach und nach abarbeiten", sagte OB Christian Lösel zu dem Fahrplan. Mißlbeck drängte aber: "Eine Liste und danach darüber diskutieren - das reicht nicht." Die wichtigsten Sanierungsprojekte müssten so schnell wie möglich beginnen.

SPD-Fraktionschef Achim Werner steht angesichts der von Baureferent Ring genannten Dimension von vier bis fünf Jahren bis zur vollständigen Erledigung fest: "Wir kommen nicht um eine Generalsanierung herum!" Das müsse geprüft werden. Werde es mit der genannten Mängelliste, versicherte OB Lösel.

Eine Generalsanierung wäre auch im Sinne des Vereins, sagt Bonschab. "Wir können aber nur darauf hinweisen." Letztlich sei es natürlich eine Frage, wie viel Geld zur Verfügung stehe. "Die Mitglieder und Delegierten drängen uns schon lange dahin", berichtet Bonschab aus dem Vereinsalltag des mit gut 2500 Mitgliedern noch immer größten Sportvereins der Stadt. Man habe viel Verständnis für das große Ballspielhallenprogramm der Stadt in den vergangenen Jahren gehabt, "aber irgendwann müssen auch wir mal den Finger heben".