Ingolstadt: Auf Pilgertour durchs Hochgebirge
Im Rahmen der größten europäischen Gebirgswallfahrt weihten die Pilger den sanierten Riemannsteig mit Gesang und Musik ein. Die Musiker erwiesen sich als besonders sportlich: Sie hatten ihre Instrumente mit hochgeschleppt. - Foto: DAV-Sektion Ingolstadt
Ingolstadt

Tatsächlich sind das die nüchternen Zahlen der Almer Wallfahrt, der ältesten europäischen Gebirgswallfahrt, die jedes Jahr im Spätsommer/Herbst stattfindet und auch zum Riemannhaus führt, das von der Ingolstädter Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) betrieben wird.

Die Tradition geht auf das Jahr 1635 zurück, als die Bürger von Saalfelden im Salzburger Land nach mehreren überstandenen Pestepidemien gelobten, fortan jedes Jahr die Strapazen des Weges von Maria Alm aus über das Gebirge zum Königsee auf sich zu nehmen. 1951 fand auf Initiative der Almer Musikkapelle, die erste Nachkriegswallfahrt statt.

In diesem Jahr brachen rund 2500 Pilger mitten in der Nacht zu diesem anspruchsvollen alpinen Gemeinschaftsunternehmen auf. Mit Stirnlampen leuchtend wie ein nicht enden wollender Zug Glühwürmchen traten die ganz Sportlichen bereits um 3 Uhr den Marsch in Maria Alm an. Schon kurze Zeit später war die Prozession vom Riemannsteig aus zu beobachten. Andere ließen sich mit Bussen zum zweiten Ausgangspunkt, dem Parkplatz Sandten, fahren und sparten so eine Stunde Fußmarsch. Danach ging es hinauf zum Riemannhaus. Wer früh genug reserviert hatte, war schon in der Nacht beziehungsweise am Abend davor ins Riemannhaus gekommen. Dort ging es bis tief in die Nacht feuchtfröhlich und musikalisch hoch her. Neben den Wallfahrern waren auch der Bürgermeister von Maria Alm, fünf katholische Geistliche sowie die 52-köpfige Almer Musikkapelle vollzählig anwesend.

Nach einer kurzen Nacht für die Feiernden begann um acht Uhr eine mit Musik untermalte, sehr stimmungsvolle Bergmesse unter freiem Himmel. Unter Mitwirkung des Hüttenwarts Toni Meyer segnete der Pfarrer von Maria Alm den gerade erst frisch restaurierten Riemannsteig. Unter der Leitung und Mitarbeit von Toni Meyer war der Felsensteig im Juni komplett neu seilgesichert worden (DK berichtete).

Nach kurzer Rast für die gerade erst Aufgestiegenen begann die Durchquerung des Steinernen Meeres, das seinen Namen den bizarren Felsformationen oberhalb der Baumgrenze verdankt. Auf Höhe der ehemaligen deutsch-österreichischen Grenze wurde der Almsegen erteilt, bevor es zum Funtensee ging, Deutschlands wohl kältestem Ort. Anschließend ging es in Serpentinen das letzte Stück des Pilgerwegs durch die sogenannte Saugasse hinunter zum Königsee. Und zum Schluss gab es eine letzte Andacht in der malerischen Kirche St. Bartholomä.

Waren schon die Mitwanderer selbst sehr sportlich, so wurden sie von den sie begleitenden Musikern noch eindrucksvoll übertroffen. Denn diese hatten nicht nur überallhin ihre Instrumente mitgeschleppt, sie hatten die Wanderer auch regelmäßig überholt, um die Pilger am nächsten Etappenziel wieder mit Musik zu empfangen.