Ingolstadt: "Es hakt noch an Befindlichkeiten"
Mit dem Bus ins Werk und wieder nach Hause: Das verbesserte Angebot der INVG für Audianer wird bereits gut genutzt. Allerdings gibt es solche Direktlinien noch nicht in der ganzen Region. ‹ŒArch - foto: Eberl
Ingolstadt

Endlich attraktivere Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus den Landkreisen zum Automobilwerk zu schaffen, ist die Aufgabe, an der sich die regionale Politik seit Jahr und Tag abarbeitet, ohne bislang den großen Hebel umgelegt zu haben. Wenn am heutigen Freitag die Spitzen von Stadt und Landkreisen im Zweckverband Verkehrsgemeinschaft Region Ingolstadt zusammenkommen, wird es erneut gerade auch um dieses Thema gehen.

"Wir sind auf einem guten Weg, wir können jetzt die Weichen stellen", gibt sich Robert Frank (oberes Foto), Geschäftsführer der INVG und vom Zweckverband quasi zum Koordinator in Sachen Flächentarif bestellt, grundsätzlich optimistisch. Zwar nicht von heute auf morgen, aber mittelfristig sieht er die Region auf dem Weg zu einem Vertragswerk, das allen Interessen gerecht werden könnte. Es geht aber - wieder einmal - ums Geld.

Wie auch schon verschiedentlich berichtet, braucht es auch in den Gebieten, die heute noch nicht zum Tarifgebiet der INVG gehören - also die Kreisstädte Eichstätt und Pfaffenhofen und erhebliche Teile der Kommunen in den zugehörigen Landkreisen sowie der gesamte Landkreis Neuburg-Schrobenhausen - maßgeschneiderte Lösungen, die auch die beteiligten Busunternehmen nicht schlechterstellen. Während die Landkreise den öffentlichen Personennahverkehr organisieren müssen, liegen die Konzessionen, also die Rechte, bestimmte Strecken zu bedienen, bei privatwirtschaftlichen Firmen. Wenn künftig durch attraktivere Konditionen mehr Fahrgäste auf diese Linien gelockt werden sollen, wird das wohl nur mit Steuergeld gehen, das aus den Gebietskörperschaften kommen muss.

"Es gibt da bürokratische Entscheidungsprozesse, die einfach Zeit brauchen", sagte dazu Audi-Betriebsratschef Peter Mosch (unteres Foto) jetzt in einem DK-Redaktionsgespräch. Auch ihm ist klar, dass sowohl auf Unternehmensseite als auch bei der öffentlichen Hand noch einiges getan werden kann, um mehr Kolleginnen und Kollegen dazu zu bewegen, auf dem Weg zur Arbeit aufs eigene Auto zu verzichten. "Ausgereizt", so Mosch, sei das Thema noch lange nicht. Es werde eben noch weitere Überzeugungsarbeit bei den Beschäftigten nötig sein, auf der anderen Seite aber auch eine Angebotsverbesserung durch die Politik. Denn: "Das heutige Jobticket gilt eben nur für das INVG-Tarifgebiet. Wir hätten auch gerne Neuburg, Pfaffenhofen und Eichstätt mit dabei, sind ja auch in Gesprächen mit den Landkreisen und Kommunen, aber da hakt es noch an Befindlichkeiten."

Dass bei den Jobtickets (günstige Dauerkarten, die von Firmen für ihre Mitarbeiter bei der INVG erworben werden können) noch Luft nach oben besteht, glaubt auch INVG-Chef Frank. Er verweist auf die grundsätzlich bereits ganz ordentliche Abnahmerate bei Audi: Seit 2009 gab es hier einen Anstieg von 550 auf nunmehr gut 4000 Tickets. Bei derzeit rund 44 000 Beschäftigten ist das immerhin ein Zehntel.

Für Frank erscheint eine Verdoppelung dieser Zahl in den nächsten vier, fünf Jahren denkbar. Zusammen mit dem für 2019 avisierten Bahnhalt auf dem Werksgelände, so seine Erwartung, biete sich die Chance, künftig einen ansehnlichen Teil der Audianer auf dem Weg zur und von der Arbeit vom eigenen Auto zu entwöhnen. Im Verbund mit angestoßenen oder zumindest vorbereiteten Projekten wie dem Ausbau der Ettinger Umgehung und dem geplanten Ringschluss ums Werk (Ausbau Schneller Weg im Osten), so sieht es auch Belegschaftssprecher Mosch, besteht Hoffnung auf eine Abflachung der Verkehrslawine im Ingolstädter Norden.