Ingolstadt: Appetit auf mehr
Breite Palette: Für sein Catering ist Manfred Enzersberger, hier ein Bild vom Ingolstädter Neujahrsempfang im Stadttheater, auch überregional bekannt. Kritiker werfen ihm vor, das Theaterrestaurant nur als Basis dafür zu nutzen. Die Stadt will den Betrieb neu ausschreiben. ‹ŒArch - foto: Hauser
Ingolstadt

Kaputte Fliesen, ein stotternder Dunstabzugshaubenmotor, heruntergekommene Böden, Isolierungen, die hervortreten, und Holzfenster, die weder vor der Kälte draußen abschirmen noch die Wärme innen bewahren - die Liste der Mängel in der Küche des Theaterrestaurants ist lang, und zwar so lang, dass das Gesundheitsamt einen Aktionsplan entworfen hat, der seit einigen Monaten abgearbeitet wird.

Gäste des Restaurants müssten keine Bedenken haben, sagt Rupert Ebner, der als Referent auch für das Gesundheitsamt verantwortlich ist. "Da liegt nichts Gravierendes vor." Es handele sich um "Verschleißerscheinungen", die eben nach so vielen Jahren aufträten. Immer wieder habe man diese Maßnahmen im Hinblick auf die anstehende Generalsanierung des gesamten Stadttheaters vor sich hergeschoben, aber nachdem diese nun erst 2020 erfolgen soll, habe man nicht mehr warten können. Es wäre ja peinlich, wenn bei einer Kontrolle einer übergeordneten Behörde ausgerechnet eine von der Stadt verpachtete Küche bemängelt würde, sagt Referent Ebner. Viele Arbeiten seien schon während des laufenden Betriebs erledigt worden, nach den Faschingsferien werde man die restlichen Maßnahmen erledigen.

Für rund anderthalb Jahre könne die Küche noch in der Form betrieben werden, erklärt Finanzbürgermeister Albert Wittmann. Dann müsse die Stadt aber eine dauerhafte Lösung finden. "Das ist für uns wichtig, genauso wie für die Schauspieler." 2018 werde man die Küche umbauen und dem Theaterrestaurant gleichzeitig eine neue Gestalt verleihen. Der Schwerpunkt liege dabei auf der Neugestaltung der Terrasse. Wittmann rechnet mit rund zwei Millionen Euro Kosten, "refinanziert durch die Mieteinnahmen", sagt der Finanzreferent. Außerdem solle der Pächter an den Investitionskosten beteiligt werden - zum Beispiel, wenn er von dort aus auch Catering betreiben wolle.

Der erst im Vorjahr verlängerte Vertrag mit dem jetzigen Pächter Manfred Enzersberger läuft bis Ende 2017. Die Stadt werde für die Zeit danach neu ausschreiben. "Das hat nichts damit zu tun, dass wir Herrn Enzersberger nicht trauen", sagt Wittmann. "Der kann sich ja auch bewerben."

Dessen Umgang mit dem Restaurantbetrieb war Grünen-Fraktionschefin Petra Kleine in der Vergangenheit stets ein Dorn im Auge. Sie hatte immer wieder moniert, dass Enzersberger das Theaterrestaurant eher als Basis seines überregionalen Cateringbetriebs genutzt habe, als sich um das Restaurant zu kümmern. "Es gab dauernd Beschwerden", sagt sie. "Das Konzept passt weder den Ingolstädtern noch den Theatermitarbeitern." Deswegen freue sie sich, wenn neu ausgeschrieben werde. Das Theaterrestaurant brauche auch "einfache Gerichte und vernünftige Öffnungszeiten" - das heißt, auch mittags.

Manfred Enzersberger dagegen sagt, er verstehe die Kritik nicht. "Das ist Stimmungsmache." Ihm sei bisher keine Beschwerde von Gästen zu Ohren gekommen. "Wir haben sieben Tage die Woche ab 17 Uhr geöffnet, und die Schauspieler können vergünstigt bei uns essen." Man könne darüber streiten, ob das Restaurant nicht auch mittags geöffnet haben sollte. "Das ist bestimmt eine Überlegung wert. Aber dann müsste man mir auch mal sagen, was man will." Seit 2009 habe man jedes Jahr von der Generalsanierung gesprochen, und dann sei sie doch wieder verschoben worden. Ob er nach dem Umbau weiter mache, werde sich zeigen. Seine Entscheidung hängt wohl auch davon ab, ob auch die neue Küche auf Catering ausgelegt werden soll oder nicht.