Ingolstadt: Auch Lehmann bald auf der Anklagebank?
Im Visier der Strafverfolger: Alt-OB Alfred Lehmann. - Foto: Hauser
Ingolstadt

Doch der Reihe nach: Im Zuge der Überprüfung eines anderen Vorgangs war die Staatsanwaltschaft auf das brisante Immobiliengeschäft des Alt-OBs gestoßen: Lehmann hatte 2012 auf dem Gelände der alten Pionierkaserne mehrere Wohnungen für sich gekauft - in einem Haus, für das er als OB und Verwaltungsratsvorsitzender der Stadttochter IFG von Amts wegen zuständig war (DK berichtete). Die IFG hatte 2008 den von der Bundeswehr nicht mehr genutzten westlichen Teil des Pioniergeländes erworben, darunter auch das besagte ehemalige Kasernengebäude. Lehmann erwarb zwölf Apartments. Der Kaufpreis soll bei insgesamt 170.000 Euro gelegen haben. Vier weitere Apartments gingen für 57.000 Euro an seinen mittlerweile verstorbenen Vater. Die jeweils knapp 30 Quadratmeter großen Apartments wurden auf Kosten des Eigentümers saniert und als Studentenwohnungen genutzt.

Der Verkauf des entsprechenden Gebäudes war nicht ohne Brisanz, wie das Schriftstück zeigt, das dem DK vorliegt: Weil auf Betreiben des Käufers nachträglich eine Änderung am Kaufvertrag vorgenommen worden war, hatte der zuständige IFG-Beamte einen ersten Notartermin platzen lassen. Das Gebäude sollte nicht, wie geplant, an das im Landkreis Eichstätt ansässige Unternehmen, sondern an das Unternehmerehepaar als Privatpersonen verkauft werden. Wie es in einer Stellungnahme des Beamten an den Verwaltungsrat der IFG heißt, hat dieser damals den OB, der die Verkaufsverhandlungen in dieser Angelegenheit persönlich führte, per E-Mail über den Abbruch der Beurkundung informiert. Vier Tage später hat er telefonisch von Lehmann die Dienstanweisung bekommen, den geänderten Kaufvertrag zu unterzeichnen. Wie dies juristisch zu bewerten ist, ist Sache der Staatsanwaltschaft. Wie der DK erfahren hat, hat in dem Gebäude auch ein weiterer früherer Stadtrat und IFG-Beirat mindestens eine Wohnung erworben.

Im Ermittlungsverfahren gegen Lehmann ging es zunächst um ein anderes Immobiliengeschäft: Lehmann hatte sich bei jenem anderen Bauträger, der an der Sebastianstraße einen Teil des Alten Krankenhauses gekauft und auf dem Grund eine moderne Wohnanlage neu errichtet hat, eine private Wohnung gekauft. Im Zuge der juristischen Überprüfung dieser Angelegenheit waren die Strafverfolger auf den Kauf der Wohnungen auf dem Pioniergelände gestoßen.

Das Verfahren gegen Lehmann ist nicht Bestandteil des "Komplexes Klinikum", weil sich dieser vorrangig mit der Geschäftsführertätigkeit von Ex-Klinikum-Chef Heribert Fastenmeier befasst, sagte Jürgen Staudt, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ingolstadt, dem DONAUKURIER. Der Fall Lehmann wird gesondert geführt, zumal es auch um dessen Handeln in seiner Funktion als Oberbürgermeister gehe. Noch stehen Gutachten aus, sobald diese vorliegen, "wird eine Abschlussverfügung durch die Staatsanwaltschaft erfolgen".