Ingolstadt: Die Erfolgsgeschichte begann in Eichstätt
Foto: DK
Ingolstadt

Anlässlich des Jubiläums hielt der Fachjournalist und Autor Leonhard Bergsteiner im Schlaraffensaal des Stadtmuseums einen Vortrag zur Bahngeschichte Ingolstadts. Vorher hatten große und kleine Interessierte eine Stunde lang Gelegenheit, die historische Blecheisenbahn im Spielzeugmuseum fahren zu sehen. Hans-Peter Bopp, der Betreuer der historischen Modellbahn im Stadtmuseum Ingolstadt, hatte das zwischen 1930 und 1940 gebaute "gute Stück" des Spielzeugmuseums als Einstimmung auf den Vortrag extra in Gang gesetzt.

Welche Bedeutung und welches Ausmaß das Riesenprojekt der neuen Bahnlinie damals auf Ingolstadt und seine Umgebung hatte, legte Leonhard Bergsteiner (kleines Foto) kurzweilig und mit vielen Abbildungen, Fotos und historischen Postkarten vor rund 30 bahnbegeisterten Zuhörern dar. Streckenführung, die Pferdebahn und das vor genau 100 Jahren eröffnete Ausbesserungswerk kamen zur Sprache sowie natürlich die verschiedenen Ingolstädter Bahnhöfe: "Die Bahnhofsgeschichte fängt an mit dem Halt ,Ingolstadt-Provisorium €˜, wie die Holzbude am heutigen Hauptbahnhof hieß. Von der gibt es keine Abbildung mehr", erzählte Bergsteiner. Es folgten der 1870 in Betrieb gegangene Localbahnhof (ab 1904: Nordbahnhof), der 1874 eröffnete Centralbahnhof (dann Hauptbahnhof) und der Militärbahnhof (bis 1925).

Bergsteiner hob einige Besonderheiten der Ingolstädter Bahnhistorie hervor. Interessant sei schon die Vorgeschichte: "Der Start für die Bahnstrecke war eine 1858 vom damaligen Eichstätter Bürgermeister Georg Fehlner initiierte Petition an den König zum Bau einer Eisenbahnlinie München-Ingolstadt-Treuchtlingen-Pleinfeld. Diese mündete 1863 in ein Gesetz, und die Bahnstrecke wurde schließlich für 19 Millionen Gulden gebaut", erklärte der Eisenbahnfachmann, der sogar eine Abbildung besagter Petition dabei hatte.

Skurril: Der Streckenverlauf München-Nürnberg-Bamberg-Erfurt, der ab 10. Dezember 2017 nach Inbetriebnahme des Streckenstücks Bamberg-Erfurt eine Fahrt im ICE-Sprinter von München nach Berlin in 3:55 Stunden ermöglichen wird, wurde schon 1833 von dem Nationalökonomen Friedrich List vorgeschlagen. Dieser entwarf, nachdem er das Eisenbahnwesen der USA kennengelernt hatte, vor fast 200 Jahren ein Eisenbahnnetz für seine Heimat - mit möglichst gradliniger Streckenführung. "Die entspricht im Wesentlichen dem aktuellen Projekt VDE 8 München-Berlin", berichtete Bergsteiner lachend. Allerdings ist dieses für Ingolstadt leider keine richtige Erfolgsgeschichte, da der ICE nur in Nürnberg, Erfurt und Halle halten wird - an der Schanz also vorbeirauscht.

Ganz billig war das Bahnfahrvergnügen übrigens auch im Startjahr 1867 nicht: 1,30 Gulden kostete die einfache Fahrt (dritter Klasse) - zum Vergleich: Ein Heizer verdiente damals gerade einmal 1,52 Gulden am Tag.

n Zum Jubiläum "150 Jahre Eisenbahn Ingolstadt und 100 Jahre Ausbesserungswerk Ingolstadt" findet heute um 16 Uhr eine vom Historischen Verein organisierte Führung durch die Hallen des ehemaligen Ausbesserungswerks statt. Treffpunkt ist das Parkhaus Ost am Hauptbahnhof. Taschenlampe mitbringen. Die Ausstellung zum gleichen Thema im Foyer des Neuen Rathauses läuft bis 30. November.