Ingolstadt: 130 Mädchen und kein richtiges Bad
 
Ingolstadt
Ihr früherer Chef, der aus Indien stammt, weckte Rosemarie Umlaufs Interesse für dieses Land, und sie nahm sich vor, eine Patenschaft zu übernehmen, sobald sie in Rente sei. Heute bereut die Ingolstädterin, nicht schon viel früher geholfen zu haben. Dieser Eindruck verfestigte sich auch auf der mehr als dreiwöchigen Reise, die sie kürzlich zusammen mit ihrem Ehemann Arnold machte – zu Sony.

Die Elfjährige lebt in einem kleinen Dorf in Mittelindien, im Bundesstaat Maharashtra. Über den Verein Kindernothilfe unterstützte Rosemarie Umlauf das Mädchen über Jahre hinweg im Rahmen eines Dorfentwicklungsprojektes. Die Ingolstädterin war die Einzige von 150 Paten, die einen intensiven Kontakt zu dem Kind aufbaute. Deshalb ließ es sich die ehemalige Projektleiterin des Holy Cross Convents nicht nehmen, das Ehepaar in die entlegene Region zu begleiten. „Insgesamt sind wir über 660 Kilometer mit dem Taxi gefahren“, erzählt Rosemarie Umlauf. „Der Linksverkehr, das ständige Hupkonzert, die Ochsenkarren, Esel, Kühe und Ziegenherden auf den Landstraßen waren ein echtes Erlebnis.“

In Sonys Dorf wurden die Reisenden mit Gesang und Tanz begrüßt. Die Kinder stürzten sich auf die mitgebrachten Bonbons. In der Hütte der Familie, die täglich ums Überleben kämpfen muss, fand die erste Begegnung statt: „Die Armen waren genauso überfordert und überwältigt wie wir“, erinnert sich die Ingolstädterin. „Aber das Mädchen war mir vertraut wie ein Enkelkind.“ Dass sie Sony auch nach Ablauf des Projektes bei ihrer beruflichen Ausbildung unterstützt, steht für Rosemarie Umlauf fest.

Im Verlauf ihrer Indienreise besuchten Umlaufs weitere Einrichtungen des Ordens, darunter ein Wohnheim für Mädchen in Amravati. Die 130 Kinder und Jugendlichen, hauptsächlich Halbwaisen aus armen Familien, leben dort ohne ausreichende Toiletten und Duschen. Um den bereits begonnenen Bau der Sanitäranlagen fertigzustellen, benötigen die Ordensschwestern rund 15 000 Euro. Die Umlaufs haben erreicht, dass Spenden über das Referat Weltkirche Diözese Eichstätt, auf das Konto 107614950 bei der Liga Bank, BLZ 75090300 (Stichwort: Amravati) überwiesen werden können.

Das Ehepaar beteuert, jeder gespendete Euro käme dem Projekt zugute. „In spätestens drei Jahren reisen wir wieder nach Indien, um zu sehen, was aus dem Geld geworden ist.“