Einige Aktive der Waldgenossenschaft Gerolfing, der dortigen Jagdgenossenschaft und des Bayerischen Bauernverbandes haben ganze Arbeit geleistet: Unweit des Ortsschildes, also direkt vor den Augen des Ministerpräsidenten, sorgen seit Sonntagmorgen zwei an einem landwirtschaftlichen Anhänger angebrachte Transparente für Aufmerksamkeit. "Horst, Du klaust unsern Forst!", ist auf einem unter anderem zu lesen. Auch das andere präsentiert sich nicht gerade freundlich: "Horst Seehofer Landräuber im eigenen Dorf? Dein ,Paradies' bekommt Risse!" Der Protest richtet sich gegen einen möglichen dritten Nationalpark in den Donau-Auen.

Die Plakate sind nicht neu. Sie stammen von einer früheren Demonstration in Weichering, erklärt Martin Heindl, Vorsitzender der Waldgenossenschaft Gerolfing. Die Waldbauern fürchten um den Gerolfinger Eichenwald. 220 Hektar davon gehören laut Heindl der Waldgenossenschaft, etwa 400 weitere Hektar der Stadt Ingolstadt.

Waldbauern, Jäger und Landwirte sehen sich von der Regierung von Oberbayern im Stich gelassen. "Der Dialog, der immer angepriesen wird, den gibt's nicht", schimpft Heindl. "Wir möchten wissen, was passiert da überhaupt" Der Wald bei Gerolfing habe schon jetzt "die höchste Stufe als FFH-Gebiet". Was die Gerolfinger Bauern besonders ärgert: "Wir erfahren alles hintenrum." Deshalb habe man mit den provokanten Transparenten die Diskussion wieder "ins Rollen bringen wollen". Wenn in München eine Entscheidung getroffen werde, sei es zu spät.

"Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt, das finden wir nicht in Ordnung", sagt ein anderer Waldbauer, der namentlich nicht genannt werden möchte. Durch die Protestaktion habe man einen Dialog mit Seehofer bewirken wollen, erklärt er. Bislang kam aus der Staatskanzlei keine Reaktion.

"Wir leben in einer Demokratie, da sind Meinungsäußerungen erlaubt", sagte der Büroleiter Seehofers, Jürgen Fischer, gestern auf Anfrage. Weiter wollte er die Aktion nicht kommentieren. "Diese Form der Meinungsäußerung ist nicht der richtige Weg", meinte Hans-Jürgen Binner, Vorsitzender des Bezirksausschusses West. Doch auch er ist "nicht unbedingt ein Befürworter des Nationalparks", wie er gegenüber unserer Zeitung sagte. Zu vieles sei noch unausgegoren.

Anders sieht das der Ingolstädter Umweltreferent Rupert Ebner. Er ist ein glühender Verfechter der Donau-Auen als Standort für den dritten Nationalpark und kann dadurch "keinerlei Nachteile für die Landwirtschaft erkennen". Ebner verweist auf "die klare Aussage Seehofers", dass zum Nationalpark nur Flächen gehören werden, die in Besitz des Freistaats Bayern sind. Freilich werde der Freistaat auch auf Städte, Kommunen oder Waldbesitzer zukommen, um weitere Flächen gegen entsprechende Konditionen in die Gebietskulisse einzubringen.

In einem von den Landkreisen Donau-Ries und Neuburg-Schrobenhausen sowie der Stadt Ingolstadt eingereichten Fragenkatalog heißt es als Antwort darauf, was mit Flächen, die im Privateigentum oder in Besitz von Waldgenossenschaften sind, passiere: "Für einen dritten Nationalpark werden keine Privat- oder Kommunalwaldflächen vorgesehen, wenn kein Einvernehmen des Eigentümers vorliegt. Optional können private Flächen also aufgenommen werden, wenn dies von den Grundstückseigentümern ausdrücklich gewünscht wird. Waldgenossenschaften oder Privatwaldbesitzer, die ggf. Wald in die Nationalparkkulisse einbringen, würde dafür eine Gegenleistung angeboten. Welche Option - finanzielle Entschädigung oder Tauschflächen - vom jeweiligen Eigentümer bevorzugt wird, werden künftige Verhandlungen hierzu zeigen."

"Pflaumenaugust", eine Witzfigur


Ingolstadt/München (DK) Im Wörterbuch für Redensarten wird der „Pflaumenaugust“ als „ein dummer, langweiliger, inkompetenter Mann“ beschrieben, „eine Witzfigur“, die man nicht besonders ernst nehme. Als solchen, der auch noch „scharf an der Debilität entlangschrammen“ soll, hat der Interimsgeschäftsführer des Klinikums, Alexander Zugsbradl, in einem Twitter-Tweet den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer bezeichnet (DK berichtete).
Gerolfing: Vor den Augen Seehofers
In der Kritik: Der Interimschef des Klinikums, Alexander Zugsbradl. - Foto: Hauser
Gerolfing
Träger des Ingolstädter Klinikums ist der Krankenhauszweckverband, dem die Stadt Ingolstadt mit 76,6 Prozent und der Bezirk Oberbayern mit 23,40 Prozent angehören. Wie wird der Ministerpräsident, also quasi oberster Dienstherr Zugsbradls in des sen derzeitiger Funktion, auf den beleidigenden Tweet des Interimsgeschäftsführers reagieren? Jürgen Fischer, der Büroleiter des Ministerpräsidenten, meinte gestern auf Nachfrage: „Wir äußern uns zu solchen Dingen grundsätzlich nicht.“

In Ingolstadt schlug der Internetbeitrag Zugsbradls hohe Wellen. Vor allem, nachdem er jetzt in einer Facebook-Gruppe kontrovers diskutiert worden war. Mittlerweile wurde der Twitter-Account Zugsbradls gelöscht.

„Ich bin über die Äußerung entsetzt. Wenn in meiner Firma so ein Satz gefallen wäre, dann wäre der betroffene Mitarbeiter keine 24 Stunden mehr im Unternehmen gewesen“, sagte Bürgermeister Sepp Mißlbeck, der auch dem Krankenhauszweckverband angehört,gesterndemDK.Am heutigen Mittwoch beraten Aufsichtsrat und Zweckverband über mögliche dienstvertragliche Konsequenzen der Internet-Entgleisung Zugsbradls. Dieser war auch gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar