Eichstätt: Regionaltarif vor dem Durchbruch
Die dunklen Wolken über der Regionaltarif-Diskussion lichten sich: Schon im Herbst könnte die Region 10 über ein Ringzonenmodell einen flächendeckenden Tarifverbund haben. Bürger können dann mit einem Fahrschein Bus und Bahn nutzen. - Foto: Steimle
Eichstätt

Die Wunden sind verheilt: Nachdem die Stadt Ingolstadt mit der INVG vor drei Jahren überraschend kurz vor der Umsetzung aus dem fast fertigen Gemeinschaftstarif für die komplette Region ausgestiegen ist und eine eigene "Light"-Version umgesetzt hat, kommt es nun heuer offenbar zum lange ersehnten Durchbruch. Damals, im Juni 2014, hatte die INVG zusammen mit den Eisenbahnunternehmen einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Die privatwirtschaftlichen Busunternehmen aus den anderen Landkreisen von Eichstätt über Neuburg-Schrobenhausen bis Pfaffenhofen waren außen vor. Der Wille, einen einheitlichen Tarifverbund auf die Beine zu stellen, bestand aber weiterhin. "Wir haben in vielen Sitzungen weitergearbeitet", beteuerte Landrat Anton Knapp jetzt im Kreisausschuss - und verkündete: "Wir könnten ihn zum Herbst umsetzen." Dann könnte der Tarifdschungel Geschichte sein und die gesamte Region 10, nicht mehr nur der Speckgürtel rund um Ingolstadt sowie die Eisenbahnstrecken zwischen Dollnstein und Paindorf, mit einem Fahrschein Bus und Bahn nutzen.

Gleichwohl sagte Knapp das mit angezogener Handbremse. Die Erfahrung hat ihn wohl gelehrt, dass es manchmal ganz schnell anders gehen kann. "Eigentlich hatte ich mir geschworen, nicht noch einmal zum Vorreiter zu werden." Nun wird er es aber doch noch einmal. Wunschtermin zur Umsetzung: 1. September. "Das wäre ein Quantensprung für die Region, auch im Hinblick auf den geplanten Audi-Bahnhalt", sagte Knapp. Nun sind aber zunächst die einzelnen Gemeinden am Zug: Möglichst bis 22. März müssen die Gemeinderäte die entsprechenden Beschlüsse fassen, ob sie dem Regionaltarif beitreten. Denn letztlich bedeutet diese Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs auch eine finanzielle Belastung der jeweiligen Etats - um mögliche Verluste, die den beteiligten Unternehmen durch den Tarif entstehen, zu kompensieren.

Nach aktuellen Berechnungen liegt das jährliche Gesamtminus bei 54 000 Euro. Würde man den Stadtlinienverkehr in Eichstätt teilweise in den Gemeinschaftstarif integrieren, kämen insgesamt noch einmal 12 500 Euro Verlust dazu. Diese Variante will man nun auch weiterverfolgen. Weil auch der Landkreis am Defizitausgleich mitzahlt, kommen auf die 30 Kommunen im Landkreis Summen zwischen 3450 Euro (Eichstätt) und 268 Euro (Egweil) zu. Allerdings sind auch hier noch Rückerstattungen über verschiedene Zuweisungen möglich, erklärte Sachgebietsleiter Christian Geyer.

Letztlich ist dieser Tarifzonenplan eine Weiterentwicklung des aktuell gültigen INVG-Ringzonenmodells. Wie Geyer ausführte, ergeben sich damit für das aktuelle Verbundgebiet der Ingolstädter Verkehrsgesellschaft und damit auch für die bereits beteiligten Gemeinden im Speckgürtel von Ingolstadt keine Änderungen - "außer, dass sie künftig mit einem Fahrschein erheblich weiter fahren können". Außerhalb der INVG-Gemeinden werden die Einzelfahrscheine größtenteils günstiger: Eine Einzelfahrt kostet ab 2,20 Euro aufwärts.

Um auch die privatwirtschaftlichen Verkehrsunternehmen im Landkreis ins Boot zu holen, soll eine "Allgemeine Vorschrift" erlassen werden. Die ist aktuell schon in Arbeit und sorgt, wie Geyer und Knapp ausführten, dafür, dass die Unternehmer den Verbundtarif übernehmen, zugleich aber keine Ausschreibungen erfolgen müssen: "Damit kann ohne ruinösen Verdrängungswettbewerb der Nahverkehr in Kooperation mit dem privaten Mittelstand durchgeführt werden", so Geyer. Die Unternehmen, die dem Landrat zufolge bei den Beratungen nicht außen vor gewesen seien, müssten demzufolge keine Angst haben, von Billigkonkurrenten verdrängt zu werden. "Das ist auch für die Unternehmer eine Chance und eine Sicherheit", so der Landrat.

In einer internen Besprechung mit den Bürgermeistern sei bereits durchwegs "Sympathie" für den Regionaltarif bekundet worden, berichtete Knapp. "Bei allen Rückschlägen dürfen wir den Mut nicht aufgeben." Auch die Mitglieder des Kreisausschusses zeigten sich offen, auch wenn die Gemeinden zusätzlich Geld in die Hand nehmen müssten. "Hier muss der Solidargedanke im Vordergrund stehen", sagte Pförrings Bürgermeister Bernhard Sammiller (CSU). Sein Gemeinderat - und auch der in Lenting - hat dem Gemeinschaftstarif bereits zugestimmt. Und wenn eine Kommune ausschert? "Das ist schwer", sagte der Landrat. Eine Randgemeinde wäre wohl einfacher zu verkraften, aber mittendrin, "das ist dramatisch, dann können wir die Finger davon lassen".