Haben die ehemalige Hausmeisterwohnung als Wohngemeinschaft in Beschlag genommen: Vier Studenten aus ganz Bayern leben im Eichstätter Heilig-Geist-Spital. - Foto: lmh
Eichstätt
Zur Personalfeier hat das Eichstätter Altenheim auch seine jungen Bewohner geladen. Seit Ende Oktober wohnen im Heilig-Geist-Spital zwölf Studenten und Auszubildende. Weil einige der Zimmer den heutigen Standards nicht mehr gerecht wurden und frühestens in zwei Jahren renoviert werden können, entschloss sich Heimleiterin Anneliese Neubauer zu einem Experiment: "Ich habe einen Aushang an der Uni gemacht, eine Anzeige geschaltet – und die Zimmer waren weg." Theresa Wagenknecht (22) wohnt seit zwei Wochen im Altenheim. Zu Semesterbeginn war die Religionspädagogikstudentin spät dran mit der Wohnungssuche. Zu teuer oder arg heruntergekommen waren die Zimmer, die ihr angeboten wurden. "Ich war echt verzweifelt." Ein Zimmer mit Dusche, Blick auf die Altmühl für 150 Euro warm – "da habe ich sofort zugeschlagen."

Nachdem das Männerwohnheim Rosenthal im Sommer geschlossen wurde, musste Aleksander Taran (35) ganz schnell eine neue Bleibe finden. Der lizenzierte Theologe hat bereits in fünf Studentenwohnheimen gelebt. "Das war die Hölle." Studenten feiern fast jede Nacht, "aber ich muss arbeiten." Im Heilig-Geist-Spital fühlt sich der Ukrainer richtig wohl. "Hier kann ich mich endlich konzentrieren und kreativ sein."

Die älteren Bewohner hätten sehr positiv reagiert, erzählt Anneliese Neubauer. "Die freuen sich, wenn sie mit den Studenten ein bisschen plaudern können und neue Gesichter sehen." Die jungen Leute seien schließlich ausgesprochen höflich und zuvorkommend. Vor ein paar Tagen war Anneliese Neubauer bei einer Bewohnerin zu Besuch. Die erklärte, dass sie Theresa bereits jeden Morgen einen Kaffee machen würde. "Da tauchen plötzlich wieder mütterliche Instinkte auf."

Einen besonderen Glücksgriff haben vier junge Männer aus Bayern getan. Auf einen "Geheimtipp" eines Kommilitonen hin gingen sie ins Heilig-Geist-Spital. Seitdem wohnen die vier Studenten der Sozialen Arbeit in einer ehemaligen Hausmeisterwohnung. Ein großes Wohnzimmer, eine geräumige Küche und helle Zimmer – "es gibt eigentlich keine Unterschiede zu einer normalen WG", sagt Christoph Schmid-Schneider (18). "Nur morgens, wenn wir zur Uni gehen, sitzen stets zwei ältere Bewohner vor unserer Tür am Fenster und rauchen", ergänzt Martin Kulzinger (23).

Natürlich war Theresa zunächst skeptisch, doch weder abends feiern zu gehen noch der strikte Tagesablauf im Heilig-Geist-Spital seien ein Problem. "Ich muss eh früh raus wegen der Vorlesungen."

Die Mischung aus Jung und Alt findet Theresa super. Sie ist überzeugt davon, dass solche Projekte dazu beitragen, die Beziehung zur älteren Generation zu überdenken. "Dadurch leben die Senioren nicht mehr so abgesondert von der Umwelt." Neulich hat Theresa eine der älteren Bewohnerinnen auf dem Flur getroffen. "Sie ist auf mich zugekommen und hat gesagt: Endlich mal ein paar junge Leute und nicht nur Alte hier."