Mutmaßliche Vergewaltigung im Hindenburgpark
Auch im Hindenburgpark wurde am Wochenende eine Frau Opfer eines Sexualdelikts: Nahe der Nördlichen Ringstraße wurde sie im Hindenburgpark überfallen und in ein Gebüsch gezerrt.
Stefan Eberl
Ingolstadt

Sowohl im Fall der 33-Jährigen, die am Samstagabend auf dem Heimweg vom „Electric Summer Music Open Air“ in Gaimersheim vergewaltigt wurde, als auch in dem der bereits am Morgen im Hindenburgpark in Ingolstadt angegriffenen 67-jährigen Joggerin (wir berichteten) gehen die Beamten von sexueller Nötigung aus. Dies teilte Polizeisprecher Peter Grießer am Montag auf Nachfrage unserer Zeitung mit. „Die Kriminalpolizei ist an beiden Fällen dran, die Kollegen haben noch am Wochenende die Ermittlungen aufgenommen“, sagte er.

Derzeit läuft dem Sprecher zufolge die Auswertung der Spuren, die an den Tatorten sowie an beiden Opfern gefunden wurden. „Die Laboruntersuchungen dauern aber etwas“, kündigte Grießer an. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, würden derzeit keine konkreten Hinweise zum Verfahren bekanntgegeben, „sie laufen aber in alle Richtungen, wir gehen jedem Hinweis nach“.

In den sozialen Netzwerken werden die Vorfälle ausführlich diskutiert – insbesondere in Bezug darauf, dass gleich zwei Frauen innerhalb kurzer Zeit in der Region Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden sind. „Das quasi vor der Haustüre. Denke, es kann nicht schaden, einen Kurs zur Selbstverteidigung zu machen“, schreibt eine Facebook-Nutzerin. „An einem Wochenende zweimal. Wo leben wir?“, fragt sich ein anderer. Im Fall der in Gaimersheim Vergewaltigten, die den Täter laut Polizei als dunkelhäutig beschrieb, ist insbesondere dessen Herkunft ein Thema. Grießer zufolge ermitteln die Beamten tatsächlich auch in Richtung der Asylunterkünfte der Marktgemeinde. „Es gibt aber keinen konkreten Verdacht“, betonte er und warnte vor voreiligen Schlüssen.

In beiden Fällen ist die Anteilnahme groß: „Ich hoffe, den Opfern geht es den Umständen entsprechend gut“, heißt es auf Facebook. Dazu machte die Polizei allerdings keine Angaben, bekannt ist nur, dass die im Hindenburgpark überfallene Joggerin leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht wurde. In Gaimersheim hat sich die Vergewaltigung der Besucherin des „Electric Summer Music Open Air“ schnell herumgesprochen. Mitveranstalter Johannes Vollnhals, der als DJ JoeMen aufgelegt hatte, erfuhr während des Bühnenabbaus am Sonntag von der Tat. „Wir sind geschockt und hoffen, dass der Täter gefunden wird“, sagte der Jugendliche gestern gegenüber unserer Zeitung. Er selbst habe mit der Polizei telefoniert, weil er von einigen Gästen gehört habe, dass der Täter ebenfalls das Open Air besucht habe.

„Als Veranstalter ist man hilflos, wenn einer Frau so etwas auf dem Nachhauseweg passiert, das ist schlimm“, sagte Vollnhals betroffen. Mit den Gedanken sei er bei dem Opfer in der Hoffnung, dass es der 33-Jährigen bald wieder besser geht. „Man darf sich davon aber nicht unterkriegen lassen“, merkte der DJ an. Er versprach, sich trotz allem Gedanken über eine Fortsetzung der Musikveranstaltung im nächsten Jahr zu machen. „Mit dem Festival an sich war ich ja sehr zufrieden.“


Man wird selten Opfer, wenn man selbstbewusst wirkt

Leute, Lärm und Licht: Kriminalhauptkommissarin Silke Poller, Beauftragte des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord für Kriminalitätsopfer, rät dazu, sich stets an die "Drei-L-Regel" zu halten:

Frau Poller, wie sollte sich jemand verhalten, der ganz alleine unterwegs ist?

Silke Poller: Grundsätzlich sollten Familie und Freunde wissen, wo ich mit wem bin. Man kann sich im Vorfeld Gedanken machen, wie man nach Hause kommt. Ich rate dazu, sich an die Drei-L-Regel zu halten: Leute, Lärm, Licht. Man sollte sich einen Weg suchen, auf dem Leute sind. Kein Waldweg, sondern beleuchtet, und wenn was ist, kann ich schreien oder jemanden ansprechen.
 

Was raten Sie Frauen?

Poller: Frauen haben beim Weggehen oft hohe Schuhe an. Wir haben meist große Taschen dabei, da passen Ballerinas, mit denen ich weglaufen kann, hinein. Wenn ich mich bemerkbar machen will, dann "Feuer" rufen, da reagieren mehr Menschen als auf "Hilfe". In einer Notlage ist es besser, gezielt jemanden anzusprechen: "Sie mit der roten Jacke" zum Beispiel. Das ist persönlicher, dann ist die Bereitschaft größer, zu helfen.
 

Was ist, wenn niemand da ist, den man ansprechen könnte?

Poller: Man wird selten Opfer, wenn man selbstbewusst wirkt. Jugendlichen sage ich, sie sollten nicht ständig aufs Handy schauen, sondern mit offenen Augen und Ohren gehen. Dann merke ich eine Gefahrensituation eher und kann die Richtung wechseln. Es ist wichtig, sich im Vorfeld zu fragen: Was wäre, wenn? So bin ich darauf vorbereitet, einen Sprint einzulegen, zu brüllen oder die Handtasche zu schwingen.
 

Haben Sie ein, zwei einfache Tipps zur Selbstverteidigung?

Poller: Es gilt: Selbstbehauptung vor Selbstverteidigung, Stärke zeigen, damit sich der Täter gar nicht erst traut. Und die Frage stellen: Würde ich mich trauen, jemanden anzugreifen? Es hilft, solche Situationen durchzuspielen und auszuprobieren, was man intuitiv machen würde. Verteidigung muss man trainieren.

 

Die Fragen stellte Tanja Stephan.

 

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