Ingolstadt: Das Mikrofon des Oberbürgermeisters Christian Lösel (rechts) ist immer an - dadurch war in der jüngsten Sitzung auch eine dahingesprochene Äußerung seines Stellvertreters Albert Wittmann zu hören.
Das Mikrofon des Oberbürgermeisters Christian Lösel (rechts) ist immer an - dadurch war in der jüngsten Sitzung auch eine dahingesprochene Äußerung seines Stellvertreters Albert Wittmann zu hören.
Eberl
Ingolstadt
Die Empörung einiger Stadträte ist groß - doch Wittmann versichert: "Das war nicht gegen den Stadtrat gerichtet."

 

 

"Ich möchte nicht sagen, dass es nicht meine Stimme war, die man im Livestream gehört hat."

Albert Wittmann, Bürgermeister

 

Das Pikante an der Angelegenheit, das einige Stadträte besonders auf die Palme brachte: Nachdem in der Stadtratssitzung am Donnerstag die Äußerung über das Internet bekannt geworden und dann angesprochen worden war, hatte Wittmann erklärt: "Wenn hier jemand etwa den Stadtrat in seiner Gesamtheit als ,Deppenhaufen' bezeichnet hätte, wäre das alles andere als korrekt." Er könne sich das zwar nicht vorstellen, aber man solle auf jeden Fall prüfen, "was wann durch wen gesagt worden ist". Denn: "So etwas geht nicht! Punkt."

Grünen-Fraktionschefin Petra Kleine hatte nach der Veröffentlichung des Livestreams in einem sozialen Netzwerk erklärt: "Ich weiß gar nicht, was man dazu sagen soll." Die Äußerung selbst sei ja noch hinnehmbar, die Ausführungen, die Wittmann später in der Sitzung gemacht habe, seien allerdings dreist. Das sage so viel über die Person aus, "dass man sich gar nicht vorstellen mag, dass es wirklich derselbe war".

Video: Mitschnitt der Stadtratssitzung - inklusive "Deppenhaufen-Äußerung"

Doch wenn man sich die Aufzeichnung anhört (ab Minute 00:51:56), lässt sich Wittmanns charakteristische Stimme deutlich heraushören. Und sie sagt: "Mei, is des ein Deppenhaufen!"

Für SPD-Fraktionschef Achim Werner ist der Vorgang "ungeheuerlich", wie er gestern auf Anfrage erklärte. Die Oppositionsparteien wollten sich beraten, wie man auf diesen Vorgang reagiert.

Aus Sicht des CSU-Bürgermeisters ist die ganze Aufregung überflüssig. "Ich möchte nicht sagen, dass es nicht meine Stimme war, die man im Livestream gehört hat", sagte Wittmann gestern Nachmittag gegenüber dem DK. Aber den Stadträten habe die Beschimpfung nicht gegolten. Vielmehr habe er sich über eine private SMS aufgeregt, die er während der Sitzung bekommen und gelesen habe. Dabei könne auch die Äußerung gefallen sein, weil er sich furchtbar geärgert habe. "Aber das weiß ich nicht mehr." Was er wisse: "Ich würde das niemals gegen ein Mitglied des Stadtrates oder den gesamten Stadtrat richten. Es war eine rein private Äußerung."

Grünen-Stadträtin Kleine äußerte, am Abend mit den Aussagen des Bürgermeisters konfrontiert, gewisse Zweifel an Wittmanns Darstellung: "Er hat ja da gerade noch seinen Zusatzantrag formuliert - ob er dann noch eine SMS liest..." Aber sie wolle das nun so stehen lassen.