Ingolstadt: Seehofer ein grenzdebiler "Pflaumenaugust"?
Mit einem Twitter-Beitrag in die Kritik geraten: Klinikumschef Alexander Zugsbradl.
Hauser
Ingolstadt
Am 13. Oktober 2016 hatten sich Aufsichtsrat und Krankenhauszweckverband für Zugsbradl als Interimschef ausgesprochen. Der Diplom-Kaufmann und Gesundheitsökonom, vor seiner Tätigkeit in Ingolstadt Vorstand der Rottal-Inn-Kliniken, sollte zunächst übergangsweise Nachfolger des langjährigen Geschäftsführers Heribert Fastenmeier werden, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs der Untreue ermittelt.

Jetzt ist auch Zugsbradl in Bedrängnis geraten: durch einen Twitter-Beitrag, in dem er den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer als „scharf an der Debilität entlangschrammenden Pflaumenaugust“ bezeichnet hatte. Nach darauf folgenden, kontroversen Diskussionen auf Facebook hatte Aufsichtsratsvorsitzender, OB Christian Lösel, einen Anwalt dienstvertragliche Konsequenzen überprüfen lassen. Das Ergebnis sollte heute in nicht-öffentlicher Sitzung dem Aufsichtsrat und Krankenhauszweckverband bekannt gegeben werden, der dann über das weitere Vorgehen entscheiden sollte. Zugsbradl kam dem offenbar zuvor. Er hat sein Amt niedergelegt und scheidet mit Ablauf des heutigen Tages „auf eigenen Wunsch“ aus. Bis Jahresende wird Mitgeschäftsführer Andreas Tiete, auch Ärztlicher Direktor des Klinikums, die Geschäfte des Klinikums und seiner Tochtergesellschaften allein führen. Ab 1. Januar 2018 wird Monika Röther mit ihm als Doppelspitze die Leitung des Unternehmensverbundes verstärken.

Pflaumenaugust
Der Pflaumenaugust hat es sogar in den Duden geschafft.
Ziegler
Ingolstadt
Bei seinem Amtsantritt hatte Zugsbradl, der seit über 20 Jahren in leitenden Positionen im Gesundheitswesen tätig ist, erklärt, er würde dem Klinikum „sehr gerne“ auch längerfristig zur Verfügung stehen. Sein Vertrag ging zunächst bis Ende März dieses Jahres und wurde dann bis zum Jahresende verlängert. Nachdem Zugsbradl im Zuge eines Ausschreibeverfahrens für den Geschäftsführerposten nicht zum Zuge gekommen wäre, hatte er seine Bewerbung zurückgezogen. Auch seinen früheren Arbeitsplatz, die Rottal-Inn-Kliniken, hatte Alexander Zugsbradl in Unfrieden verlassen. Im Onlineauftritt der „Passauer Neuen Presse“ war damals von einem „Paukenschlag“ die Rede.
 

Kommentar von Ruth Stückle

Seine Zeit am Klinikum währte fast auf den Tag genau ein Jahr. Mit großen Vorschusslorbeeren war Alexander Zugsbradl nach dem unrühmlichen Abgang des langjährigen Geschäftsführers Heribert Fastenmeier als Interimsgeschäftsführer nach Ingolstadt geholt worden. Er sollte das skandalgerüttelte Krankenhaus wieder in ruhiges Fahrwasser führen, das Vertrauen der Patienten und Mitarbeiter in das viertgrößte Akutkrankenhaus Bayerns zurückgewinnen. Genau das Gegenteil hat er getan. Mit seinem jüngsten Twitter-Beitrag hat Alexander Zugsbradl nicht nur Ministerpräsident Horst Seehofer, sondern vor allem sich selbst zum Pflaumenaugust degradiert. Was ihn geritten hat, schon zum zweiten Mal im Internet verbales Harakiri zu begehen, bleibt sein Geheimnis. Aufsichtsrat und Krankenhauszweckverband mussten reagieren. Dass sein Rückzug auf „eigenen Wunsch“ kommt, glaubt wer will.