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IAV_Craschanlage_R7A7901_HiRes-JPG.jpg IAV-Crashtestanlage in Großmehring
Christian Bierwagen (IAV)
Großmehring

Thomas Papenheim, Geschäftsführer der IAV Fahrzeugsicherheit GmbH & Co. KG, die Betreiber des Testcenters ist, betont, dass die 10 000 Quadratmeter große Crashanlage "auf neutralem Boden" gebaut worden sei und sowohl das Grundstück wie auch das Gebäude der IAV gehörten. Deshalb könnten dort Versuche nicht nur für einen, sondern für viele Autohersteller durchgeführt werden.

"Sicherheit ist ein immer wichtigeres Thema in der Automobilbranche", so Papenheim. Und trotz der fortschreitenden Digitalisierung müssten die daraus resultierenden Ergebnisse "durch Tests abgesichert" werden. "Die Crashtests mit Vorserienfahrzeugen verifizieren den ,Crash am Rechner'", sagt er und erkennt gerade in Süddeutschland mit den dort ansässigen Autoherstellern Audi, BMW, Daimler und Porsche einen steigenden Bedarf an Crashversuchen, begründet auch darin, dass bei den Autobauern immer mehr Modelle auf einer einzigen Plattform gebaut werden.

Die Anforderungen an den Insassenschutz würden auch dadurch immer komplexer, dass unter dem Aspekt des autonomen Fahrens dem Fahrzeuginnenraum mehr Bedeutung zukomme. Er werde "vom Fahrgast- zum Wohnraum" - mit ganz verschiedenen Sitzpositionen, erläutert Papenheim. Andererseits könnten auch durch autonomes Fahren Unfälle nicht zu 100 Prozent vermieden, sondern lediglich deren Zahl reduziert werden.

Die neue Halle von IAV Automotive Engineering bei Großmehring.
Hauser, Johannes, Ing (Hauser)
Großmehring

Der Bau der Crashanlage in Großmehring, in der rund 30 Mitarbeiter beschäftigt sind, ist laut Papenheim ein "deutliches Signal an den Markt und ein Bekenntnis zu Standort und Kunden in Süddeutschland". Und auch wenn IAV damit als europaweit einziges Engineering-Unternehmen über zwei Testzentren verfügt (das andere steht in Gifhorn), sieht er IAV nicht als "Crash-Unternehmen", sondern als Technologiepartner, der auch Innovationen entwickeln will.

In der eigentlichen Crashanlage in Großmehring, in der Front-, Seiten- und Heckcrashs durchgeführt werden können - und zwar auch für Elektroautos, für die ein erheblicher Zusatzaufwand für technische und Arbeitssicherheit nötig ist -, ist die Crashbahn mit einem 100 Tonnen schweren Betonblock ausgestattet. Er ist für Aufprallgeschwindigkeiten von maximal 120 Stundenkilometern ausgelegt und lässt sich auch seitlich aus der Bahn verschieben, sodass zwei Fahrzeuge mit jeweils bis zu 50 Stundenkilometern frontal aufeinanderprallen können. Zusätzlich gibt es in der Anlage noch eine eigene Halle für Rollover-Versuche, bei denen Fahrzeuge zum Kippen oder Rotieren gebracht werden, um die Auslösesensorik der Airbags zu testen. Eine LED-Beleuchtung sorgt in der Anlage für eine flächige Ausleuchtung. Bis zu 20 Kameras liefern pro Sekunde mindestens 1000 Bilder in HD-Qualität. Es sind aber auch bis zu 4000 Bilder möglich.

Mitte September hat IAV mit dem operativen Betrieb in Großmehring begonnen, bis Ende des Jahres soll dem Geschäftsführer zufolge die Phase des Hochfahrens der Anlage abgeschlossen sein. Ab dem kommenden Jahr plant das Unternehmen dann mit 350 bis 400 Versuchen pro Jahr.