Ikone trifft Schönling
Roth (HK) Rau, gitarrenlastig, trendy und kontrovers kommen die 21. Rother Bluestage daher. Kontrovers deshalb, weil man beim Headliner Nina Hagen an alles, nur nicht an Blues denkt. Am 24. März startet das Festival, das dieses Mal bis zum 1. April dauert.
Nina Hagen sei eine Musikerin, die sich in keine Schublade pressen lasse, so Rieger. Nach eigenem Bekunden sei Nina tief mit Blues und Gospel verbunden. „Sie hat mir gesagt, dass sie in Mexiko sogar als ,The Blueswoman’ bekannt sei.“ Das solle nun hier auch so werden. Gespielt habe sie den Blues schon im Alter von zehn Jahren. „Die Griffe hat ihr Wolf Biermann beigebracht.“
Bekannt ist die 56-jährige Nina Hagen live vor allem als die Übermutter des deutschen Punk. Die SZ hat die Popikone schon einmal überschwänglich als „Deutschlands wahren Superstar“ bezeichnet. In Roth präsentiert sie ihre neues Album „Volksbeat“. Welche ihrer vielen musikalische Ausdrucksarten in Roth dann wirklich bewundert werden darf, gilt abzuwarten. „Wir freuen uns auf alle Fälle sehr auf unseren Headliner“, bekundeten Silke Rieger und Monika Ammerer-Düll.
Weniger Probleme werden die Bluesfans mit Dana Fuchs und Will Wilde haben, die heuer das Festival eröffnen. Ein junges, kraftvolles Duo, dass Stimme, Können und Bühnepräsenz mitbringt. Will Wilde gilt trotz seiner 22 Jahre schon als Meister der Bluesharp. „Wunderbar, dass wir dieses Instrument neben all den Gitarren bieten können“, sagte Ammerer-Düll. Frauen wie Dana Fuchs machten ihr gar Angst, wenn sie – wie diese – ein Ziel so felsenfest vor Augen hätten. Fuchs ging nämlich als 19-Jährige nach New York, um dort als Bluessängerin Erfolg zu haben. Was ihr eindrucksvoll gelang.

Bluestage mit Nina: Mit Roths stellvertretender Bürgermeisterin Elisabeth Bieber präsentieren Monika Ammerer-Düll und Silke Rieger (von links) das Festival. - Foto: Messingschlager
Ein alter Bekannter kommt mit Eric Sardinas. Der Gitarrenheld aus dem Bildbuch und „legitime Nachfolger von Johnny Winter“ hat eine heiße Mischung aus Texas- und traditionellem Blues m Gepäck. Für Silke Rieger „beschert er alles , was man sich von einem Bluesabend wünscht“. Was man auch über Rudy Rotta und Matt Schofield sagen kann. Der 61-jährige Italiener und der 34-jährige Engländer zählen nicht nur zu Europas herausragenden Gitarristen ihrer Generation, „sie haben auch beide eine Schwäche für die Hammond“, wie Silke Rieger verriet. Schofield gehe sogar so weit, komplett auf einen Bassisten zu verzichten.
In der Vergangenheit schwelgen kann man mit Walter Trout, Clem Clempson, Chris Farlowe und der Hamburg Blues Band – und das alles an einem Abend. Für Augen und Ohren etwas ist Philip Sayce, glaubt man Monika Ammerer-Düll. „Das ist der schönste Mann des Blues, das wussten wir allerdings noch nicht als wir ihn engagiert haben.“ Ansonsten reiht sich Sayce in eine Reihe mit Bonamassa und Freischlader, trendige Bluesrocker, die nicht nur für Eigeweihte spielen.
Zu den Bluestagen gibt es auch wieder eine Ausstellung: ein fotografischer Rückblick auf die ersten 20 Jahre.
Von Rainer Messingschlager
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