Klug werden und Spaß haben – beides geht. Beim Konficamp setzen sich die Teilnehmer kritisch mit der Zeit Luthers auseinander Hannah Rick (hält das Plakat rechts) und Bruder Nicolas (hält es links) sind Teil der „Schwärmer“, finden aber deren Einstellung zur Gewalt nicht gut.
Leykamm
Reinwarzhofen

Die jungen Christen tauchen förmlich in die Geschichte hinein, machen sie dadurch lebendig und lernen, Luthers Botschaft in unsere Gegenwart zu übertragen – jeder für sich persönlich. Es muss jede Menge los gewesen sein zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Darauf lässt jedenfalls die Vielzahl der Gruppen schließen, in die sich die jungen Gläubigen von heute aufteilen: Kurfürsten und Klerus, Bauern und Städter, Nonnen und Mönche – sie alle ringen um ihren Platz in der Gesellschaft und um die rechte Sicht von Gott, Welt und sich selbst.

Darunter auch die „Schwärmer“: eine recht illustre Träumersekte, die beim Zeltlager auch vertreten ist. Camp-Mitarbeiter Paul Löffler aus Weiá ?boldshausen bastelt da mit seinen Mitstreitern gerade an einer Rede. „Wir wollen die Abschaffung des privaten Besitzes und die Gleichberechtigung von Mann und Frau“, fasst er einige zentrale Gedanken seines Teams zusammen. Luther mache zwar einen Schritt in die richtige Richtung – „aber das ist noch lange nicht genug“. Denn die Schwärmer wollen „gleiches Recht für alle!“ So malt es Pauline Dollack aus Alfershausen auf ein Plakat. Und schon geht es raus damit auf den imaginären Marktplatz zur Diskussion.

Zuvor aber flattert der Sekte noch eine Botschaft der „neuen Nonnen“ ins Zelt. Sie wollen, dass die „Fastenzeit zur Partyzeit“ wird. Die Schwärmer sind sich da nicht so sicher, schwärmen lieber nach außen und bereden sich mit den Städtern, die sich gegen die Kurfürsten verbünden wollen. Und gegen den Klerus. Vom „Untergang der herkömmlichen Kirche“ wird schwadroniert. Da regt sich heftiger und deftiger Gegenprotest: „Ihr habt doch einen an der Klatsche!“

Es geht auch diplomatischer, wie Nele Pfahler aus Thalmässing, hier Vertreterin des „Klerus minor“ beweist. Sie will den Bauern bei ihrer Forderung nach Bildung entgegenkommen – wenn die sich im Gegenzug gegen die Reformation aussprechen. Bei den Schwärmern regt sich mittlerweile gar Protest in den eigenen Reihen: Hannah Rick (Thalmässing), erstmalig als Camp-Mitarbeiterin dabei, spricht sich gegen die bei der Sekte propagierte Gewalt aus, ebenso wie ihr Bruder Nicolas, der im nächsten Jahr konfirmiert wird.

Das Lager aber findet Nicolas cool. Es ist bereits das fünfte Konficamp des Weißenburger Dekanats. Leiter Frank Schleicher und die Coleiterin Brigitte Reinard betreten mit ihren Mitstreitern dabei auch Neuland. So lassen sie eine Kernfrage Luthers in neuem Gewand erscheinen. Was ist wichtiger: dem eigenen Gewissen zu folgen oder den Forderungen der Obrigkeit? Oder gar dem eigenen Vorteil? Sogar ein Flugzeugabsturz wird simuliert, um das Dilemma zu verdeutlichen. Jetzt heißt es zu helfen oder Punkte zu sammeln, um so dem eigenen Team zum Sieg zu verhelfen. Was nun? Für was steht Luther im Reichstag zu Worms ein und für was der Konfirmand in Reinwarzhofen?

Am steht des Reformators quälendste Frage im Raum: „Wer bin ich?“ Und wer richtet über mich? Die Juroren von „Deutschland sucht den Superstar“, wie es die Mitarbeiter durchexerzieren? Die anderen, indem sie mein Smartphone entscheiden lassen, ob ich „in“ bin und „dazugehören“ darf? Oder der Schöpfer, der den Einzelnen bedingungslos annimmt? Schleicher und Reinard liefern die Antwort: „Gott blickt Dir ins Herz und nicht aus Handy.“

Zum Abschluss gibt es ein Galadinner, bei dem die Mitarbeiter die Jugendlichen bedienen. Danach sorgen sie selbst mit Beiträgen fürs Gelingen eines bunten Abends, der in einer Disco mündet. Dann heißt es am Sonntag, die fast 30 Zelte wieder abzubauen und aufzuräumen. Der Dank der Organisatoren gilt hier auch den vielen Eltern und Freuden der Teilnehmer, die fleißig anpacken. Ganz ohne Schwärmerei, dafür wohl aber recht im Sinne Luthers.