Weinsfeld: Zweimal Gold für einen Dachstuhl
Europas bester Zimmerer: Simon Rehm aus Weinsfeld setzt sich an die Spitze der insgesamt 24 angetretenen Zimmerer aus neun Nationen. Sein Modell eines Dachstuhls überzeugt die Jury im französischen Grenoble - Fotos: Küttner/Holzbau Deutschland
Weinsfeld

„Einfach unglaublich“, sagt Simon Rehm selbst über seinen Sieg. Er könne es noch gar nicht begreifen, dass tatsächlich er es war, der am Ende zusammen mit einem Franzosen die Goldmedaillen für die Einzelwertung und mit der deutschen Nationalmannschaft auch für die Teamwertung mit nach Hause nehmen durfte. Denn die Aufgabe hatte es durchaus in sich: Innerhalb von 22 Stunden, verteilt auf drei Wettkampftage, mussten die Teilnehmer ein Dachstuhlmodell erstellen.

Dafür bekamen Simon Rehm und seine Konkurrenten eine kleine Zeichnung vorgelegt und verschiedene Hölzer. Anhand der Zeichnung könne man beginnen, die verschiedenen Abschnitte in der Originalgröße auf Papier zu zeichnen und die Längen aufs Holz zu übertragen. Eine besondere Schwierigkeit sei, dass alles per Hand gemacht werde, auch das Sägen: „Maschinen sind nicht erlaubt“, sagt Rehm. Das Bewertungskriterium ist dementsprechend die Präzision. „Wenn die Längen schon um einen halben Millimeter falsch sind, gibt es Punktabzug“, erklärt der Medaillengewinner weiter.

Die Aufgabe an sich habe er zwar eigentlich nicht so schwer gefunden: „Ich habe im Training schon schwierigere Modelle gebaut“. Trotzdem ginge einem auch Einfacheres dann nicht mehr so leicht von der Hand, wenn man aufgeregt sei, erzählt Rehm gestern auf der Heimreise nach Weinsfeld.

„Unbegründet“, findet sein Bruder Christian Rehm, „er kann was und das weiß er eigentlich auch.“ Und das zeigte sich dann im Wettbewerb: „Bei uns im Team waren wir sehr schnell, wir waren zwei Stunden vor der Zeit fertig“, erklärt Simon Rehm. Eine „saubere Leistung“, nennt auch Peter Aicher, Präsident des Landesinnungsverbandes des Bayerischen Zimmererhandwerks, das, was die deutsche Nationalmannschaft da abgeliefert hat. „Großen Respekt dafür“, so Aicher. Denn neben Rehm schaffte es noch ein weiterer seiner insgesamt sechs Teamkollegen schaffte es aufs Treppchen: Kevin Weidner aus Bischbrunn in Unterfranken belegte den dritten Platz.

„Die beiden besten Ergebnisse werden zusammengezählt und so erhält man das Ergebnis der Mannschaft“, erklärt Rehm. Mit zwei Medaillen in der Einzelwertung sei so ein Spitzenplatz auch in der Mannschaftswertung sehr wahrscheinlich gewesen. „Dabei habe ich am letzten Tag einen Fehler gemacht, die Längen haben nicht gestimmt. Da war ich eigentlich sicher, dass ich nicht mehr gewinnen kann“, berichtet der 20-Jährige. „Aber dann hat es zu meiner Überraschung am Ende doch noch gereicht, einen Fehler hat jeder irgendwo mal drin“, sagt er fröhlich.

Das Zimmererhandwerk hat Simon Rehm sozusagen in die Wiege gelegt bekommen. Denn nicht nur er ist Zimmerer, auch seine beiden Brüder sind es. Und alle drei arbeiten bei Vater Gerhard Rehm, der – wie könnte es anders sein – ebenfalls Zimmerer ist und seinen eigenen Betrieb leitet. „Wir sind ein Familienbetrieb in vierter Generation. Für mich stand schon immer fest, dass ich auch einmal das Zimmererhandwerk erlernen werde“, erzählt der neue Europameister.

Dass er Talent hat, zeigte sich ebenfalls sehr schnell: So wurde er 2012 schon bayerischer Landessieger und holte außerdem den zweiten Platz bei der deutschen Meisterschaft – sein Ticket in die Nationalmannschaft. Mit dem Europameistertitel kann er sich nun für die Teilnahme an der Berufsweltmeisterschaft 2015 in Brasilien qualifizieren. Wer letztendlich aus der deutschen Mannschaft teilnehmen darf, entscheidet erst ein interner Ausscheid. „Aber ich glaube, als Europameister habe ich ganz gute Chancen“, sagt er verschmitzt.

An die WM wolle er zunächst aber noch nicht zu viel denken, schließlich sei er ja gerade erst Europameister geworden: „Das hat noch Zeit, jetzt wird zwei Monate erst mal nix mehr mit Modellen sein“, sagt er lachend. Denn das Hobby mit den Modellen habe doch recht wenig mit der wirklichen Arbeit eines Zimmerers zu tun und sei außerdem sehr zeitaufwendig. „Das kann ich in Stunden gar nicht mehr ausdrücken, so viel habe ich für die Europameisterschaft trainiert.“

Genauer gesagt: Zweimal die Woche Training alleine, und alle vier Wochen habe er sich mit der Mannschaft und den beiden Ausbildungsmeistern Michael Rieger und Jens Volkmann im Zimmererausbildungszentrum in Biberach getroffen. „Das muss man sich so vorstellen, dass wir zur Vorbereitung die Wettbewerbssituation nachstellen und Modelle bauen, meistens solche, die schon in früheren Wettbewerben dran waren“, erklärt der Weinsfelder. Neben der Zeit, die sein Hobby in Anspruch nehme, dürfe man außerdem nicht vergessen, dass so eine Wettbewerbssituation nicht ohne ist: „Das merkt man schon, dass es ein Wettstreit ist, obwohl sich im Laufe der Tage die Stimmung gelockert hat“, so Rehm.

Auch deshalb brauche er nun definitiv einmal eine Pause. „In drei Monaten kann es vielleicht wieder losgehen“, sagt er. Ein Satz, der auch seine Freundin freuen dürfte, „obwohl sie mich immer sehr unterstützt“, wie er sagt. „Genauso wie eigentlich alle aus meiner Familie.“ So wundert es kaum, dass es ihm sogar beim Wettbewerb in Frankreich nicht an Unterstützern gefehlt hat: Neben seiner Freundin waren auch die Eltern und ein weiterer Bruder zum Daumendrücken mitgefahren. Mit Erfolg, wie sich jetzt zeigte.