Thalmässing: Eine seiner selbst gebauten Weihnachtskrippen, die er auch in der Ausstellung in der Kirche St. Gotthard in Thalmässing präsentiert, zeigt Georg Horndasch. Wie das große Geschenk an die Gemeinde St. Gotthard in voller Pracht aussieht (links), wird erst dort zu sehen sein.
Eine seiner selbst gebauten Weihnachtskrippen, die er auch in der Ausstellung in der Kirche St. Gotthard in Thalmässing präsentiert, zeigt Georg Horndasch. Wie das große Geschenk an die Gemeinde St. Gotthard in voller Pracht aussieht (links), wird erst dort zu sehen sein.
Luff
Thalmässing

Wohl dem, der solch ein Prachtexemplar sein Eigen nennen kann: Etwa zwei Quadratmeter Fläche nimmt sie ein, die künftige Weihnachtskrippe der evangelischen Gemeinde St. Gotthard. "Die größte, die ich je gebaut habe", sagt Georg Horndasch aus Ruppmannsburg. Wer sie sehen möchte, sollte zur Krippenausstellung an diesem Wochenende in die Kirche kommen. Nicht nur Eingeweihte werden wohl auf den ersten Blick erkennen, welches Gebäude mit markantem Fachwerk für das Modell Pate gestanden hat. Mehr will Horndasch vorab noch nicht verraten, "es soll schließlich eine Überraschung sein".

Der 73-Jährige ist nicht nur Erbauer der neuen Krippe, sondern seit 34 Jahren auch Organist in der Kirche, in der sie fortan zu bewundern sein wird. Und nicht zuletzt einer der Väter der Krippenausstellung. Doch diese Lorbeeren weist der Senior bescheiden ab. Es sei ein ganzes Team, das die Krippen in die Marktgemeinde geholt habe: Neben Horndasch legen sich dafür auch Georg Birngruber aus Reichersdorf, das Ehepaar Karl und Waltraud Hölzel und nicht zuletzt Sabine Ronge ins Zeug, Marktratsmitglied und Leiterin des Regenbogen-Kindergartens. Nach einem Probelauf 2013, als man in der leerstehenden Metzgerei Lederer am Marktplatz erstmals Krippen zeigte, zog die Schau in größerem Format 2015 ins Gemeindezentrum St. Marien, wo es sie auch im vergangenen Jahr gab. Jetzt also St. Gotthard - nicht nur des Geschenks wegen. "Wir mussten immer die Treppen rauf", sagt Horndasch. Für die Macher der Ausstellung, die die Krippen in den Saal zu schleppen hatten, war dies ebenso mühselig wie für viele ältere Menschen, die die Schau besuchen wollten.

Die Ausstellung in den vergangenen Jahren kam gut an. Auch bei Pfarrer Frank Zimmer - der sich prompt an die "älteren Herren" wandte und fragte, ob nicht auch einmal ein Exemplar für die Gemeinde dabei sein könne. Horndasch, der in den vergangenen Jahren seine Leidenschaft für den Krippenbau entdeckt und auch schon entsprechende Kurse besucht hatte, nahm sich dieses Wunsches an. Seit er seinen Hof in Ruppmannsburg nicht mehr bewirtschaftet, "brauche ich eine Beschäftigung", sagt er und lacht breit.

Für mehrere Bekannte und einfach aus Spaß fertigt er ohnehin eine Vielzahl von Krippen - "ohne die Figuren", sagt er. Die würden gekauft. Denn mit dieser Filigranarbeit noch anzufangen, "dafür bin ich zu alt". Aber spätestens mit der Zusage, für St. Gotthard ein Exemplar zu bauen, war es mit der beschäftigungslosen Zeit ohnehin erst einmal vorbei. "Anfang Mai habe ich angefangen", erzählt der rüstige Rentner, "Ende September war ich fertig." Zumindest fast, denn zu guter Letzt muss er noch das Moos, das er gesammelt und getrocknet hat, aufbringen.

Wer selbst so viel Enthusiasmus aufbringt, ist bei der Ausstellung natürlich auch mit dem einen oder anderen Werk vertreten. So wird eine seiner Krippen zu bestaunen sein, die für die Enkeltochter bestimmt ist. Doch ist er bei der Schau beileibe nicht alleine: Knapp 30 Krippen werden es sein, die in der Ausstellung zu sehen sind. Im Gegensatz zu den Ausstellungen in Hilpoltstein oder Freystadt gehe es den Thalmässinger Krippenfreunden nicht darum, "nur die allerschönsten Krippen" auszustellen, sagt Horndasch. "Wir wollen zeigen, wie die Menschen in Thalmässing und der näheren Umgebung Weihnachten feiern." Rund die Hälfte der heuer gezeigten Krippen hatten die Organisatoren bei der letztjährigen Schau "unter Dach und Fach", wie Horndasch sagt. Soll heißen: Wer ausstellen möchte, wendet sich einfach an die Macher. Eine Frau habe gar gefragt, ob ihr Exemplar überhaupt noch eine Krippe sei: Der Schwiegervater, der sie einst baute, hat sein eigenes Haus im Modell dahinter platziert. "Sie hat einen Stall, Jesus, Ochs und Esel", zählt Horndasch auf. Es handele sich demnach um eine Krippe - und die wird jetzt zu sehen sein.

Der Ruppmannsburger ist ein Freund des fränkischen Baustils - mit Fachwerk, steilem Dach und Eindeckung mit Biberschwänzen. Für seine erste Krippe hat Horndasch fast 900 Biberschwänze aus Eichenholz gesägt, erzählt er, bekanntermaßen sehr hartes Holz. "Das würde ich heute nicht mehr machen." Das Geschenk für St. Gotthard hat übrigens mehr als 1500 Dachziegel. Die seien nicht aus Eiche. Und sie habe Karl Hölzel gemacht, so Horndasch, "der ist Schreiner".

Ein richtige Werkstatt hat sich auch Georg Horndasch eingerichtet. Ein Schildchen, das er einst von seinem Enkel geschenkt bekommen hat, weist darauf hin: "Opas Krippenstube" ist am Fenster zu lesen. "Die frühere Milchkammer habe ich mir als Bastelraum unter den Nagel gerissen", erzählt der Großvater lachend. Darin ist nicht nur Werkzeug aufbewahrt, sondern auch Krippenmodelle, die Horndasch erst aus Pappe fertigt, bevor er ans Werk geht. Der Krippenbau will schließlich gut durchdacht sein. Er mache "bodenständige Krippen", sagt der Bastler, das sei auch im Krippenbaukurs empfohlen worden.

Eine Besonderheit fügt er seinen Werken aber gerne an: einen Bibelspruch. "Kommt, wir wollen ihn anbeten und uns vor ihm beugen", steht am Rand der großen Krippe für St. Gotthard. Diese Worte aus dem Psalm 95 hätten einfach gepasst, findet Horndasch, der die Zeilen im Hilpoltsteiner Kurier entdeckt hat - "mitten im Sommer".

Im Herbst setzte er dieses Jahr auf Nüsse: Weil es sehr viele, große Walnüsse gegeben hat, bastelte er kleine Krippen in halbe Schalen hinein. "Da habe ich schon mehr als hundert gebaut." Nur unwesentlich größer sind seine Streichholzschachtel-Krippen. Einfach im Aufbau sind zudem die Kastenkrippen - die Holzkiste muss nur aufgeklappt werden, schon versammelt sich die Heilige Familie im Stall. Findig ist er, der Krippenenthusiast Georg Horndasch. So lange diese Begeisterung von ihm und seinen Mitstreitern anhält, dürfte der junge Brauch einer Krippenausstellung nicht in Gefahr sein. Die Thalmässinger können sich aufs Wochenende und auf die nächsten Jahre freuen.

AUSSTELLUNG DAUERT ZWEI TAGE

Die Krippenausstellung ist am zweiten Adventswochenende in der Kirche St. Gotthard in Thalmässing zu sehen. Geöffnet ist sie am Samstag, 9. Dezember, von 13 bis 16 Uhr und noch einmal am Sonntag, 10. Dezember. Dann findet ab 9 Uhr erst der Gottesdienst statt, danach steht die Schau Besuchern ab etwa 10 bis 16 Uhr offen. Ab 13.30 Uhr findet ein kleiner Festakt mit musikalischer Umrahmung statt. Der Eintritt zu der Ausstellung ist frei, Spenden sind jedoch erwünscht. Sie kommen den Thalmässinger Kindergärten und der Krippe zugute.

Und wer eine Spende gibt, kann auch auf Losglück hoffen. Das Kärtchen, das er für die Spende erhält, nimmt am Nachmittag an einer Verlosung teil. Zu gewinnen gibt es beispielsweise eine Krippe, aber auch andere handwerklich gefertigte Dinge - und nicht zuletzt gebackene Hexenhäuser. Helfer bieten außerdem im Pfarrstadel Kaffe und Kuchen an. | luf