Sieht unscheinbar aus, geht aber ins Geld: Mehr als eine halbe Million Euro hat der Klärschlammstapelbehälter samt Technik im Inneren am Wasserwerk Hausen gekostet.
Luff, Volker, Weissenburg
Greding

Vordergründig drehte sich die jüngste Verbandsversammlung der JST-Gruppe lediglich um Formalien: um eine neue Beitrags- und Gebührensatzung; um eines Verbesserungs- und Erneuerungssatzung. Hinter diesen bürokratischen Formulierungen verbergen sich jedoch Zahlen. Zahlen, die sich wiederum auf die Geldbeutel der Kunden auswirken. "Ich brauche wieder Geld", formuliert dies der Geschäftsführer des Verbandes, Arno Bitterwolf, etwas flapsig. "Heuer noch einer Million Euro." Deshalb würden die Bescheide für die erste Rate des Verbesserungsbeitrags noch im Zeitraum zwischen Ende Oktober und Anfang November verschickt.

Der Beitrag, der in Raten erhoben werden soll, fällt allerdings niedriger aus als Bitterwolf zunächst angegeben hatte. 30 Cent pro Quadratmeter Grundstücksfläche, 3 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche: Das waren die Zahlen, die er noch im Mai genannt hatte. Tatsächlich werden es nun 20 Cent und 2,40 Euro. Verrechnet hatte sich Bitterwolf allerdings nicht. Sondern die Summen noch nicht einkalkuliert, die Wassergäste bezahlen müssen. 405 000 Euro fließen insgesamt aus Greding, Thalmässing und Beilngries, wodurch sich die anvisierte Investitionssumme von 4,1 Millionen Euro, die die JST-Gruppe zu tragen hat, deutlich verringert.

Grund für den Finanzbedarf des Verbandes sind die enormen Investitionen, die der Zweckverband nicht nur in den vergangenen Jahren bereits getätigt hat, sondern auch noch bis 2020 vorhat. Gut 4,1 Millionen Euro beträgt die Gesamtsumme geschätzt, bislang sind etwa 1,8 Millionen ausgegeben. Die jüngst erfolgte Erweiterung des Klärschlammstapelbehälters am Wasserwerk in Hausen mit einem Volumen von mehr als einer halben Million Euro gehört ebenso dazu wie die Umstellung der Versorgung der Bergzone Ost - also der Dörfer jenseits von Röckenhofen - für rund 336 000 Euro und die Errichtung einer Photovoltaikanlage am Wasserwerk, die sich allerdings über die Jahre amortisieren soll. Gekostet hat sie erst einmal aber gut 160 000 Euro. Zudem mussten einige betagte Pumpen im Wasserwerk Hausen erneuert werden.

Ein großes Projekt der sogenannten Agenda 2020, die weitere Investitionen erfordert, ist der Bau einer zweiten Wasserleitung unter der Autobahn hindurch. Das Wasserwerk in Hausen steht im Osten der A 9, "aber die Hälfte unseres Versorgungsgebiets liegt im Westen", so Bitterwolf. Bislang fließt das Wasser durch eine einzige Leitung - und die hat auch noch gut vier Jahrzehnte auf dem Buckel. "Wir registrieren verstärkt Rohrbrüche, es sind Chargen dabei, die nach 40 Jahren einfach platt sind." Wenn ohnehin Teile der Leitung ausgetauscht werden müssen, will Bitterwolf gleich noch eine zweite Leitung für den Notfall bauen - und der Verband ist dem Geschäftsführer bei diesem Anliegen mit einem Beschluss bereits gefolgt.

Sieht unscheinbar aus, geht aber ins Geld: Mehr als eine halbe Million Euro hat der Bau des Klärschlammstapelbehälters samt Technik im Inneren am Wasserwerk Hausen gekostet. Die vielen Investitionen sind der Grund dafür, dass die Jura-Schwarzach-Thalach-Gruppe erstmals einen Verbesserungsbeitrag erhebt. Einen fairen Anteil müssen auch die Wassergäste bezahlen.
Luff, Volker, Weissenburg
Greding

Nicht geklärt war bislang jedoch, wie und in welchem Maß die Wassergäste an den hohen Kosten beteiligt werden. Als Wassergast bezeichnet man eine Gemeinde, welche das Trinkwasser zwar von einem Wasserversorger bezieht, für die Verteilung allerdings ihr eigenes Rohrnetz verwendet. Sowohl Greding als auch Thalmässing haben - wie auch Beilngries - ein Wassergastverhältnis zum Zweckverband; es ist ein Konstrukt, das aus der Historie rührt. Die Bürger, die von der JST-Gruppe versorgt werden, bekommen deshalb keine Bescheide vom Verband. Dass sie trotzdem zahlen sollen, erscheint zwar gerecht, ist aber erst in der jetzigen Verbandsversammlung beschlossen worden. "Durch die Bedenken der Wassergäste haben wir Zeit verloren", sagt Bitterwolf.

Jetzt also sollen die Bescheide über den Verbesserungsbeitrag möglichst schnell verschickt werden. Die Wassergäste beteiligen sich an den Investitionsmaßnahmen in etwa dem Anteil, der ihr Verbrauch an der Gesamtmenge des ausgeschütteten Wasser ausmacht. Oder in Zahlen: 405 000 Euro. So werden nur noch 3,7 Millionen Euro per Verbesserungsbeitrag eingehoben, weshalb sich der Beitragssatz für den einzelnen Hausbesitzer im Vergleich zu den vormals genannten Zahlen reduziert. In Greding und Thalmässing fließt der Beitrag, den erst einmal die Kommunen zahlen, in die Wassergebühren ein.

"Alle Beschlüsse fielen einstimmig", betont Bitterwolf; in bestem Einvernehmen habe man einen Schlüssel erstellt, wie die einzelnen Kommunen in der JST-Gruppe gerecht belastet würden. Zwar beruhten auch die Sätze von 20 Cent und 2,40 Euro auf einer Schätzung, da es die Schlussrechnung voraussichtlich erst 2020 geben werde, doch hält er sie für ziemlich fix. Noch bei keiner der größeren Baumaßnahmen sei die JST-Gruppe letztlich überrascht worden: "Wir machen eine realistische Kostenschätzung, rechnen es nicht anfangs klein, wie es modern ist", so der Geschäftsführer süffisant.

"Flurbereinigung" zum Abschied

Sollte ein Bauherr sein Haus an die Wasserleitung anschließen wollen, wird ein Herstellungsbeitrag erhoben, der sich aus 56 Cent pro Quadratmeter Grundstücksfläche und 6,54 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche zusammensetzt. Bislang waren es 1,53 und 4,40 Euro fürs Geschoss gewesen.

 

"Unterm Strich gibt es wenig Veränderungen", sagt Bitterwolf. Der große Unterschied zu früheren Satzungen, die immer wieder verändert worden waren, bestehe darin, dass nie eine korrekte Berechnung als Basis für die Beiträge hergenommen worden sei. Die Zahlen waren geschätzt.

Klingt komisch, leuchtet aber auf den zweiten Blick einigermaßen ein. Die Kosten seien angefallen, an denen habe man die Beiträge orientiert, erklärt Bitterwolf. Die Berechnung hierfür hätte aber nach einem bestimmten Verteilungsmaßstab erfolgen sollen, der sich wiederum an der Gesamtmenge von Grundstücks- und Geschossfläche sowie deren Verhältnis zueinander hätten orientieren sollen. Und zwar im gesamten Versorgungsgebiet der JST-Gruppe: in sieben Gemeinden, die sich auf vier Landkreise in drei Regierungsbezirke verteilen. Doch erst mit dem erstmaligen Eintreiben von Verbesserungsbeiträgen seien die Aufmaße der neu gemacht und eingetragen worden. Was bedeutet, dass das nötige Zahlenmaterial für die komplizierte Berechnung jetzt erst vorhanden gewesen ist.

Einfacher ausgedrückt: Arno Bitterwolf hinterlässt seinem Nachfolger ein derart bestelltes Haus, wie es in Bayern eher die Ausnahme denn die Regel ist.