Michael Rasche
Er steht wieder auf der Kanzel: Der ehemalige Priester Michael Rasche schlüpft beim Starkbierfest noch einmal in die Kutte.
Jürgen Leykamm
Thalmässing

Das Rednerpult beim Starkbieranstich "ist ja auch die einzige Kanzel, die mir geblieben ist", sagt Rasche nicht ohne Ironie. Und dass er beim Thalmässinger Starkbierfest am Samstagabend auf ebendiese Kanzel tritt, wird von den zahlreichen Besuchern im Gasthaus Zur Krone mit herzlichem Beifall belohnt.

"So schnell wird man wieder Geistlicher", sagt der Mann in der braunen Kutte lächelnd, der als Privatdozent an der katholischen Universität Eichstätt immer noch einen Fuß in unserer Region hat. Außerdem dürfte er der einzige Preuße sein, der in Bayern den Barnabas gibt, so zumindest schätzt er es selbst ein. Trotzdem sucht er einen Nachfolger, wie er es gleich eingangs seiner Fastenrede sagt. Bevor er ordentlich auf den Putz haut, sich den Kapell- und Bürgermeister Georg Küttinger vornimmt und ihn als Georg I. oder gar den "Erdogan von Mittelfranken" bezeichnet.

Auch an die eigene Brust klopft sich Rasche. Ihm sei das widerfahren, was "anscheinend mit jedem katholischen Pfarrer passiert, der in Thalmässing wohnt: Er geht von der Fahne und heiratet." Die jeweiligen Frauen seien dabei stets Auswärtige, was den einheimischen Damen zu denken geben sollte, so Rasche. Das weibliche Publikum erholt sich schnell von dieser liebevollen Ohrfeige und darf sich gleich einiger Klassiker der Fastenpredigt erfreuen: Denn dass ein Connie S. es sich im Fasching mit seinem Fahrrad in der Kurve der eigenen Einfahrt gemütlich macht, gehört schon zu den "Running Gags." Neu ist, dass Sohn Ingo ihm neuerdings getreulich nacheifert und auch mit Adamskostüm das Schwimmbad bereichert.

Thalmässing: Michael Rasche erobert die Kanzel zurück
Beim Finale im Maßkrugstemmen muss sich Benedikt Hauke (Mitte) dem standfesten Thomas Körner geschlagen geben.
Thalmässing

Die Musiker der "Keschers" und ihre Bollerwagen-Touren bekommen von Rasche genauso ihr Fett weg wie die örtliche Blaskapelle, ungeachtet dessen, dass sie das Bockbierfest selbst musikalisch umrahmt. Sie habe "ihr 500-jähriges Jubiläum" im Rahmen des Marktplatzfestes feiern wollen, doch das wurde dann aus Angst vor ihr kurzerhand abgesagt, so Bruder Barnabas. Glücklicherweise habe sich mit dem neuen Feuerwehrhaus dann doch noch der passende Feierort gefunden.

Auf dieses Gebäude weiß sich der Prediger auch trefflich einzuschießen. Der "BER Flughafen Thalmässings" werde ja bald "wieder einmal eingeweiht." Rasche erinnert an die Panne bei der Grundsteinlegung, als man glatt die Urkunde vergaß. Und er marschiert genüsslich durch die Folgeereignisse, bis hin zur Verkleinerung der Essensdurchreiche, durch die nur noch die Bratwürste passen, "beim Schäuferle wird es schon eng". Das darf ja gern auch mal vor Fett strotzen - und das bekommen auch die Kerwaboum sowohl des Unter- wie des Oberdorfs ab. Barnabas ruft das "Kerwabaum-Debakel" der Ersteren ins Gedächtnis sowie den Kunstkniff der Letztgenannten, das geheimnisvolle Verschwinden des Porträts von Ludwig II. einfach durch ein Wahlplakat des Bürgermeisters zu kaschieren.

Der Maibaumklau aus Steindl, getarnt als das Zurückbringen vermeintlich gestohlener Bänke, bleibt ebenso nicht unerwähnt. Auch dass Küttinger nun "Sportskanone" geworden ist, sich ein E-Bike angeschafft hat und damit doch glatt Schüler zum Befahren einer Fußgängerbrücke animiert hat. Das aber werde nie mehr passieren, "weil sie nun zu einer Radfahrerbrücke deklariert wird". Und Rasche legt noch nach: "Warum er das macht? Weil er es kann!"

Neben dem Kernort gerät auch so mancher Ortsteil ins Visier, wie etwa Ruppmannsburg, deren Rothelme die Prüfungen des Leistungsabzeichens nicht schafften, was an den Knoten lag: "Wenn Ihr auf Eurem Berg Matrosenübungen macht, dürft Ihr Euch nicht wundern, wenn das nicht funktioniert!" Am Ende wird Rasche dann sogar zumindest halbernst und lässt sich aus anderer Warte über das Marktplatzfest aus. Scheidungsgerüchte zwischen Vereine und Wirten habe es ja schon des Längeren gegeben. "Es waren Szenen einer Ehe - da kann ich jetzt ja auch mitreden."

Als "Bruder Barnabas" sei es aber auch an ihm, auf Dinge hinzuweisen, die nicht gut laufen. Wie eben das Ende des Festes des ganzen Ortes schlechthin. Das bringt spontanen Beifall, in den sich die Abschiedsreime des Ex-Pfarrers und dessen Hoffnung auf einen Nachfolger als Thalmässinger Fastenprediger mischen. "Ich hoffe, Ihr findet einen guten Mann, der wie ich gut lästern kann. Vielleicht auch eine weibliche Bavaria. Vielleicht sagt hier wer: Des kann i a!" Man lässt ihn ungern ziehen. "Erste Sahne!", applaudieren die Zuhörer zum Abschied. Und Wilhelm Näpfel meint gar: "Der Starkbieranstich ist schöner als der Nockherberg und das Oktoberfest."

Hierzulande "beginnt schon die Kerwasaison", sagt nach der Predigt Thomas Kummerer, der nicht nur bei der Blaskapelle auf die Basstrommel haut, sondern auch das Bockbierfest organisiert. Auf die Kirchweihen lässt er dort mit zwei "maßgeschneiderten" Disziplinen einstimmen: Masskrugstemmen und das Wüstenschnapstrinken. Ein halbes Dutzend Teilnehmer macht mit. Im Finale kommt es zum Duell von Thomas Körner und Benedikt Hauke, der sich schließlich ganz knapp geschlagen geben muss.