Thalmässing: Gedenkstein für die jüdischen Opfer
Die bislang geplante Dimension des Gedenksteins für jüdische Opfer in Thalmässing verdeutlicht ein Pappmodell. Es überragt mit einer Höhe von 1,90 Metern den Initiator Willi Weglehner (links) sowie Bürgermeister Georg Küttinger. - Foto: Luff
Thalmässing

Genau deshalb will Willi Weglehner den Gedenkstein umgesetzt sehen. Er sei nicht unbedingt seine originäre Idee, sagt er. Darauf gekommen sei er, als er im vergangenen Jahr die Luther-Ausstellung in Georgensgmünd besucht habe. Auf einer Säule vor der Synagoge seien die Namen der in der Nazizeit deportierten Juden aus Schwabach, Roth, Hilpoltstein vermerkt. Und auch die aus Thalmässing. "Da habe ich mir gedacht: Die gehören hierher." Gehören zum jüdischen Friedhof ihrer Heimatgemeinde, auf dem sie aber keinen Grabstein haben. Zunächst wollte Weglehner den Gedenkstein auf dem Friedhof. Doch der Dachverband der jüdischen Gemeinden in Bayern habe ihm mitgeteilt, dass dies aus religiösen Gründen nicht gehe. Also vor den Friedhof. "Außerhalb ist es besser", sagt auch Weglehner heute. Denn der Friedhof sei abgesperrt. Am Eingangsportal dagegen könnten auch vorbeilaufende Wanderer den Stein und die Namen sehen.

Schon ist er an einem Punkt angelangt, an dem sich Diskussionen im Gemeinderat entzündet haben. Was ist der passende Standort? Vom Platz der früheren Synagoge hält Weglehner nichts, nicht nur, weil dort bereits ein Gedenkstein steht. Synagoge und Friedhof gehörten nach jüdischem Verständnis nicht zusammen, sagt er, "der Friedhof gilt als unrein". Zudem solle der Gedenkstein "ein symbolischer Grabstein" für die 33 Thalmässinger jüdischen Glaubens sein, die zunächst deportiert wurden und später in Theresienstadt, in Treblinka, in Dachau, im Warschauer Ghetto, in Auá †schwitz und in Sobibor umkamen, in jenen Orten, deren Erwähnung noch heute Schauer über den Rücken jagen. "Sie haben weder Grab noch Grabstein", erklärt der zweite Satz der Inschrift.

Im ersten Satz ist von Naziterror die Rede - eine Formulierung, an der sich einige Mitglieder des Marktrats stießen. Die Formulierung sei hart, gesteht Weglehner ein. "Aber war es eine Nazigaudi", fragt er sarkastisch. Sicher nicht. Doch Weglehner ist streitbar, nicht starrköpfig. Als Küttinger den Begriff Nazidiktatur ins Spiel bringt und begründet, damit werde die staatliche Dimension des Terrors - etwa im Gegensatz zu den Taten des sogenannten IS - verdeutlicht, kommt auch Willi Weglehner ins Grübeln. Lediglich das Wort "Nationalsozialisten" lehnt er kategorisch ab, "das waren keine Sozialisten".

Sowohl der Bürgermeister als auch der Initiator heben hervor, dass der Marktrat im Grundsatz hinter der Idee eines Gedenksteins steht. Selbst um den Preis von voraussichtlich 12 000 Euro habe es kein Feilschen gegeben. Nur bei den Details sei noch einiges im Fluss. So auch die Größe. Weglehner hat mit einem Steinmetz in Berching Kontakt aufgenommen und seine Vorstellungen beschrieben: Demnach steht der Stein auf einem 30 Zentimeter hohen Sockel. Die Grundfläche des Denkmals solle ein Dreieck sein, dessen Spitze auf den Friedhof zuläuft. "Das ist ein Symbol", erklärt Weglehner, es sage aus: "Da gehören wir hin." Die der Straße zugewandte Seite, 70 Zentimeter breit, trägt die Inschrift, an den beiden anderen Seiten stehen die Namen der Opfer. Der Stein selbst ist nach bisheriger Planung 1,60 Meter hoch - plus Sockel macht dies eine Gesamthöhe von 1,90 Metern.

Das Modell aus Pappe, das Küttinger hat fertigen lassen, kommt Weglehner im Jagdzimmer des Rathauses breit vor. "Vielleicht ist er ein bisschen mächtig", sagt er bei der Ansicht, "zehn Zentimeter könnten noch weg." In Stein gemeißelt ist also noch nichts; nicht einmal, dass der ausgesuchte Steinmetz ans Werk gehen darf. Solch ein Projekt muss die Gemeinde nämlich ausschreiben.

Das dauert wieder eine Weile, Weglehner muss es hinnehmen. "Es wäre halt schön, dass der Stein dann endlich kommt", sagt er seufzend. Denn zur Einweihung habe sich schon besonderer Besuch angekündigt. Esther, die Tochter von Emma Neuburger - die als eine der wenigen Juden noch als Kind Thalmässing verlassen konnte - will aus den USA kommen. Ihre Mutter, mit der Weglehner viele Jahre eine herzliche Freundschaft pflegte, ist mittlerweile verstorben.