Thalmässing: Eine Wohngemeinschaft für Menschen, die an Demenz leiden, soll in den Räumen der früheren Grundschule im Kernort eingerichtet werden.
Eine Wohngemeinschaft für Menschen, die an Demenz leiden, soll in den Räumen der früheren Grundschule im Kernort eingerichtet werden. Derartige Projekte könnten mit Hilfe von Experten, die das bayerische Sozialministerium bezahlt, leichter realisiert werden.
Luff
Thalmässing

Die Marktgemeinde hat die Förderzusage erhalten. Sie ist damit in den illustren Kreis derjenigen aufgenommen worden, denen das bayerische Sozialministerium die fachliche Unterstützung bezahlt, um auch älteren Menschen das möglichst problemlose Wohnen und Leben in Thalmässing zu ermöglichen. Dass sich die Kommune hier einreihen darf, ist durchaus überraschend. Nicht weil sie etwa die Voraussetzungen nicht erfüllen würde. Sondern weil die Aufnahme ins Programm quasi einem Alleingang des Bürgermeisters zu verdanken ist. „Ich habe das Ganze nicht im Marktrat gehabt“, sagt Georg Küttinger im Gespräch mit unserer Zeitung. Natürlich hat er aber dessen Mitglieder in der jüngsten Sitzung am Dienstagabend über die neueste Entwicklung informiert. Es werde anerkannt, „dass wir schon viel unternommen haben in diesem Bereich“, lobte der Bürgermeister die Arbeit des Gemeinderats.

Im Frühjahr sei ihm die Ausschreibung auf den Schreibtisch geflattert, erzählt Küttinger. Er habe sich mit Lars Strobel beraten, seit etwas mehr als einem Jahr als Gemeindeentwicklungsmanager in Thalmässing angestellt. Schaden könne es nichts, dachten sich beide – und reichten eine Bewerbung ein. „Jetzt sind wir tatsächlich ausgewählt worden“, sagt Küttinger strahlend.

Das Ministerium stellt der Gemeinde auf eigene Kosten ein Planungsbüro an die Seite, gemeinsam sollen dann konkrete Projekte entwickelt werden. „Es geht um einzelne Projekte“, stellt der Bürgermeister heraus, „nicht wieder um ein Konzept oder nur schöne Pläne.“ Etwas Handfestes also, „keine Luftnummern“.

Als wäre das nicht schon genug, trifft man auf alte Bekannte: Das Büro wird Landimpuls sein, eine Gesellschaft für regionale Entwicklung mit Sitz in Regenstauf – und eine alte Bekannte. Deren Mitarbeiter erarbeiten das Integrierte ländliche Entwicklungskonzept (ILEK), bei dem neben Thalmässing auch noch Allersberg, Greding, Heideck und Hilpoltstein mit im Boot sitzen. „Da schließt sich der Kreis“, freut sich Küttinger, die Experten würden sich bereits gut in der Gemeinde auskennen, „es gibt Synergien zu unserem Vorteil.“

Ebenso verspricht sich Georg Küttinger positive Aspekte für die Marktgemeinde durch den Umstand, dass nicht nur das Sozialministerium am Marktplatz der Generationen beteiligt ist, sondern sämtliche Ministerien im Freistaat. Schließlich ist der demografische Wandel eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. So tauche Thalmässing auch auf den Schreibtischen der Beamten dort auf – mit positiven „Synergieneffekten für die Zukunft“.

Die Beratung erstreckt sich laut einer Presseerklärung von Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) auf die fünf Handlungsfelder Markt, Dienstleistungen und Mobilität, Gesundheit und Pflege, bürgerschaftliches Engagement und gesellschaftliche Teilhabe sowie Wohnen. „Mit dem Programm ,Marktplatz der Generationen’ unterstützen wir gerade kleine Gemeinden bei der Gestaltung des demografischen Wandels, sagt sie darin außerdem.

Noch im September soll es dem Bürgermeister zufolge ein Auftaktgespräch mit dem Kommunalbüro geben. Dem Hauptziel wird dann alles untergeordnet sein: „Es geht darum, Senioren teilhaben zu lassen.“ Das aber ist kein Neuland im Rathaus, „wir sind in einzelnen Projekten oft schon weiter“, sagt Küttinger.

Beispiel „Thalmässing mobil“, ein Rufbus, der Ende 2018 seine Arbeit aufnehmen soll, das Landratsamt arbeite an der Ausschreibung. Doch solch eine Neuerung müsse auch entsprechend publik gemacht werden, um ihr zum Erfolg zu verhelfen.

Ein anderes Beispiel ist die sogenannte Demenz-WG, die Thalmässing in Kooperation mit der Diakonie Roth-Schwabach in der ehemaligen Grundschule einrichten will – nach dem Beispiel eines Projekts in Burgsalach. Diese ambulant betreute Wohngemeinschaft in den Räumen einzurichten, in denen zuletzt noch der Kinderhort untergebracht war, ist laut Georg Küttinger kein leichtes Unterfangen. „Wir schauen, wie wir die Finanzierung zusammenbringen“, sagt er; die rechtliche Organisationsform sei ein weiterer möglicher Stolperstein. Mit der Regierung von Mittelfranken verhandle man zudem über den Städtebau, auch hier existieren Schnittmengen mit dem „Marktplatz der Generationen“. Hilfe kann also nicht schaden.

MARKTPLATZ DER GENERATIONEN

Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter. Das stellt auch und vor allem für ländliche Kommunen eine enorme Herausforderung dar, denn hier sind die Gemeinden oft in erheblich stärkerem Maß von deren Auswirkungen betroffen als in der Stadt. Der doppelte Trend aus Bevölkerungsrückgang und veränderter Altersstruktur führt häufig zur Entvölkerung von Ortskernen und zum Wegbrechen notwendiger Infrastruktur. Dies bekommen insbesondere ältere, alleinstehende, meist nicht mehr motorisierte Menschen zu spüren: Sie müssen ihre vertraute Umgebung verlassen und vorzeitig in eine stationäre Einrichtung – häufig in der nächstgrößeren Stadt – umsiedeln.

Das Projekt „Marktplatz der Generationen“, das vom bayerischen Sozialministerium gefördert wird – aber in das alle Ministerien involviert sind –, hat das Ziel, den veränderten Gegebenheiten und Notwendigkeiten mit Blick auf mehrere Handlungsfelder Rechnung zu tragen. Es geht vor allem darum, älteren Menschen einen Verbleib in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen. Gleichzeitig gilt es aber, die Gemeinden auch für jüngere Generationen attraktiv zu gestalten. Deshalb sollen Nah- und Grundversorgung, medizinische, pflegerische und soziale Infrastruktur, Mobilität sowie Dienstleistungen in kleinen Gemeinden gesichert und neue Wohnkonzepte angestoßen werden. Das Pilotprojekt ist von 2013 bis 2016 in neun Kommunen durchgeführt worden; nach dem Abschlussprojekt wurden nun weitere Gemeinden aufgenommen, bayernweit sind es nun 42. IM Landkreis Roth ist Thalmässing die einzige Gemeinde, die von der Förderung profitiert, in Mittelfranken sind außerdem noch Aurach, Dachsbach, Dietersheim, Illesheim, Vestenbergsgreuth und Wilburgstetten dabei. | HK