Der Chor Thalmäs-Singers probt fleißig vor dem Jubiläumskonzert zum zehnjährigen Bestehen.
Der Chor Thalmäs-Singers probt fleißig vor dem Jubiläumskonzert zum zehnjährigen Bestehen. Es findet an diesem Samstag in der Kirche St. Michael statt, zum Besten geben die Sänger ihre Lieblingslieder aus einer Dekade.
J. Karch
Thalmässing

Die Zahl 10 spielt eine nicht unwichtige Rolle in diesen Tagen bei den Thalmäs-Singers. Nicht nur, weil sie vor einer Dekade aus der Taufe gehoben worden sind, sondern auch im Rückblick auf die Anfänge. Denn der Zufall wollte es, dass sie zehn Tage nach der ersten Probe bereits ihren ersten Auftritt hatten: am 18. November beim Jugendgottesdienst in Eysölden. Der 18. November ist jetzt wiederum der große Tag: Dann laden die Thalmäs-Singers zum Jubiläumskonzert in die Kirche St. Michael ein. Beginn ist um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei - wenngleich Spenden natürlich gern gesehen werden. Begleitet wird das Chorkonzert von einer Band: Die Chorleiterin Doris Polinski setzt sich ans Stage Piano; begleitet wird die bunte Truppe außerdem von Fritz Lettenmayer (Cajon) und Daniel Vöhl (Gitarre).

Gegründet worden ist der Chor seinerzeit als echter Jugendchor, sagt Doris Polinski (40). Aus gutem Grund, denn der Kinderchor, den die beiden evangelischen Kirchengemeinden im Kernort 1999 gegründet hatten - mit Polinski als Leiterin -, hatte sich als sehr erfolgreich erwiesen. Allmählich aber wuchsen die Kinder aus dem Alter hinaus, in dem sie einem Kinderchor angehören konnten. Was lag da näher, als einen neuen Chor zu gründen, in dem ihre Freude an der Musik und am Singen eine neue Heimat finden konnte? "Es war die Marktlücke schlechthin", sagt Polinski.

"Der Chor war die Marktlückeschlechthin."

Doris Polinski

 

Denn das neue Ensemble sollte mehr sein als ein Chor, der die gewöhnlichen geistlichen Lieder sang. Das kam schon von Anfang an im Motto zum Ausdruck, das Polinski dem Psalm 98 entlehnte: "Singet dem Herrn ein neues Lied!" Klassische und moderne Gospels gehören zum Repertoire der Thalmäs-Singers, ebenso wie Rockballaden oder Lobpreislieder in deutscher und englischer Sprache. "Schwungvolles Liedgut", soll es sein, so Polinski, "das gefällt unseren Mitgliedern".

Die mit den Jahren nicht weniger geworden sind, im Gegenteil: Im Gegensatz zu vielen Laienchören müssen die Thalmäs-Singers nicht ums Überleben kämpfen. Einst mit gut 15 Mitgliedern - "so genau weiß ich das gar nicht" - gestartet, sind es heute zirka 30. Ganz exakt lässt sich das der Chorleiterin zufolge nicht sagen, da die Thalmäs-Singers schließlich keine Vereinsstruktur besitzen. "Wir haben keine feste Mitgliedschaft." Der eine Jugendliche fange ein Studium an, eine andere Sängerin werde angelockt und mache mit.

Letzteres lässt sich gerade in jüngerer Zeit verstärkt beobachten. "Seit unserem letzten Projekt, dem Luther-Oratorium, haben wir elf Mitglieder mehr", schildert Doris Polinski. Ähnliches, wenn auch nicht im selben Maß, habe sie nach dem anrührenden Chormusical "Amazing Grace" erlebt, das die Thalmäs-Singers im Februar 2016 aufführten. "Projekte ziehen", sagt Polinski. Die Leute wollten sich immer weniger auf die klassische Chormusik einlassen, wollten sich nicht längerfristig an ein Ensemble binden. Über den kurzen Umweg eines Chorprojekts merkten sie aber schnell, dass gemeinschaftliches Singen großen Spaß mache. "So gewinnt man neue Mitglieder", zeigt sich Polinski überzeugt. Mitunter sogar solche, die anfangs nicht unbedingt zur Zielgruppe der Thalmäs-Singers gehört haben. Animiert durch die Projekte machten seit wenigen Jahren auch 50-Jährige mit, erzählt die Chorleiterin. Anfangs habe man sich dagegen vor allem an Präparanden und Konfirmanden gewandt, das Alter der Mitglieder auf maximal 30 Jahre begrenzt. Zudem kämen die Frauen und Männer nicht mehr nur aus Thalmässing, sondern strömten bis aus Roth, Lay, Weinsfeld oder Kleinhöbing zu den Proben, die - außer in Schulferien - immer donnerstags von 19.30 bis 21 im Gemeindezentrum St. Marien stattfinden.

"Wir haben die ganze Bandbreite", sagt Polinski. Leute mit stimmlicher Vorbildung finden sich in den Reihen der Thalmäs-Singers ebenso wie Mitglieder, die keine Noten lesen können. Wichtiger als den Chor auf ein immer höheres Niveau zu heben, ist für sie ohnehin die Freude an der Musik: "Wir sind kein Windsbacher Knabenchor." Das gemeinsame Singen sei "Wellness für die Seele", so Polinski, "das sagen auch unsere Mitglieder." Sie alle gingen "gestärkt und freudig aus der Probe - da kann man sich Yoga sparen". Selbst zu singen, entspanne, die bewusste Atmung tue ihr Übriges. Das Gemeinschaftsgefühl und gestärktes Selbstbewusstsein sind Polinski zufolge ebenfalls nicht zu unterschätzende Aspekte der Chormusik: "Fast alle unsre Mitglieder trauen sich mittlerweile, solo zu singen."

Sind sie doch durch viele Auftritte routiniert geworden. Die Feierlichkeiten zu 1111 Jahre Thalmässing zählen ebenso dazu wie früher das Volksfest und danach das Marktplatzfest, zahllose Gemeindefeste oder auch das Landkreis-Chorfestival "Cantamus" im Jahr 2010 sowie ab und an ein Weihnachtsmarkt in der Region. "Wir werden auch für Hochzeiten angefragt", erzählt Doris Polinski, winkt aber ab: "Das machen wir nicht - außer bei unseren eigenen Leuten." Zu viel Zeit dürfe das Hobby nicht in Anspruch nehmen, "wir haben ja alle unsere Berufe und Familien".

Für eine kleine Auszeit im Kreise der Chormitglieder findet sich dann aber doch immer wieder mal Zeit, ob bei einer Weinfahrt oder einem musikalischen Picknick auf der Leiten in Thalmässing. Im kommenden Jahr lockt der Internationaler Gospelkirchentag in Karlsruhe: "Wir überlegen, ob wir dort hinfahren", erzählt Polinski. Weil sie selbst schon auf Fortbildungen in halb Deutschland war, weiß sie, mit wie vielen neuen Eindrücken und Inspirationen man von solch einer Veranstaltung zurückkehren kann. Aufs Musical "Amazing Grace" ist sie seinerseits beispielsweise in Kassel gestoßen.

Das Musical wie auch das Luther-Oratorium werden beim Konzert am Samstag eine Rolle spielen. Eine unter vielen. "Das Konzert ist ein Wunschmix unserer Mitglieder", erzählt die Chorleiterin, sie durften alle ein Lieblingslied auswählen. Den Abend werden die Chorsänger selbst moderieren, Partizipation ist der Chefin sehr wichtig: "Das hält die Leute beider Stande." So steht den nächsten zehn Jahren Thalmäs-Singers also nichts entgegen.