Schwabach: 30 Jahre an der Spitze der Selbsthilfegruppe
Helga Mertmann gibt Ende des Jahres die Leitung der Selbsthilfegruppe der Typ-Zwei-Diabetiker ab. - Foto: Schmitt
Schwabach

"Schulungen, Fachvorträge und der Kontakt zu spezialisierten Medizinern sind für Typ-Zwei-Diabetiker besonders wichtig", so Mertmann. "Deshalb muss die Gruppe weiterleben und braucht einen neuen Verantwortlichen."

Helga Mertmann und ihr Ehemann Hans-Günther waren drei Jahrzehnte lang die Motoren der Selbsthilfegruppe, die ihre Arbeit 1987 mit einem Treffen im Gemeindehaus St. Markus im Schwabacher Stadtteil Forsthof aufgenommen haben. Es kamen 17 Betroffene. "Da war mir klar, dass der Bedarf für eine Selbsthilfegruppe gegeben ist", blickt Helga Mertmann zurück. Insbesondere deshalb, weil Diabetes eine äußerst heimtückische Krankheit ist. Wird sie nämlich nicht richtig oder nicht sorgfältig genug behandelt, drohen erhebliche Folgeschäden, die sich schleichend und fast unbemerkbar entwickeln. Amputationen, Nierenschäden und Erblindungen sind häufige Folgen unzureichender Therapie. Eigene Verantwortung durch regelmäßiges Blutzucker-Messen, Kenntnisse über Ernährung sowie Insulindosierungen und neue Medikamente spielen in Ergänzung zu professioneller medizinischer Betreuung eine herausragende Rolle.

Hier hat Helga Mertmann angesetzt. Mit großem Erfolg. Marga Pröll, Mitglied der ersten Stunde, hat kürzlich 100. Geburtstag gefeiert. Fünf weitere Mitglieder sind bei der Feier zum 30-jährigen Bestehen der Gruppe im April dieses Jahres für ebenso lange Mitgliedschaft geehrt worden. Phasenweise hat Helga Mertmann zu den monatlichen Treffen 52 Teilnehmer begrüßen können. Aktuell sind es etwa 30, die zu den Referaten und den geselligen Veranstaltungen kommen. Ausflüge, Feiern, fränkische Abende und die Feste zu den runden Gründungsjubiläen schufen Kurzweil und ermöglichten soziale Kontakte.

Im Laufe von 30 Jahren hat sich bei der medizinischen Versorgung von Typ-Zwei-Diabetikern viel verbessert. Die Selbsthilfegruppe mit Helga Mertmann an der Spitze hat sich dabei immer als Navigator für ihre Mitglieder verstanden. "Wir haben hier immer eifrig Aufklärung betrieben", fasst Helga Mertmann die Hauptausrichtung der von ihr geleiteten Gruppe zusammen. "Anfangs war dabei in Schwabach wenig Hilfe zu erwarten", sagt sie. Geändert habe sich das 1998, als sich ein Diabetologe und Kardiologe niedergelassen habe. Etliche Jahre später sei ein Nierenspezialist hinzugekommen. "Beide boten Schulungen an und waren häufig zu Gast."

Durch "Desease-Management-Programme" sei es ab 2002 auch für Hausärzte leichter geworden, Typ-Zwei-Diabetiker zu betreuen. So nennt man zentral organisierte Behandlungsprogramme für chronisch kranke Menschen, in denen verschiedene medizinische Fachrichtungen und Therapeuten zusammenarbeiten, um Diagnosen und Therapien abzustimmen. Helga Mertmann und ihre Gruppe haben durch Kontakte zu Politikern der Region immer auf die Lage und Bedürfnisse der Diabetiker aufmerksam gemacht.

"Ich hoffe, dass mir in 30 Jahren vieles gelungen ist, wenn auch noch viel zu tun notwendig erscheint", sagt Helga Mertmann. Sie gibt den Vorsitz der Gruppe aus Altersgründen auf. "Meine Kräfte lassen spürbar nach", begründet sie ihren Rückzug. Das Loslassen fällt ihr dennoch schwer. "Viele haben mich unterstützt und ermuntert", erklärt sie. "Ich kann sagen, dass ich viel von meiner Gruppe gelernt habe", fügt sie hinzu. "Dafür danke ich und hoffe, dass wir in intensivem Kontakt bleiben."