Roth: Wunsch nach überörtlichen Stammtischen
Ließ die Ortsbäuerinnen in ungewohnter Sitzordnung Gruppenarbeit machen: die stellvertretende Bezirksbäuerin Renate Ixmeier. - Foto: Leykamm
Roth

Grund zur Freude gab es gleich zu Beginn für Ehrenkreisbäuerin Maria Helbach sowie Kreisbäuerin Annette Götz, die vor kurzem Geburtstag gefeiert hatten, und nun mit Blumensträußen bedacht wurden. Landwirtschaftsdirekter Werner Wolf thematisierte das Glück an sich in seinem Grußwort. Nach Goethe ist es ja bekanntlich "immer da", angesichts der vielen "netten und fröhlichen Menschen" im Saal habe der Dichterfürst wohl nicht ganz unrecht, sagte Wolf.

Das gesamte Frankenland liege bei der in der Presse vorgestellten Glückslandkarte Deutschlands mit an der Spitze. Soziale Kontakte pflegen, sich fürs Gemeinwohl einsetzen, Dankbarkeit üben - das seien solche "Glücksaktivitäten", die auch das Leben der Landfrauen kennzeichneten, folgerte er aus der heiteren Atmosphäre in der Aula.

Ein paar Stunden zuvor war es aber dort auch sehr ernst zu gegangen. Ingrid Gerstner hatte als Ehrenvorsitzende des Hospizvereins Hilpoltstein-Roth über die Hospizbewegung an sich und eigene Erfahrungen im Umgang mit Sterbenden berichtet.

Über das kommende halbe Jahr informierte die Kreisbäuerin. Annette Götz wies auf die Kochvorführungen der Ernährungsfachfrauen hin sowie auf den Seniorennachmittag am Freitag, 5. Januar 2018, im Landwirtschaftszentrum. Die Gebietsversammlungen haben diesmal die Blasenschwäche zum Thema und verheißen im Untertitel: "Endlich wieder herzhaft lachen!" Mit Spannung werde der Landfrauentag am Freitag, 23. Februar, erwartet. Der bayerische Finanz- und Heimatminister Markus Söder referiert unter dem Titel "Was ist Heimat" im Schwanstettener Gemeindezentrum. Im Juni stehe ein Aktionstag des Bayerischen Bauernverbands (BBV) an, hierfür würden noch gute Ideen gesucht. Auch die Bäderfahrt, der Bauerntag und Ausflüge (unter anderem zum Schliersee) stehen auf der Agenda. Der Veranstaltungskatalog sei "dicker als im letzten Jahr", sagte Götz.

Ein Loblied auf die Hauswirtschaft sang im Folgenden Ingrid Bär, Chefin jener Abteilung im Landwirtschaftszentrum. Wie Wolf berief sie sich auf jüngste Zeitungsmeldungen, diesmal jene von der hohen Quote an überschuldeten Haushalten in Deutschland, was der jeweiligen Lebensführung und nicht der Einkommenshöhe geschuldet sei. Gutes Hauswirtschaften sei bares Geld wert. Es gelte auch, am richtigen Ende zu sparen. Jeder könne sich gute Lebensmittel leisten, brauche aber "keinen zweiten Satz Alufelgen".

Beim aktuellen einsemestrigen Studiengang der Hauswirtschaft sprächen 4 der 23 Studentinnen kein Deutsch, stellte Bär fest. Aber zum Glück "sind wir ja jetzt in den Himmel aufgestiegen", spielte sie darauf an, dass sich die Daten des Lehrgangs nun in einer "Cloud" befinden, die via Smartphone auch als Wörterbuch genutzt werden können.

Bär war es auch, die das Glyphosat ins Spiel brachte. Wer sich hier für ein Verbot ausspreche, solle doch mal auf die Inhaltsstoffe der eigenen Wasch- und Reinigungsmittel blicken. In ihnen wimmle es nämlich von Phosphonaten, zugleich ein Hauptbestandteil des Unkrautvernichters. Die Abbauprodukte, die in die Natur gelangten, seien indes gleich. Statt Glyphosat zu verbieten, helfe es also auch, bei den eigenen Saubermachern besser zu dosieren - auch da seien wieder Hauswirtschaftskenntnisse gefragt.

BBV-Kreisgeschäftsführer Maximilian Schneider ging noch weiter. Es gebe 27 Gutachten, welche die Unbedenklichkeit des Glyphosats bescheinigten, sagte er. Für die gerade wieder einmal vertagte EU-Entscheidung über das Mittel solle "die wissenschaftliche Aussage die Basis bilden".

Eine Grundlage für guten Austausch bot die neue Sitzordnung, welche die stellvertretende Bezirksbäuerin Renate Ixmeier für eine Stunde Gruppenarbeit nutzte. Bei der gab es einige wertvolle Tipps von den bewährten an die neu gewählten Ortsbäuerinnen. Mehr Öffentlichkeitsarbeit und eine bessere Integration der Zugezogenen in den Siedlungen wurden hier angeregt. In Zeiten kleiner werdender Ortsverbände könnte man etwa mit ortsübergreifenden Stammtischen den Dialog untereinander sowie mit jenen Frauen, die mit dem Agrarwesen nichts zu tun haben, mehr in Schwung bringen.

Auch schade es nicht, vor Ort ganz direkt nach den Wünschen der Landfrauen zu fragen. Entsprechende Fragebögen seien etwa in Waizenhofen ausgeteilt worden und alle ausgefüllt zurückgekommen. Die ausgewerteten Rückmeldungen der Gruppenarbeit sollen indes an der Frühjahrstagung der Ortsbäuerinnen diskutiert werden. Letztlich gelte es für jede Landfrau, in ihrem eigenen Umfeld soziale Verantwortung zu übernehmen, ermunterte am Schluss die stellvertretende Kreisbäuerin Barbara Stürmer.