Roth: Networking beim Neujahrsempfang
Spricht beim IHK-Empfang in Roth über Betriebsnachfolge und Erbschaftssteuer: Unternehmensberater Christian Rödl. - Foto: Tschapka
Roth

Proppenvoll war die Kulturfabrik, als Joachim von Schlenk, Vorsitzender des IHK-Gremiums ins Rampenlicht trat. Der Wirtschaftsverband zählt im Landkreis 10 800 Firmen, hinter denen einige zehntausend Menschen stünden, wie Schlenk berichtete. Eine bunte Truppe: „Wir sind Frauen und Männer. Wir sind Deutsche, Amerikaner, Türken und Chinesen. Wir sind die Wirtschaft“, sagte Schlenk.

Positive Nachrichten wie die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Behörden und der lokalen Politik hatte Schlenk im Gepäck. Diesen Ball nahm Roths Bürgermeister Ralph Edelhäußer (CSU) in seinem Grußwort gleich auf. „Wir sitzen alle im gleichen Boot“, sagte Edelhäußer. „Und wenn’s mal kritisch wird, Ihr Bürgermeister ist Ihr Ansprechpartner.“

Schlenk äußerte aber auch Kritik: „Viele von uns halten die momentane deutsche Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht für zukunftsfähig“, sagte Schlenk, der ein globales Chemieunternehmen mit Sitz in Barnsdorf leitet. „Die bayerische Industrie versteht die Energiepolitik ihrer Landesregierung nicht mehr und der Einzelhandel beklagt fehlende Konzepte für die Innenstädte.“

Auf die Seite der Unternehmer schlug sich der CSU-Landtagsabgeordnete Volker Bauer. Schließlich habe er selbst zehn Jahre lang eine Firma geleitet. „Ich kenne sehr wohl die Probleme der Unternehmer“, die mit immer neuen Auflagen konfrontiert würden. „Ich habe die Pamphlete immer meiner Frau Tanja gegeben und gesagt, blätter das doch mal durch“, sagte Bauer. Als Politiker versuche er nun, die „Bürokratie zu zähmen, damit Unternehmertum noch Spaß macht“.

Die CSU-Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler schnitt viele Themen an, die vom Handelsabkommen TTIP bis hin zur Akademikerquote reichten. TTIP biete die einzigartige Chance, Standards für das 21. Jahrhundert zu setzen. Und was die Akademikerquote betreffe, seien ihr motivierte Mechatroniker lieber als ein Student mit schlechtem Abschluss in BWL. Mortler sprach sich auch dafür aus, unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen eine Chance zur Ausbildung zu geben.

Den Mindestlohn und die Rente mit 63 bezeichnete Mortler als Eintrittspreis in die große Koalition. „Aber bei der Dokumentationspflicht brauchen wir eine Abrüstung“, bekräftigte Mortler. „Wir versuchen, eine Vereinfachung auf den Weg zu bringen und appellieren hier an die zuständige Ministerin.“ Überhaupt strebe man einen Bürokratieabbau an.

Seinen Kollegen aus der großen Politik, die sich beide für den Bürokratieabbau stark gemacht hatten, fuhr Landrat Herbert Eckstein (SPD) in die Parade. „Ich kann’s nicht mehr hören“, sagte er. Man habe jedenfalls in den vergangenen Jahrzehnten viel getan, um Bürokratie aufzubauen. Die Prüfvorschriften bei der Fleischbeschau zum Beispiel würden immer mehr verschärft, obwohl man seit 50 Jahren keine Trichinen mehr gefunden habe.

Der IHK sprach Eckstein hingegen ein großes Lob aus. Das Gremium habe vieles auf den Weg gebracht, angefangen von Angeboten für die Berufsorientierung, der Willkommenskultur für Fachkräfte bis hin zum „Haus der kleinen Forscher“, einer Initiative, die bei Kindern naturwissenschaftliche Begeisterung anfachen will. „Das alles ist nachhaltig angelegt, wir reden nur zu wenig darüber.“

Worüber Eckstein auch noch reden wollte, war die Zukunft des Bundeswehrgeländes am Rother Stadtrand. Die 350 Hektar böten „eine riesige Chance“ für regionale Betriebe. Aber dafür müsse man Konzepte entwickeln, nicht nur eines, sondern drei, vier oder fünf. „Sonst ist es zu spät.“

Damit der Abend nicht gar zu trocken wurde, hatte das IHK-Gremium die Band „3 im Weckla“ mit Wolfgang Lösch, dem Geschäftsführer der Leoni Kabel, an der Gitarre eingeladen. Mit selbst getexteten Liedern nahmen die drei Musiker die Rother Kommunalpolitik genauso auf die Schippe wie das Geschäfts-Denglish ihrer eigenen Firma.

Der IHK-Neujahrsempfang hat sich in den vergangenen Jahren als Ereignis der Wirtschaft im Landkreis Roth etabliert und dient vor allem dem Gedankenaustausch und der regionalen Vernetzung der Akteure. Diese Gelegenheit nutzten die Teilnehmer gerne: am fantasievollen Regionalbüffet eines der Mitgliedsbetriebe, dem Gastronomen Winkler aus Alfershausen.