Im Vordergrund des Gesprächs standen die Fragen, wann Bildung gelingt, welche Rolle Lehrkräfte und die Kompetenz zum selbstständigen Erwerb von Wissen spielen und ob eine "Schule zur Persönlichkeitsentwicklung" nach skandinavischem Vorbild auch in Bayern eine Chance hätte.

Problematisch sei, sagte Krug, wie den Schülern aktuell Bildungsinhalte vermittelt werden. Zwar griffen einige wenige Lehrer auf Bildungsinhalte der Mebis-Plattform zurück, "aber meist wird, wenn überhaupt, ein Youtube-Video in den Unterricht eingebaut". 90 Prozent des Redeanteils in manchem Deutschunterricht würden immer noch beim Lehrer liegen, "dabei bräuchten wir Moderatoren im Klassenzimmer, die Lust auf Bildung machen."

Franziska Hörmann, Studentin an der Uni Erlangen, stimmte Krug zu. Gerade der Übergang von der Schule zur Hochschule schocke viele, setze aber eine völlig neue Motivation frei, sich mit Inhalten zu befassen, "weil man dazu genötigt ist, sich selbstständig mit dem auseinanderzusetzen, was einen interessiert". Hörmann plädierte deshalb, bereits in der Schule mehr Freiräume für wesentliche "Soft Skills" zu schaffen.

Eine Schule, an der es möglich ist, sich ohne Notendruck ein Jahr in Internatsgemeinschaft mit anderen Gleichaltrigen mit Themen zu befassen, die einen interessieren, beispielsweise um sich eines Studienwunsches zu vergewissern, an der eigenen Persönlichkeit zu feilen und sich mit fürs Leben wichtige Dinge wie Steuererklärungen oder Haushaltsführung zu befassen, ist die "Folkehogskole".

In skandinavischen Ländern wird diese, zumeist privat getragene, Schulform von Einheimischen und Interessenten aus der ganzen Welt bei rund 8000 Euro/Jahr Internatsgebühr stark nachgefragt, berichtete Hörmann. Auf 150 Plätze in Starvanger gäbe es 450 Bewerbungen. Sie selbst habe sich ein Jahr dem Erlernen handwerklich-künstlerischer Techniken gewidmet - um nach vielen großartigen Projekten festzustellen, dass sie lieber BWL und Skandinavistik studiert. "Gebracht hat mir dieses Jahr aber noch etwas: "Ich habe gelernt, mich selbst zu organisieren - zu putzen, zu waschen, zu kochen."

Ingrid Bär, Leiterin der Hauswirtschaftsausbildung mit Studentinnen zwischen 20 und Ende 50, unterstrich die zunehmende Bedeutung dieser Kenntnisse, denn "heute kommt weniger vom Elternhaus". An der Landwirtschaftsschule lassen sich Frauen zum Teil als Voraussetzung für die Ausbildereignung, zum Teil als Wiedereinstieg ins Berufsleben nach längeren Erziehungszeiten in Teilzeit, stolze 660 Stunden zur Hauswirtschafterin ausbilden. Eine "hauswirtschaftliche Linie" in Vollzeit, wie von Nagl unter Verweis auf die Folkehogskolen angesprochen, gibt es in Franken nicht.

Für die Junge Union wäre eine Schule nach Vorbild der Folkehogskolen auch in Franken denkbar. Mögliche Linien könnten etwa wie Digitales Gründertum, aber auch Life Management sein. "Damit würde jungen Menschen die Möglichkeit eröffnet, ihre Talente in der Heimat - oder als ausländische Gäste in Franken - zu entwickeln und sich darüber klarzuwerden, wo sie im Leben hinwollen", sagte Nagl. "Gleichzeitig könnte unter Einbezug etwa der Landwirtschaftsschulen, der Schulen des Bezirks, der zum Teil kirchlichen Hochschulen und interessierter Unternehmen der ländliche Raum durch Vernetzung gestärkt und mit jungen Impulsen belebt werden."