Roth: Mit Bleiweste vor einem endlos langen Gang
Laden zur Ausstellung "GRENZen erLEBEN": Daniela Schmidt (KISS), Karin Hausmann, Maria Jörg (Gesundheitsamt, hinten, v.l.), Dorothea Markowiak (AWO) und Projektleiter Günther Wittmann. - Foto: Leykamm
Roth

Sie geht von Dienstag, 17. Januar, bis Samstag, 21. Januar.

Sie lebt dabei nicht nur von Vorträgen, verschiedenen Formen des Austauschs sowie der Einladung zum Lach-Yoga als Ansatz gegen depressive Verstimmungen. Sondern vor allem von zwei eigens installierten Räumen, die das Leiden von jenen Mitmenschen ansatzweise selbst erfahren lassen, die an schweren Depressionen oder an Schizophrenie erkrankt sind. Beide Krankheitsbilder stehen dabei aber stellvertretend für viele andere, von denen die Psyche befallen sein kann.

Die Räume wollen Türöffner sein für die Besucher und sie einladen, sich generell mit dem zu beschäftigen, was psychische Gesundheit ausmacht. Indem spürbar wird, wie es aussehen kann, wenn sie weg ist. Und man gezwungen ist, ein "Grenzleben" zu führen. Im "Depressionsraum" etwa darf der Besucher am Beginn eines langen Ganges Platz nehmen. Behängt mit einer schweren Bleiweste, die für ihn das Licht am Ende des Tunnels in unerreichbare Ferne rücken lässt. Im "Schizophrenieraum" wartet eine andere Grenzerfahrung. Hier ist eine Supermarktszene nachgestellt. Doch dabei ist der "Kunde" während des "Einkaufs" unentwegt verschiedenen Störfaktoren und so ständiger Überreizung ausgesetzt.

Wie tief man in die Welt beider psychischer Krankheiten eintauchen will, bleibt dabei jedem Besucher selbst überlassen. Beide Räume sind nicht am Reißbrett, sondern von Mitarbeitern der Caritas Traunstein in Kooperation mit Betroffenen konzipiert worden.

Dass die Wanderausstellung von dort den Weg nach Roth gefunden hat, ist einigen rührigen Frauen zu verdanken sowie einem Mann, der als Leiter des Projekts die organisatorischen Fäden schon im März zu ziehen begann. Er heißt Günther Wittmann und ist der "Kümmerer" der beim Landratsamt eingerichteten Geschäftsstelle für die "Gesundheitsregion plus Roth". Als solcher griff er mit der besagten "Initiative psychische Gesundheit" eine Anregung seitens des Ministeriums auf, den Fokus auf die das seelische Wohlergehen der Bürger zu legen. Denn dass es um dieses derzeit nicht allzu gut bestellt ist, zeigen jüngste Studien auch des bayerischen Gesundheitsministeriums.

Beim Verwirklichen des Projekts rannte Wittmann offene Türen ein. Zum Beispiel unweit von ihm im Gesundheitsamt. Karin Hausmann und Maria Jörg, die dort beide im Sozialen Beratungsdienst arbeiten, halfen ebenso wie Andrea Rotter-Neubert, Fachärztin für Psychiatrie. Sie wird nach der offiziellen Eröffnung am Dienstag, 17. Januar, um 18 Uhr Therapieformen bei Depression und Schizophrenie vorstellen. Einen Tag später steht, ebenfalls um 18 Uhr, der "Psychose Trialog" auf der Agenda: ein Gesprächsforum mit Menschen, die selbst eine Psychose erlebt haben, deren Angehörigen sowie Experten, die den Weg aus der Krankheit bereiten. Diesen Programmpunkt steuert der Sozialpsychiatrische Dienst des AWO-Kreisverbandes bei, deren Leiterin Dorothea Markowiak sich von Wittmann ebenso schnell für eine Mitwirkung begeistern ließ. Genauso wie die Hilpoltsteinerin Daniela Zibi, die am Donnerstag, 19. Januar, um 18 Uhr zum Lach-Yoga lädt.

Gespannt man darf man auf den Abschluss-Samstag sein. Zwischen 11 und 18 Uhr darf hier, durch Pausen unterbrochen, in einem Erzählcafé der Selbsthilfegruppe "Depression und Angst" zugehört und nachgefragt werden. Die Gruppe selbst erfuhr ihren Anschub von der KISS (Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe) Roth-Schwabach, deren Vertreterin Daniela Schmidt gleichfalls von Beginn an großes Interesse an dem Projekt bekundete. Die Ausstellung ist an allen Tagen von 12 bis 18 Uhr geöffnet, am Samstag bereits ab 8 Uhr.

Zum Rahmenprogramm gesellt sich ein breites Angebot der diversen Beratungsstellen. Hemmschwellen Angehöriger, Frühbetroffener und Interessierter sollen mit der Aktion gesenkt werden. Denn der Bedarf ist da, ist Markowiak überzeugt. Es gelte, den Trialog zwischen Betroffenen, Angehörigen und Betreuern zu stärken - auf dem Weg hin zu einer "demokratischen Psychiatrie."

Karin Hausmann und Maria Jörg vom Gesundheitsamt verweisen auch auf das kostenlose Beratungsangebot der Stellen, das auch bei der Ausstellung selbst in Anspruch genommen werden könne. Die Schweigepflicht werde dabei selbstverständlich gewahrt. Negative Konsequenzen müsse niemand befürchten. Alles geschehe auf freiwilliger Basis. Auch der Weg in eine Selbsthilfegruppe soll so leichter werden, hofft Daniela Schmidt vom KISS.