Roth: Eine neue Ära für Roth als Hafenstadt
Start frei in die touristische Zukunft Roths als Hafenstadt: Das Band zur neuen Anlegestelle durchschneiden unter anderem Landrat Herbert Eckstein, Innenminister Joachim Hermann, die Abgeordneten Marlene Mortler und Volker Bauer sowie die Rother Pfarrer Christian Löhr und Karl Eberlein und nicht zuletzt Ralph Edelhäußer. - Foto: Tschapka
Roth

Ein solches Hafenfest hat es vor fünf Jahren zum Rother Stadtjubiläum schon einmal gegeben. Jetzt lud die Stadt erneut zu einem Hafenfest im Industriegebiet „An der Lände“. Allerdings hat sich dieser Hafen mittlerweile maßgeblich vergrößert, die Anlegestellen haben sich verdoppelt. Bei der Bevölkerung stieß das Fest auf großes Interesse, für die vielen Besucher hatte die Stadt sogar einen kostenlosen Shuttlebus-Service von der Innenstadt zur Lände eingerichtet.

Den Gästen fiel sofort das mächtige Personenschiff der Reederei Avalon Waterways an der neuen südlichen Anlegestelle ins Auge, an der nun auch Schiffe bis zu einer Länge von 135 Metern festmachen können. Bisher konnten an der alten, inzwischen grundsanierten Anlegestelle nur Schiffe bis zu 110 Metern Länge anlanden. Anlässlich der Fertigstellung gab sich sogar Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) die Ehre. „Es tut sich was in Roth“, konstatierte er. Auch wenn man die mittelfränkische Kreisstadt bis jetzt nicht sofort mit Flusskreuzfahrten in Verbindung gebracht habe, könne sich dies bald ändern. Derlei Flusskreuzfahrten hätten in den letzten Jahren einen echten Boom erlebt. Vor allem durch den Bau einer Anlegestelle für große, zeitgemäße Schiffe hätte Roth ganz bewusst in die Zukunft investiert. „Ich bin davon überzeugt, dass ihre Entscheidung von Erfolg gekrönt sein wird, und dass sich schon bald Ströme von Touristen über Roth ergießen werden“, gab sich Herrmann optimistisch.

Im Festzelt nahe der neuen Anlegestelle blickte Bürgermeister Ralph Edelhäußer auf die Entstehungsgeschichte der Hafenanlage zurück: Da die bestehende nördliche Anlegestelle defekt war, so Edelhäußer, stand Roth vor der Entscheidung, sie abzureißen oder zu sanieren. Umfragen unter Schifffahrtsgesellschaften, ob sie die Erhöhung der Anlandungspauschalen akzeptieren würden, die bei einer Neugestaltung notwendig wären, verliefen positiv. Es wurde allerdings der Wunsch nach einer zweiten Anlegestelle für Schiffe bis 135 Metern Länge geäußert, eine Standardgröße heutiger Flusskreuzfahrtschiffe. Also beschloss der Stadtrat im April 2013, dass die alte Anlegestelle saniert wird und eine zweite für größere Schiffe realisiert werden solle. Der Umbau begann Mitte 2013, heuer ist alles fertig geworden. Rund eine halbe Million Euro hat das ganze Projekt gekostet.

„Mit der neuen Anlegestelle und dem neu gestalteten Areal Lände erfüllt die Stadt jetzt die Anforderungen der Schifffahrtsgesellschaften an eine professionelle Anlagestelle und erwartet eine steigende Nachfrage nach Anlandungen“, so Edelhäußer. Ihm zufolge sind für das kommende Jahr bereits 70 Anlandungen gebucht worden. „Wir bereiten gerade spezielle Tagesprogramme für die überwiegend englischsprachigen Besucher vor.“ Als Ausflugsziele kämen unter anderem der Historische Eisenhammer Eckersmühlen, das Rother Industriemuseum und das Schloss Ratibor in Frage.

Landrat Herbert Eckstein begrüßte die Chance, die sich der Kreisstadt nun böte. „Aber es liegt an uns, dass diese Schiffe auch wirklich kommen werden.“ Franken könnten sicherlich mit sprödem Charme amerikanische Gäste begeistern. „Und wenn es nicht von Anfang an rund läuft, sollten wir nicht gleich enttäuscht sein. Wir Franken bauen etwas langsam auf, nur dann wird’s auch was“, so Eckstein.

Die Rother Pfarrer Karl Eberlein und Christian Löhr nahmen hernach die Segnung der Anlegestelle vor. Danach gab es noch eine Überraschung für den Rother Rathauschef: Burghart Lell von der Reederei Avalon überreichte Edelhäußer eine schwere Schiffsglocke. Von den Umstehenden wurde der Vorschlag geäußert, dass diese Glocke eine prima Einrichtung für den Stadtrat wäre, um sich dort Gehör zu verschaffen.

Auf großes Interesse stieß natürlich auch das große Kreuzfahrtschiff, das gruppenweise besichtigt werden konnte. Die Volkstanzfreunde aus dem Landkreis Roth verwandelten das Sonnendeck sogar in eine Tanzfläche und drehten sich zu Akkordeonklängen im Kreis. Für den Franken ein bekanntes Brauchtum, für die anwesenden englischen, amerikanischen, australischen und neuseeländischen Touristen vermutlich Exotik pur. Die überwiegend älteren Kreuzfahrer beobachteten das bunte Treiben zwischen den Anlegestellen entweder aus sicherer Entfernung hoch oben von der Reling aus, oder stürzten sich selber ins Getümmel, schließlich war einiges geboten an Land. Die Hüpfburg, die Rodeo-Anlage und den Kletterturm dürften die Reisenden im besten Rentneralter zwar vermutlich eher links liegen gelassen haben, aber die deftige fränkische Kost könnte bestimmt bei vielen Touristen die Lust zur baldigen Rückkehr nach Roth auslösen. Vielleicht auch die Klänge der Musicaholics, der Rothsee-Musikanten sowie die des Seemannschors Nürnberg, der unter anderem das Lied „Seemannsbraut ist die See“ zum Besten gab.