Roth: "Eindämmen statt einlagern"
Ein gutes Dutzend Demonstrationsteilnehmer sind aus dem Landkreis Roth nach München gekommen. - Foto: Gilch
Roth

Unter dem Motto "Marktverantwortung statt Pulverirrsinn" hatte der BDM seit dem 25. August verschiedene Pulveraktionen durchgeführt, um die regionalen und globalen Folgen der schweren EU-Milchmarktkrise von 2015 und 2016 zu thematisieren und bildlich darzustellen. Neben riesigen Schuldenbergen für die Milchbauern sind auch immense Milchpulverberge entstanden, die die Erholung der Milcherzeugerpreise bis heute verhindern.

Diesen Pulverirrsinn stellten die Milchviehhalter in München noch einmal mit einer Pulversprühaktion dar, bei der mehrere Säcke Milchpulver mit einem Gebläse hoch in die Luft geblasen wurden. Die zentralen Forderungen der Milchbauern lauteten dazu: In der Krise Milchübermengen eindämmen statt übermäßig einlagern. Der bestehende Milchpulverberg muss marktunschädlich abgebaut werden!

Dass der Export von billigem Milchpulver in Dritte-Welt-Länder dort die Kleinbauern existenziell bedrohe und auch hier den Bauern massiv schade, hoben die Vertreter von German Watch und der Weltnothilfe, Walter Ulbrich und Karl Busl, hervor. Die Milchviehhalter wandten sich in München explizit an Ministerpräsident Horst Seehofer und die CSU, mit der Aufforderung, sich in den Koalitionsverhandlungen auch auf Bundesebene dafür stark zu machen, dass die längst überfällige Erweiterung des Sicherheitsnetzes für den Milchmarkt um effiziente, mengenwirksame Kriseninstrumente endlich umgesetzt wird. Bayern hat mit seinem Agrarminister Helmut Brunner bei den letzten Länderagrarministerkonferenzen mehrmals bewiesen, dass es die Forderungen des BDM nach einem besseren EU-Krisenmanagement bei einer Milchkrise unterstützt und dies gemeinsam mit anderen Länderagrarministern auch auf Bundesebene einfordert. "Dies muss jetzt auch im anstehenden Koalitionsvertrag verankert werden", sagte der BDM-Landesvorsitzende Manfred Gilch.

Staatsminister Marcel Huber wurde ein Milchviehhalter-Appell überreicht, in dem detailliert die Positionen der Milchviehhalter erläutert wurden. Der Staatsminister sicherte zu, dass Ministerpräsident Seehofer gemeinsam mit dem bayerischen Agrarminister Brunner in den jetzt anstehenden Koalitionsverhandlungen darauf hinwirken werden, dass eine Mengenbegrenzung im Krisenfall auf EU-Ebene zu installieren sei.

"Das EU-Sicherheitsnetz muss jetzt ausgebaut werden, solange die Markterholung noch anhält. Kippt der Markt wieder, entstehen erneut Verluste, die die ohnehin stark angeschlagenen Milchbetriebe massiv gefährden. Dann muss ein wirksames Kriseninstrumentarium, das zur Markterholung beiträgt, schon einsatzbereit sein", betonte Bundesbeirat Johannes Pfaller.