Roth: Die Fee und die Frau vom Nachbartisch
Ringsgwandl singt und erzählt aus seinem Leben - und wenn's sein muss, demonstriert er, was er meint. - Fotos: Fischer
Roth

Von was sich Ringsgwandl dann inspirieren lässt? Vom täglichen Leben, seinem Therapeuten und von dem ein oder anderen Gespräch am Nachbartisch eines Cafés.

Der Anlass für sein Lied "Koda" (Kater) sei dabei ein sehr schmerzhafter gewesen, erzählt Ringsgwandl. Beim Moun-tainbikefahren sei er gestürzt, habe sich trotz Helms Schürfwunden zugezogen und sich daraufhin mit gebrochenem Arm und einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus wiedergefunden. "Das Lied hat schon etwas Transzendentales, obwohl ich Atheist bin", warnt der Musiker das Rother Publikum. Dann setzt er sich auf seinen Hocker, nimmt die Gitarre in die Hand und beginnt. "Im nächsten Leb'n werd i a Koda" schallt es durch die ausverkaufte Kulturfabrik. Als Kater müsse man schließlich nicht viel tun und könne gemütlich im Haus liegen.

Begleitet wird Ringsgwandl auf seiner Tour von einer dreiköpfigen Band, die sich sehen und vor allem hören lassen kann. Sie besteht aus Christoph Müller an der Gitarre, Tommy Baldu am Schlagzeug und Christian Diener am Bass.

Ausschlaggebend für seinen nächsten Song sei eine Musicalfahrt nach Hamburg gewesen, die er bei einem Preisausschreiben gewonnen hatte. Als er nach einer "schrecklichen" und langen Fahrt mit dem Zug in der Hafenstadt ankam, habe er sich zunächst in ein Café gesetzt und einfach den Worten der Tischnachbarinnen gelauscht. Dabei schrieb er fleißig mit. So berichtete eine der Frauen von ihrem "Reinfall mit einem Journalisten", der ihr das Blaue vom Himmel in Form eines großen Hauses versprochen hatte. Statt einer prächtigen Villa in der Sonne sei es jedoch ein kleines Reihenhaus gewesen. Nicht nur von ihrem Mann, sondern auch von dem aus dieser Beziehung entstanden Sohn hat sich die Frau mehr erhofft. "Ich hätte nie gedacht, wie dumm so ein Kind sein kann" schnappte Ringsgwandl in dem Gespräch unter anderem auf. Verarbeitet hat der Bad Reichenhaller, der in diesem Jahr den Weltmusikpreis 2017 verliehen bekommt, die Geschichte im Lied "Dawischt".

Viele Musiker schreiben ihre Lieder in ruhigen und nachdenklichen Minuten. Nicht so Georg Ringsgwandl, zumindest wenn man seiner Beschreibung glaubt. In einem regelrechten Aggressionsausbruch habe er den Liedtext seines folgenden Songs auf ein Papier gekritzelt, ehe er im Garten Holz hackte und dabei gleich noch Teile des Nachbarbaums wegschnitt, um sich abzureagieren.

Als er dann wieder zur Ruhe kam, war er sich gar nicht mehr sicher, ob tatsächlich er diesen Text verfasst hatte. Doch ein Schriftabgleich seines Therapeuten, der für seine Therapie auch gerne einmal auf den Elektroschocker zurückgreift, um die "Festplatte komplett zu löschen", konnte dies zweifelsohne bestätigen.

In dem düsteren Lied "Krattla von Minga" singt der Künstler mit Hut Zeilen wie "Koana vo uns werd's je zua wos bringa". Dass Ringsgwandl neben vielen peppigen Liedern aber auch ganz ruhige Töne anschlagen kann, beweist er mit seinem nächsten Song: Während er im weißen Scheinwerferlicht sitzt und die Saiten seiner Zither anschlägt, singt er von der besonderen winterlichen Begegnung eines Mannes mit einer Frau, die mit ihrem Bauchladen Schokolade verkauft. "Vieles war gut, aba niemois so schee, wia die Zeit mit der Schokoladenfee".

Nach der Pause geht es dann etwas wilder zur Sache. Mit "Hühnerarsch, sei wachsam!" packt er einen seiner schon etwas älteren Klassiker aus. Dazu zieht er sich eine blonde Landhaarperücke mit Hut auf den Kopf und schreitet zum Keyboard. "Du gaggerst noch ganz fröhlich deine Lieder, doch schon greift dir wer ins Gefieder", singt der bayerische Kabarettist mit hoher Stimmlage, während er immer wieder das Gackern und Scharren imitiert. Das Publikum ist begeistert und reagiert mit lange anhaltendem Applaus. Insgesamt drei Zugabelieder gibt der bayerische Kabarettist noch zum Besten, ehe das Rother Publikum ihn sichtlich begeistert schließlich doch von der Bühne ließ.