Und gleich dazu eine bemerkenswert komische Kunstfigur geschaffen: den "Bürger from Hell". Dabei handelt es sich um einen brav gescheitelten Spießer, den man eher in einer Kleingartenkolonie anzutreffen vermutet.

Aber nein, dieser Bürger sagt von sich ganz überzeugt "I am a Rocker!" Wenngleich er alles andere als selbstsicher rüberkommt, in seinen weißen Tennissocken, dem Blümchenhemd und dem verkniffenen Gesichtsausdruck. Als Autodidakt habe er sich mit Hilfe diverser YouTube-Videos als echten Teufelskerl an der Gitarre ausgebildet. Er zieht in seiner Show wirklich jedes Rock- €˜n'-Roll-Klischee durch den Kakao.

Da wird schon mal das Gitarrenkabel in - zum Glück nur fast - alle Körperöffnungen gesteckt, sich in minutenlangen Hardcore-Soli verloren, dabei den Emotionen freien Lauf gelassen - die von der schüchternen Seite des Möchtegern-Hardrockers gleich wieder eingefangen werden. Oder auch als lebendige Beat-Box die Lautsprecher strapaziert.

Vermutlich hat sich dieser einzigartige "Bürger from Hell" von keinem geringeren als Helge Schneider inspirieren lassen. Denn ebenso wie der hochtalentierte Jazzbarde, hinter dessen Blödeleien ein hervorragender Musiker steckt, ist auch Norbert Bürger ein echter Virtuose an der Gitarre. Kein Wunder, hat er doch am Richard-Strauß-Konservatorium studiert, danach in diversen Formationen gespielt und schließlich den Komiker in sich entdeckt.

Während Helge Schneider revolutionär die Grenzen des Jazz komödiantisch erweitert hat, hat sich Bürger das gleiche für die Rockmusik vorgenommen. Nicht ohne Erfolg, den es gab wohl niemand im leider nur spärlich erschienenen Publikum, der bei diesem E-Gitarren-Special "aus der Hölle" nicht grinsen musste.