Roth: "Ärzte sind nicht zum Helfen beim Sterben da"
Die bayerische Staatsministerin Melanie Huml trägt sich beim CSU-Neujahrsempfang in Roth in das Goldene Buch der Stadt ein - Foto: Wechsler
Roth

Dass eine junge Ministerin Schwung in ihr Ministerium bringen kann, zeigte die Bayerische Staatsministerin Melanie Huml auf. Sie bezeichnete Gesundheit und Pflege als die Zukunftsthemen, die uns immer mehr beschäftigen werden. Dabei gilt für sie der Leitspruch: „Die Menschen sollen möglichst lange gesund bleiben.“ Entsprechend hat sie einen Präventionsplan erarbeitet, der vorsieht, Menschen früher und gemeinschaftlich, wie in Firmen und Vereinen, zu einer Vorsorgeuntersuchung zu bringen. Vor allem die Männer seien dafür nur schwer zu begeistern. So gab sie auch den gut 100 Anwesenden mit auf den Weg: „Schauen Sie mehr auf sich!“. Daneben liege ihr die Kindergesundheit sehr am Herzen. Entsprechend sei es notwendig, dass auch das flache Land gut mit Haus- und Fachärzten bestückt sei.

Die Versorgung ist nach Meinung der Ministerin im Landkreis Roth noch relativ gut. Trotzdem rief sie die Gemeinden auf, die Wohn- und Lebensqualität weiter zu verbessern. Zudem gehörten eine Kinderkrippe und die Nähe zu einem Krankenhaus sowie gute Einkaufsmöglichkeiten bei der Standortfrage für einen neuen Arzt zu wichtigen Faktoren.

Die Staatsregierung habe bereits die ersten Maßnahmen ergriffen. So werde in Gemeinden mit bis zu 20 000 Einwohner die Niederlassung eines Hausarztes mit 60 000 Euro gefördert. Diese Bezuschussung werde derzeit auch auf Fachärzte ausgeweitet.

Ein wichtiges Zukunftsprojekt wurde laut Huml mit dem Stipendium für Medizinstudenten erreicht, die sich verpflichten, sich nach fünf Jahren als Hausarzt niederzulassen. Laut Ministerin haben bisher 66 Studenten dieses Angebot angenommen. Eine Reaktion ihres Ministeriums darauf, dass derzeit jeder dritte Hausarzt über 60 Jahre alt sei, betonte Huml.

Im Pflegebereich vertritt sie die Meinung, dass jeder, der Pflege brauche, sie auch erhalten sollte. Zwei Drittel aller Menschen, die einer Pflege bedürfen, würden derzeit noch zu Hause gepflegt. Bei der Pflege in Heimen wolle sie sich dafür einsetzen, dass die Pflegekräfte nicht überfordert würden. Vor allem im Nachtdienst müssten sie besser entlastet werden.

Deutlich sprach sich die Ministerin gegen aktive Sterbehilfe aus. „Die Ärzte sind zum Helfen und Begleiten da, aber nicht zum Helfen beim Sterben!“, so Melanie Huml.

Zu den aktuellen Ereignissen bei Asylbewerbern sagte die Ministerin, dass Toleranz keine Einbahnstraße sei. Radikale Tendenzen lehne sie rundweg ab. Allerdings müsste die Politik für ihre Entscheidungen mehr werben und diese im Austausch mit der Bevölkerung auch erklären.

Roths CSU-Ortsvorsitzender Daniel Matulla lobte das ehrenamtliche Engagement vieler Bürger und Roths Bürgermeister Ralph Edelhäuser verwies auf zahlreiche Projekte, die in Roth anlaufen. So sei in Roth, auch durch mehrere neu kreierte Veranstaltungen, ein gewisser Aufbruch festzustellen. Als eine nachhaltige Investition bezeichnete Landtagsabgeordneter Volker Bauer das Geld, das der Freistaat in die Bildung stecke. Voraussetzung für das Handeln seien die guten wirtschaftlichen Verhältnisse. Als seine Schwerpunkte bezeichnete er die Energiewende, die Stärkung des ländlichen Raumes mit einem schnellen Internet und die Voraussetzungen für eine vernünftige Pflege im Alter. Dabei verwies er darauf, dass er als junger Abgeordneter die Ratschläge der älteren Generation gerne entgegennehme.

Die Familie als Halt werde auch in der Zukunft sehr wichtig sein, so die Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler. Dabei plauderte sie auch aus dem Nähkästchen über die Diskussionsthemen bei der CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth. Als ob sich die Ereignisse von Paris vorher abgezeichnet hätten, standen Stabilität, Solidarität und Sicherheit auf dem Programm. „Ein Anschlag wie in Paris hätte auch uns passieren können“, so Mortler. Nach ihrer Meinung wollen sich Al Kaida und IS gegenseitig übertreffen. Entsprechend müsse der Staat alles dafür tun, damit die Sicherheit der Bürger gewährleistet sei und dazu gehöre nun einmal auch die Datenspeicherung.

Das Flüchtlingsproblem nannte sie eine ernste Angelegenheit. Es gelte zu differenzieren, ob jemand wegen Krieg, Terror und Verfolgung oder aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland komme. Ansonsten könnte der Platz für diejenigen, die wirklich der Hilfe bedürfen, eng werden. Dabei betonte sie: „Kinder aus Syrien brauchen unsere Hilfe!“.

Wie schwierig das politische Leben im Bezirkstag nach der Änderung des Wahlgesetzes sei, zeichnete Bezirksrat Ernst Schuster auf. Bei neun verschiedenen Parteien und Gruppierungen und zwei Lagern mit jeweils 15 Stimmen sei es besonders schwer geworden, zu politischen Entscheidungen zu kommen. Er klagte, dass die Sozialausgaben von Jahr zu Jahr steigen, die Einnahmen aber einbrechen. Dies, obwohl die Bezirksumlage leicht erhöht wurde. Nur in Bayern seien die Bezirke zum Beispiel für die Kosten der unbegleiteten jungen Flüchtlinge zuständig.

Abschließend trug sich Ministerin Melanie Huml in das goldene Buch der Stadt Roth ein.