Röttenbach: Erinnerungen an die Kindheit
Christiane Kron-Oettner (links) trägt in Röttenbach einen Text vor, der an ihre Kindheit erinnert. Margit Begiebing erzählt anschließend vom "Weihnachtsgärtchen". - Foto: Schrenk
Röttenbach

Christiane Kron-Oettner begann den Abend mit einem einfühlsam vorgetragenen Text aus ihrer Kindheit. "Das ungewöhnliche Weihnachtsgeschenk" entführte die Zuhörerschaft in die Zeiten von Flucht und Hoffnungslosigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg. In einer Kleinstadt in Unterfranken findet die aus dem Schlesischen kommende Familie eine neue Heimat. Die Autorin, so die Moderatorin Cordula Doßler von der Volkshochschule Roth, gehöre zu einer Nürnberger "Filialgründung" der Wendelsteiner Schreibwerkstatt, die in diesem Jahr auf 35 bewegte Jahre zurückblicken könne. Hervorgegangen ist sie 1982 aus der VHS Roth.

Von Anfang an dabei ist der Wendelsteiner Hans Pfähler, der das Publikum mit seiner Geschichte "Christbaumsuche" überraschte. Er erzählte von zwei feuchtfröhlichen Zechkumpanen, die zwar einen ordentlichen Rausch aber keinen Christbaum mit nach Hause brachten. Die Geschichte entstammt dem Erzählband "Jed's Jahr widda", das auf dem Büchertisch auch zum Kauf angeboten wurde.

Margit Begiebing, ebenfalls aus Nürnberg, erzählte in ihrer Geschichte vom "Weihnachtsgärtchen". Eine anrührende Familiengeschichte von fünf Geschwistern, von denen ein Mädchen besonders an der Weihnachtstradition hängt und dem Christkind ein Gärtchen basteln möchte, was aber mit der Weihnachtsgeschichte nichts zu tun hat. Ihrer Hartnäckigkeit verdankt der Leser die Erkenntnis, dass es sich beim dem vermeintlichen Weihnachtsgärtchen eigentlich um ein Frühlingsgärtchen handelt, dessen Ursprünge in der christlichen Osterlegende begründet liegen. In ihrer zweiten Geschichte ging es um das obligatorische Weihnachtsfoto, das der Familienvater am Weihnachtsabend 1955 wie jedes Jahr für das Familienalbum inszenierte, das er aber, da der Rollfilm noch etliche Bilder zur Verfügung hatte, erst um die Jahresmitte zum Entwickeln brachte - zu einer Zeit, da sich niemand mehr für das Weihnachtsmotiv interessierte.

Ludwig Weber, der zweite Wendelsteiner in der Runde, berichtete von einem "Weihnachtswunder", das ihm selbst widerfahren sei, und von dem er auch heute noch gerührt sei, wenn er es vortrage. Er erzählte von einem Jungen, der ausgerechnet einen Tag vor Heilig Abend zu einer Mandeloperation ins Krankenhaus eingeliefert wird. In der kleinen Kapelle der Klinik darf er sich bei der Segnung des Christkinds etwas wünschen, was dank der Hilfe des Krankenhausseelsorgers auch in Erfüllung geht: Er bekommt Besuch von seiner Familie und wird reich beschenkt.

In der Geschichte "Der König von Franken" ließ Hans Pfähler einen echten Franken als einen der Heiligen Drei König auftreten, eine eher humorvolle aber zugleich fränkisch-patriotische und daher unterhaltsame Erzählung, der vor der Pause noch Christiane Kron-Oettners Text "Die Großmutter erzählt" folgte. Die Erzählung von verführerisch duftenden Bratäpfeln und anderen Leckereien aus der Adventszeit war für die Zuhörer im Deutschordenshaus ein idealer Einstieg in die Pause. Im Anschluss trug das Wendelstein-Nürnberger Quartett noch Geschichten und Gedichte vor, bevor man zum Abschluss gemeinsam ein Weihnachtslied unter der Regie von Hans Pfähler sang.