Mittwoch, 30.05.2012 |

 

06.02.2012 18:11 Uhr | 29x gelesen
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Wenn Vakanz die Kreativität fördert


Bild: Wenn Vakanz die Kreativität fördert. Offenbau Offenbau (HK) In ihre dritte Runde ist die Ausstellung lokaler Hobbykünstler im Pfarrhaus Offenbau gegangen. Sie soll Leben in das verwaiste Pfarrhaus bringen.

Offenbau (HK) In ihre dritte Runde ist die Ausstellung lokaler Hobbykünstler im Pfarrhaus Offenbau gegangen. Sie soll Leben in das verwaiste Pfarrhaus bringen.


Offenbau: Wenn Vakanz die Kreativität fördert
 
„Der Schmerz bringt das Beste aus den Menschen hervor“: Im Blick auf die evangelischen Christen in Offenbau scheint an dieser Lebensweisheit etwas Wahres dran zu sein. Denn die dortige Pfarrstelle ist schon jahrelang vakant, ihre Zukunft mehr als ungewiss. Damit im Pfarrhaus wenigstens ab und zu mal das Licht angeht, präsentieren sich dort regelmäßig Künstler mit ihren Werken.

Und dies bezeichnenderweise am Wochenende nach Mariä Lichtmess. Erhellend auch das Motto der „Szenario“ genannten Veranstaltung: „gemeinsam lebendig leben“. Drei Worte, die den Zusammenhalt auch und gerade in schweren Zeiten beschwören. Von der Agilität der Offenbauer zeigte sich an der Vernissage auch der Eysöldener Pfarrer Thomas Lorenz begeistert, der in der langjährigen Übergangsphase die vakante Pfarrstelle mitbetreut. Laut des immer noch aktuellen Dekanatsbeschlusses könnte daraus eine Dauerlösung werden. Doch seitens des Landeskirchenrats in München herrsche immer noch „Funkstille“, was den erwarteten Feststellungsbescheid anbelangt. Denn erst wenn dieser vorliegt, kann die Gemeinde ihn auch beanstanden. So aber habe sie das Gefühl, dass man sie im Regen stehen lasse, spiegelte Lorenz im Gespräch mit unserer Zeitung die Grundstimmung vor Ort wider.

Für den elf Köpfe starken Künstlerkreis war der Geistliche hingegen voll des Lobes. Ein solcher Zirkel sei für einen 900-Seelenort schon „sehr bemerkenswert“. Die Gruppe werde auch über die Dorfgrenzen hinaus weithin beachtet und geschätzt.

„Ich bewundere das“, pflichtete ihm auch Thalmässings Bürgermeister Georg Küttinger bei, „ihr seid schon eine besondere Gemeinde, ihr rückt zusammen und macht das Beste aus Eurer Lage.“ Auch Landrat Herbert Eckstein würdigte die Gläubigen dafür, dass sie „die Köpfe nicht in den Sand gesteckt haben“. Wenn man resigniere, freuten sich immer nur die Falschen.

Von Resignation war demnach in der gesamten Ausstellung nichts zu spüren. Schon das energiegeladene Eingangsplakat wirkte auf funkensprühende Weise futuristisch. „Man könnte meinen, hier stellt Kandinsky persönlich aus,“ kommentierte der Landrat, der natürlich mit dem ihm einst in Offenbau geschenkten T-Shirt angereist kam, auf dem steht: „Lasst die Kirche im Dorf!“ Er lobte aber auch Kirchenvorstandsmitglied und Ausstellungsinitiator Karl Trappe, der sich mittlerweile mit dem ehemaligen Dekan Reinhard Brandt ausgesprochen habe. „Dazu gehört Größe“, meinte Eckstein.

Trappe selbst zeigte sich „überrascht von den vielfältigen Ansätzen“ der gezeigten Werke und lud zum Rundgang ein. Dabei gab es erstmals auch – dem Motto gemäß – ein von allen Künstlern gemeinsam geschaffenes Bild zu bewundern, das sich schlicht „lebendig“ nennt. Es zeigt allerlei Meeresgetier, dass sich gemeinsam auf den Weg in einen großen Wasserstrudel macht und weckt damit sehr ambivalente Assoziationen.

Zu den Klängen der „Jagman Connection“ aus der Musikschule Hilpoltstein galt es für die Besucher, die kreativen Welten zu entdecken. Da spann sich etwa durch ein Bild ein roter gemalter Faden, der das Wort „leben“ bildete. Ein etwas anderes „Gruppenbild mit Dame“ zeigte lauter gesichtslose Personen, so dass jeder Betrachter selbst eine von ihnen zur Dame küren konnte. Wie widersprüchlich das Leben ist, machte auch eine mehrere Quadratmeter große Collage mit trockener, aber doch lebendiger Steppenlandschaft deutlich. Daneben eine gewagte Melange mit einem Kreuz, das von bebrillten Totenköpfen bedeckt war.

Einem Kunstschnitzer konnte man bei der Arbeit über die Schulter blicken, der Auftritt einer Karikaturistin fiel aus – sie hatte sich verletzt, so kann das Leben eben auch sein. Zum ersten Mal gab es auch Bilder (der vergangenen Ausstellungen) im benachbarten Pfarrstadel zu erwerben, zu humanen Preisen im zweistelligen Bereich. Der Teilerlös hierfür soll in die Finanzierung einer Wasseraufbereitungsanlage in Pakistan und einer Arztpraxis in Albanien verwendet werden.

Landrat Herbert Eckstein ging mit gutem Beispiel voran und erwarb ein Werk namens „Moods“, also: Stimmungen. Und die dürften nicht nur in Herbert Ecksteins Alltag sich des öfteren mal abwechseln. Auch in Offenbau fühlt man sich zwischen den Gemütslagen hin- und hergerissen. Aber man weiß, was man will: „gemeinsam lebendig leben“.


Von Jürgen Leykamm

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