Nürnberg: Traumjob für Büromuffel wird zum Trendberuf
Stehen nicht auf Büroarbeit: die Azubis Luis Zielosko und Iulia Jurca mit Christoph Reif, Landschaftsgärtnermeister aus Roth. - Foto: Pelke
Nürnberg

Das Geld liegt in den Gärten, weiß der Landschaftsgärtner. Er kümmert sich darum, dass die Außenanlagen nicht nur in den Villen dieser Welt immer hübsch und ordentlich aussehen. Vielen Gartenbesitzern fehlt die Zeit, sich um den schönen Garten zu kümmern. Die Gartenbaubetriebe spüren die gewachsene Nachfrage und suchen nach gutem Nachwuchs. Die Ausbildung zum Landschaftsgärtner ist dementsprechend gefragt. Das belegen die neuesten Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Demnach ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau ("GaLaBau") im Jahr 2016 bundesweit um 2,4 Prozent gestiegen. In Bayern basteln aktuell allein rund 1250 GaLaBau-Azubis an ihren Gesellenbriefen.

In Nürnberg bereiten sich derzeit 68 junge Gartenspezialisten aus Franken und der Oberpfalz auf ihre Abschlussprüfung vor. Die 24-jährige Iulia Jurca und der 19-jährige Luis Zielosko stehen neben einem Lorbeer im Kiesbett. "Wir bauen hier eine kleine Garageneinfahrt mit allem Drum und Dran", sagt Iulia und nimmt den nächsten Pflasterstein in die Hand. "Ich habe Maschinenbau studiert, mich aber dann für den Gartenbau entschieden", erzählt sie, während der Kollege mit dem Hammer in der Hand die Einfahrt bearbeitet.

"Ich habe mein ganzes Leben im Garten verbracht", erzählt Luis Zielosko, der seine Ausbildung bei der Gartenbaufirma John in Hallstadt bei Bamberg absolviert und von einer Zukunft als Greenkeeper auf dem Golfplatz träumt. "Für einen Job im Landschaftsbau muss man das Draußensein wirklich mögen", ist sich der 19-Jährige sicher und die Azubikollegin nickt. "Dafür schläft man nach der Arbeit gut. Ein Bürojob wäre für mich der Horror gewesen", sagt Iulia. Christoph Reif, der erfahrene Meister aus Roth, gibt derweil den künftigen Kollegen wertvolle Tipps mit auf den Weg.

"Viele wollen in der Natur und nicht nur im Büro arbeiten", sagt Jochen Henning vom Verband für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau in Bayern zum großen Run auf die Gärtnerberufe. Handwerksberufe wie der Gartenbau seien von der Digitalisierungswelle weniger bedroht als andere Ausbildungsberufe, erklärt sich Henning den aktuellen Boom. "Ich würde heute keine Ausbildung mehr zum Bankfachmann oder Versicherungswirt machen. Der Landschaftsgärtner wird auch in der Zukunft nicht durch Roboter ersetzt werden."

Nebenan pauken die Azubis derweil die Theorie. Auf dem Stundenplan stehen die lateinischen Fachbegriffe der Botaniker für Knospen und Zweige der einheimischen Baum- und Straucharten. Meister Michael Kempf hockt mit seinen Schützlingen auf der Bierbank. Gärtner sind ein eingeschworener Haufen. Viel Wissen wird mündlich weitergegeben. "Es gibt keinen abwechslungsreicheren Beruf", sagen sie hier am Tisch beim Büffeln der Botanik. Im nächsten Raum lobt der Meister seine beiden Schützlinge im Kiesbett. Die Minieinfahrt nimmt langsam Gestalt an. "Die beiden sind wirklich gut", lobt Christopf Reif den wissbegierigen Nachwuchs und zeigt auf Iulia und Luis, die immer noch vergnügt bei der Sache sind. "Das Schöne an dem Beruf ist, dass man am Ende immer sieht, was man geleistet hat", sagt Iulia und strahlt.

"Viele Gartenbesitzer investieren jetzt und bringen ihre Außenanlagen auf Vordermann", berichten Angelika und Robertin Schröter, die in Markt Taschendorf im Steigerwald einen Betrieb für Garten- und Landschaftsbau führen. Damit die Firmen mit den Aufträgen hinterherkommen, sei qualifizierter Nachwuchs händeringend gesucht. "Mittlerweile haben wir immer mehr Frauen im GaLaBau", sagt Angelika Schröter und verweist auf viele Nischen in dem breiten Aufgabenspektrum, in denen weniger Muskelkraft und mehr Gestaltung gefragt seien. Der Landschaftsbau kümmere sich heute nicht mehr nur um die Gestaltung der Beete und das Zurechtstutzen des Rasens. Viele Holz- und Steinarbeiten seien hinzugekommen. Der Fantasie im Garten seien keine Grenzen gesetzt. Der Gärtner müsse schließlich mit der Zeit und den wechselnden Gartenmoden gehen. Spezialisierung sei mehr denn je gefragt. "Den Gärtner mit Strohhut und Schürze gibt es nicht mehr. Heute muss man ein Allroundkönner sein und trägt Hosen mit ganz vielen Taschen für das viele Werkzeug", sagt Robertin Schröter.