Unter der Leitung von Adolf Müller (links) singen und spielen die Ehemaligen des Singschulchors beim Revivalkonzert der Musikschule in der Aula der Hilpoltsteiner Grundschule.
Unter der Leitung von Adolf Müller (links) singen und spielen die Ehemaligen des Singschulchors beim Revivalkonzert der Musikschule in der Aula der Hilpoltsteiner Grundschule.
Tschapka
Hilpoltstein
"Die Feierlichkeiten werden sich weit bis ins Jahr 2018 hinziehen", sagte Max Netter, Vorsitzender der Musikschule. Ins Leben gerufen wurde die Musikantenschmiede der Burgstadt neben dem jüngst verstorbenen Lorenz Winter vor allem von Adolf Müller, der es anlässlich der Jubiläumsfeier geschafft hatte, einen ganzen Chor ehemaliger Singschüler auf die Beine zu stellen. Dieser Ehemaligenchor machte den Anfang des rund dreistündigen Jubiläumskonzerts mit zwei Volksliedern und dem Zwiefachen "Leit, Leit, Leit'l müaßt's lusti sein".

"Das war eine ganz ungewohnte Situation für mich, so hochbetagt wieder zur Autorität zu finden", berichtete Chorleiter Müller schmunzelnd von den vergangenen Proben. "Aber zum Glück sind alle noch genauso frisch wie vor 50 Jahren." Das fand auch Hilpoltsteins stellvertretender Bürgermeister Josef Lerzer. Die Tatsache, dass sich so viele bereiterklärt hätten, mitzumachen zeige, wie tief noch heute ihre Verbundenheit mit der Musikschule sei.

Der Leiter der Musikschule, Burkhard Freimuth, moderierte den Abend, an dem nicht nur gesungen, sondern auch in vielen anderen Formen musiziert wurde. Manch einer brachte dafür sogar seinen Nachwuchs mit. Daniel Juhre, der zwischen 1989 und 1999 bei Peter Juraschek Gitarrenunterricht genommen hatte, spielte auf seiner E-Gitarre den Kanon in D-Dur von Pachelbel und wurde dabei von seiner elfjährigen Tochter Eva am Klavier begleitet. Was denn Juhres früherer Lehrer von der Vorstellung halte, wollte Freimuth anschließend wissen? "Super Handhaltung, würde ich mal sagen!" ertönte es von Juraschek aus dem Publikum.

Die E-Gitarre ging, das Klavier blieb, denn nun präsentierte Franka Elsbett-Klumpers zwei überaus gefühlsvolle Stücke an dem Instrument, welche sie neben Blockflöte sowie Chor- und Sologesang in der Musikschule gelernt hatte: "What A Wonderful World", und "Ave Maria". Dafür erntete sie viel Applaus. "Das nächste Stück ist noch ein bisschen älter als unsere Musikschule", fuhr Freimuth fort, und in der Tat stammte die nächste Darbietung von einem anonymen Musiker um das Jahr 1730 herum. Michaela Meixner an der Blockflöte und Christiane Hummel am Klavier präsentierten aus den "Drei Sonaten" die Stücke "Menuett" und "Gavotte". Hummel hat ihr Hobby sogar zum Beruf gemacht und ist nach ihrem Musikstudium in München nun Musiklehrerin an einem Neumarkter Gymnasium.

Mit Sandra Fochler an der Querflöte und Doris Hanway am Klavier ging das Revivalkonzert weiter. Die beiden Frauen, die früher gemeinsam bei "Jugend musiziert" gespielt und 2004 sowie 2005 den ersten Preis in der Duowertung erlangt hatten, präsentierten die Stücke "Do You" und "River Flows in You" von Yiruma.

Kurz vor der Pause kam dann ein musikalischer Paukenschlag, denn die Darbietung von Lukas Wegmann am Klavier zählte zu den wohl anspruchsvollsten Stücken des Abends: Prelude g-moll, op 23/5 von S. W. Rachmaninow. Kein Wunder, ist er doch seit Jahren fester Bestandteil bei den traditionellen Landkreiskonzerten "Junge Künstler musizieren", hat bei vielen Wettbewerben mitgemacht, und ist Mitglied der "Jagman Connection" der Musikschule und früher auch der Big Band des Gymnasiums Hilpoltstein.

Nach der Pause ging es mit einer Familie weiter, die in Hilpoltstein in Sachen Musik alles andere als unbekannt ist: Carolin Brandl an der Querflöte, begleitet von Mutter Susanne Czieharz am Klavier. Der Name Czieharz ist untrennbar verbunden mit der Hilpoltsteiner Stadtkapelle, deren Vorsitzende Carolin Brandl inzwischen ist. Dort musiziert sie auch, ebenso wie in diversen anderen Ensembles, und darüber hinaus ist sie inzwischen Diplommusiklehrerin. Zusammen mit ihrer Mutter brachte sie "La Flute de Pan, op.15" von J. Monquet zu Gehör.

Steuern ihren musikalischen Part zum Revivalkonzert bei: Michaela Meixner mit der Blockflöte und Christiane Hummel am Klavier..
Steuern ihren musikalischen Part zum Revivalkonzert bei: Michaela Meixner mit der Blockflöte und Christiane Hummel am Klavier.
Tschapka, Tobias, Roth
Hilpoltstein

Doris Hanway hatte in der ersten Hälfte schon einen kurzen Auftritt. Nun saß sie alleine am Klavier und präsentierte die Titelmelodie der Erfolgsserie "Games of Thrones", sowie das Stück "I dreamed a Dream. "Ich frage mich, warum sie in der Marktforschung gelandet ist, wenn sie doch so gut Klavier spielt", wunderte sich Burkhard Freimuth angesichts ihrer Berufsentscheidung.

Albin Hannich präsentierte anschließend auf der Akustikgitarre drei Stücke, unter anderem eine Eigenkomposition mit dem finnischen Namen "Ruska", was passenderweise so viel wie Herbst bedeutet. Der Herbst hat es ihn wohl angetan, denn er bildet zusammen mit Harry Rödig auch das Gitarrenduo "November", das zuletzt bei "Hip Live" aufgetreten ist. Hannichs erster Gitarrenunterricht fällt auf das Jahr 1974, und so zählt er zu einem echten Veteranen der Musikschule.

Nicht nur Veteran, sondern auch Mitbegründer der Musikschule war Lorenz Winter. Ihm zu Ehren spielte das "Lorenz-Winter-Gedächtnis-Quintett" der Musikschule ein Geburtstagsständchen in drei Gängen. Zum Quintett zählten Anna Matern (Flöte), Jakob Matern (Waldhorn), Christoph Windisch (Klarinette), Lorena Windisch (Oboe) und Angelika Windisch (Fagott).

Ganz zum Schluss traten noch einmal Adolf Müller und sein "Chor der Singschule" in Erscheinung und präsentierten den "Drunken Sailor", das ukrainische Volkslied "Als zum Wald Petruschka ging" und einen rhythmischen Kanon, bei dem auch die Zuhörer mitmachen durften.

Nach dem Konzert gab es noch Blumen und Geschenke für alle Beteiligten, allen voran für Adolf Müller. "Ob ich ein Körnchen gelegt habe für die eine oder andere professionelle Musikkarriere, kann ich nicht sagen", sagte Müller ganz bescheiden. Tatsache ist jedoch, dass sich einige seiner ehemaligen Singschüler auch beruflich für die Musik entschieden haben.

Burkhard Freimuth dankte abschließend seiner Kollegin Karin Greber für die Vorbereitung des Abends und Rektor Peter Benz für die gute Zusammenarbeit. Dieser regte schließlich an, sich hier in der Grundschule in 50 Jahren wieder zu treffen und dann den 100. Geburtstag der Musikschule Hilpoltstein zu feiern.