Lohen: Eine große Nachtmusik
Ohren zu ist die Devise in Lohen. Die Bürger in dem kleinen Thalmässinger Gemeindeteil sehnen sich nach einem besseren Lärmschutz - Fotos: Leykamm
Lohen

Die große Hitze der vergangenen Wochen stellte die Bürger Lohens in den Nächten vor eine quälende Entscheidung: Sollten sie in Ruhe vor sich hinbrüten oder lieber die Fenster öffnen und dafür unter dem Lärm der über die benachbarte Autobahn donnernden Fahrzeuge leiden? Nach ihrer Stippvisite beim Gredinger Trachtenmarkt fuhren die Bundes- und der Landtagsabgeordnete weiter zum 100-Seelen-Ort, um sich ein Bild davon zu machen, wie es ist, wenn man die ICE-Strecke und die A 9 in der Nachbarschaft hat.

Fast die Hälfte der Bewohner von Lohen hatte sich vor den Toren der Firma Altmühltaler Teigwaren versammelt, um mit Verve den beiden Parlamentariern ihre Nöte vorzutragen. Daran sehe man deutlich, dass es sich hier um „kein Einzelfallproblem“ handle, sagte Marlene Mortler beeindruckt, nachdem sie wie Bauer jedem Einzelnen die Hand geschüttelt hatte.

Dass die beiden ihnen auch mit politischer Unterstützung die Hand reichen, erhoffen sich die Lohener um ihren Ortssprecher Ludwig Seger wie auch Thalmässings Bürgermeister Georg Küttinger. Denn in der Kommunikation mit der Autobahndirektion „kommen wir einfach nicht weiter“, sagte der Gemeindechef. Die Behörde stehe da „auf einem einfachen Standpunkt“, wie er gegenüber den Bürgern von Lohen und den beiden Abgeordneten bedauerte. Rein rechnerisch nämlich würden die Lärmgrenzwerte eingehalten – so sei das Resümee eines Besuchs von Delegierten der Direktion in Lohenausgefallen.

Im Ort bewertet man die Lage indes völlig anders. Großes Ärgernis ist etwa die Tatsache, dass sich der vorhandene Lärmschutzwall im Lauf der Jahre abgesenkt hat. Noch dazu wurden dort einst stehende hohe Bäume aus technischen und Sicherheitsgründen gefällt, womit eine weitere Barriere für den Schall fiel. Der werde ja auch noch von einer Erhebung reflektiert und komme somit verstärkt in Lohen an, gab Küttinger zu bedenken.

Auch das Vorgehen der Behörde stößt auf Unmut. Denn nur anhand von topographischen Berechnungen lasse sich die tatsächliche Belästigung kaum ermitteln, monierte Ortssprecher Seger. Kalte Tage und fehlendes Laub etwa ließen den Lärm spürbar lauter im Dorf ankommen als sich dies anhand von Zahlenspielen erfassen lasse. In heißen Nächten wiederum ergebe sich das eingangs erwähnte Problem der nächtlichen Beschallung bei geöffneten Fenstern. „Da kann ich mein Bett gleich auf die Autobahnbrücke stellen“, merkte dazu eine entrüstete Dame an. Sie blieb mit ihrem Statement nicht alleine. So oder so ähnlich war es des Öfteren aus der Versammlung zu hören.

Wie stark sich Absenkung des Walles und Abholzungen rein visuell bemerkbar machen, kam auch zur Sprache. Von seinem Hause aus könne er in die Fahrerkabinen der Lastwagen blicken, schilderte Seger. Sogar die Autodächer seien von seiner Wohnstätte aus gut erkennbar, ergänzte ein anderer Bürger. Die jetzige Situation sei mitverantwortlich für die auch hier festzustellende Landflucht. Die Bewohnerzahl Lohens sinkt stetig. Junge Bauwillige errichten ihr Domizil lieber andernorts. Obwohl das Bauland in ihrem Heimatdorf sehr günstig ist – was unter anderem auch an der Lärmbelästigung liegt.

Wehmütig blicken die Lohener nach Gelbelsee in der Gemeinde Denkendorf, wo sich die Bürger über verbesserten Lärmschutz freuen dürfen. Auch ein Blick in die Nachbarschaft schmerzt. „Großhöbing hat einen sauberen Lärmschutzwall“, sagte Ortssprecher Seger. Gleiches fordere man für Lohen auch. Erhöhung und Verlängerung des bestehenden Walls lauten die Forderungen.

Verärgert sind die Bürger auch über die Ungleichbehandlung durch den Gesetzgeber. So gelten etwa bei Neubauten von Einrichtungen des Lärmemissionsschutzes strengere Vorgaben als für bestehende.

Vom Engagement der Ortsansässigen zeigten sich sowohl Mortler als auch Bauer angetan. Selbiges habe man ja schon beim Protest gegen die Stromtrasse oder die Bundesstraße 131 neu an den Tag gelegt. Was letztere anbelangt, habe sie erst kürzlich mit dem Weißenburger Landrat Gerhard Wägemann ein Gespräch geführt, so Mortler. Die Straße in der bislang angedachten Form sei „weder notwendig noch landschaftlich verträglich“ und werde deswegen auch nicht gebaut, sei man sich einig gewesen.

Dass hier etwas gebaut werde, wollten die Lohener aber durchaus. Nämlich ein verbesserter Lärmschutz. Sie treffe sich am kommenden Samstag mit dem bayerischen Innenminister Jochim Herrmann. Dann werde sie sich für das Anliegen der Lohener stark machen, betonte die Bundestagsabgeordnete. Zwei Tage später werde er dann bei seinem Treffen mit Herrmann noch einmal nachlegen, versicherte Bauer. „Wir tun was wir können“, erklärten die beiden Abgeordneten, die auch zur Autobahndirektion Kontakt aufnehmen wollen. Es müsse ja am Ende nicht unbedingt eine teure, aber es solle eben eine wirksame Lösung gefunden werden.