Kleinnottersdorf: Tragen die Flammen des Protests weiter: (von links) Manfred Dorner BBV-Vizekreisobmann Manfred Dorner, Hüteschäfer und Initiator des Mahnfeuers Robert Eberler, Vorsitzender des Schäfervereins Burgsalach und Umgebung Hermann Brickel, Chef des Landesverbands Bayerischer Schafhalter Joseph Grasegger, Vorsitzender der Hüteschäfer im Altmühltal Erich Neulinger sowie Schatzmeisterin des Fleischrinderverbands Astrid Roswag.
Tragen die Flammen des Protests weiter: (von links) Manfred Dorner BBV-Vizekreisobmann Manfred Dorner, Hüteschäfer und Initiator des Mahnfeuers Robert Eberler, Vorsitzender des Schäfervereins Burgsalach und Umgebung Hermann Brickel, Chef des Landesverbands Bayerischer Schafhalter Joseph Grasegger, Vorsitzender der Hüteschäfer im Altmühltal Erich Neulinger sowie Schatzmeisterin des Fleischrinderverbands Astrid Roswag.
Leykamm
Kleinnottersdorf

Eberler weiß von der Sichtung zu berichten und hat darum mit vielen anderen zu einem „Mahn- und Solidarfeuer gegen die uneingeschränkte Ausbreitung“ des Raubtiers am Freitagabend bei Kleinnottersdorf geladen.

Noch bevor die Flammen viele Meter hoch in den Nachthimmel schossen, machte der Tierhalter klar: „Wir fühlen uns allein gelassen – vor allem von der Politik“. Und dies, obwohl nach Lesart der Protestierenden genau das auf dem Spiel stehe, was in der politischen Diskussion sonst hoch im Kurs stehe: Weidehaltung und die damit verbundene Landschaftspflege, kleinbäuerliche Strukturen und Biodiversität, aber nicht zuletzt auch das Wohl von Menschen seien gefährdet, wenn sich der Wolf hierzulande ungehindert ausbreite. Es sei „traurig, dass wir überhaupt eine solche Mahnwache halten müssen“, erklärte in seinem Grußwort der bis aus Garmisch-Partenkirchen angereiste Joseph Grasegger, Vorsitzender des Landesverbands Bayerischer Schafhalter. Es sei eine Schande, wie fahrlässig man die Weidehaltung aufs Spiel setze. „Zäune bauen und Hunde kaufen“, wie es propagiert werde, sei allenfalls „eine vorübergehende Lösung“, wie die Erfahrungen anderer Länder zeigten. Langfristig seien auch die geschützten Schafherden gefährdet. Geschähe nichts, sei das Ende der kleinen Schäferbetriebe eigentlich vorprogrammiert und der Massentierhaltung Tür und Tor geöffnet. „Wer den Wolf sät, wird Agrarindustrie ernten“, so die Befürchtung Graseggers. Hermann Brickel aus Stetten teilte als Vorsitzender des Schäfervereins Burgsalach und Umgebung die Bedenken. Wenn im Angesicht eines Wolfsrudels Schafe in Panik ausbrächen, „dann hilft kein Zaun mehr!“ Häuften sich die Schadensfälle, werde wohl ein Versichern entweder nicht mehr möglich oder unbezahlbar. Mit der Forderung, „den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen“, sprach er vielen der über 200 Veranstaltungsteilnehmern aus der Seele. Die Population dürfe nicht unkontrolliert bleiben, sonst werde Isegrim eines Tages bei den Menschen „zum Küchenfenster reinschauen“. Jürgen Weißmann, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Jagdverbands, verwies darauf, dass diese Forderung auch umsetzbar sei. In der EU sei der Wolf zwar geschützt, doch gäbe es im Mitgliedsstaat Estland etwa durchaus Abschusspläne. Denn die Schutzstufe sei Sache der einzelnen Länder. Handlungsbedarf im Sinne einer Abstufung sah auch Martin Biegerl, der als oberpfälzer Bezirksvorsitzender der bayerischen Wildhalter für seine Kollegen ebenso Alarm schlug. Statistiken sprächen von einem Anwachsen der deutschlandweiten Population auf 5000 Wölfe in den nächsten Jahren. Schlimmer noch, die Raubtiere verlören nach und nach die Scheu vor den Menschen, „weil wir nichts machen dürfen“. Weißmann bestätigte: „Der Wolf kehrt nicht mehr in das gleiche Land zurück, aus dem er vor 150 Jahren verdrängt wurde“. Unter anderem habe sich das Freizeitverhalten des Menschen geändert „und der Wolf wird sich auch ändern.“ Denn der weiche nur so lange vom Menschen zurück, solange „er nicht beißt“. Merke das Raubtier aber, dass ihm keine Gefahr drohe, werde er zu einer solchen für den Zweibeiner. Laufe dann etwa ein Kind instinktiv vor dem Tier weg, aktiviere das den Beutetrieb. Ähnliches gelte übrigens auch für die propagierten Herdenschutzhunde. Wenn diese Gefahr für die Herde witterten, könnten sie für Spaziergänger „genauso gefährlich werden wie der Wolf“.

„Der Wolf kehrt nicht mehr in das gleiche Land zurück, aus dem er vor 150 Jahren verdrängt wurde.“

Jürgen Weißmann

 

Ein imposantes, an die 90 Kilogramm schweres Exemplar eines solchen Hundes namens „Attila“ hatte Johannes Rudorf aus Tirschenreuth dabei. „Atti“ sei indes aber auf Bären spezialisiert. Man müsse sich vor Augen führen, dass von dem Wolf „eine Gefahr für den Menschen ausgehen kann, aber nicht muss“, so die stellvertretende Landrätin Edeltraud Stadler. „Man darf ihn nicht als Kuscheltier betrachten. . .“, so die Enkelin eines Schäfers. Erhebliches Gefahrenpotenzial sah Hilpoltsteins dritter Bürgermeister Josef Lerzer vor allem entlang der Straßen. Hier könnten im Falle eines Falles Mensch und Tier großen Schaden nehmen. Es sei Zeit, die verschiedenen Akteure an einen runden Tisch zu bringen.

Klare Position bezog Hermann Kratzer, der als Stadtratsmitglied für Greding sprach: „Wehret den Anfängen!“ Die Uhr aber sei schon viel weiter fortgeschritten, bedauerte Weißmann. Den Grund dafür erläuterte aus seiner Sicht der ehemalige Obermässinger Schulrektor Wolfram Osgyan, der als Mitarbeiter einer Fachzeitschrift auch über nötiges Hintergrundwissen verfügt: Das Problem sei, „dass eine Minderheit diktiert, was die Mehrheit vom Wolf zu denken hat.“ Wer einen solchen sehen wolle, könne ja ein entsprechendes Gehege besuchen. In der Natur könne er indessen die Folgen seiner Ausbreitung in Form von „verstümmelten Schafen bestaunen“, so Osgyan zynisch. Den Ärger mit dem Wolf werde sich sein Vater, der noch 50 Schafe betreut, nicht mehr antun, prognostizierte der Landtagsabgeordnete Volker Bauer. Damit entfalle auch die Landschaftspflege, „dann darf der Bauhof die Sträucher mit der Motorsense entfernen.“ Als Politiker will er sich nun für ein Wolfsmanagement einsetzen. Er hat noch das Drama um den Biber im Hinterkopf, der zuerst mit „Hurra“ begrüßt worden sei, während der Entschädigungsfonds mittlerweile immer weiter nach oben klettere. Die Flamme des Protests wird indes weitergetragen: Zu einem Mahnfeuer des Bayerischen Bauernverbands im Oktober nach München lud dessen stellvertretender Kreisobmann Manfred Dorner.