Hilpoltstein: Familiär statt elitär
Arbeiten wo andere Urlaub machen: Nadine Eineder-Müller und ihr Mann Bernd Müller versprechen auf der familieneigenen Anlage bei Ellingen ein Golferlebnis für die ganze Familie - Foto: Luff
Hilpoltstein
Der Golfplatz Zollmühle kommt Urlaubern wie Einheimischen zugute. Seit 2004 können passionierte Golfer dort an 18 Löchern ihrem Hobby frönen, ganz nach dem Vorbild von St. Andrews, dem legendären schottischen Platz, der diese Zahl zum Standard erhoben hat. „Ohne 18 Löcher ist man kein richtiger Golfplatz“, sagt Nadine Eineder-Müller, die mit ihrer Fa-milie die Zollmühle betreibt.

Bis es so weit war, dass die Anlage diesem Standard entsprach, ist jedoch viel Wasser die Schwäbische Rezat hinabgeflossen, die mitten durch das Idyll führt. Denn in der Kindheit von Nadine Eineder-Müler und ihrer Schwester Sonja – der Golfplatz liegt komplett in Familienhand – hatte noch nichts darauf hingedeutet, dass sie einst die stolzen Besitzerinnen einer derartigen Anlage sein würden. Vater Georg besaß damals noch eine gewöhnliche Landwirtschaft. Wo heute auf satten Greens Bälle geschlagen werden, dominierte seinerzeit das Getreide. Doch lohnte sich die Landwirtschaft für Georg Eineder nicht mehr unbedingt, er suchte Alternativen. Und wurde in Garmisch-Patenkirchen fündig, zufällig, als er eine Freundin seiner Mutter zum Besuch abholte. Die wohnte: angrenzend an den dortigen Golfplatz.

Eine Zukunftsidee war geboren. Georg Eineder spielte seinerzeit nicht einmal Golf, dennoch machte er sich daran, seine Felder umzugestalten. „Anfangs hat man ihn ausgelacht“, erinnert sich seine Tochter Nadine, doch der Senior ließ sich nicht unterkriegen. „Meinem Papa war es immer ein Anliegen, die schöne Natur hier den Leuten zugänglich zu machen.“ Peu à peu ging es voran, eingenommenes Geld wurde in die Schaffung einer weiteren Bahn gesteckt. „Wir Kin-der haben mit dem Rasenmäher geholfen.“ Doch Georg Ein-eder starb 1996, ein Jahr nach der Fertigstellung der ersten neun Spielbahnen an Krebs.

Die Familie führte sein Lebenswerk fort. Heute erinnert alljährlich der Georg-Eineder-Cup an den Gründer der Golfanlage, ein Teil des Startgelds und der Erlös der Tombola werden der Deutschen Krebshilfe gespendet. Der Golf-club zählt mittlerweile rund 1000 Mit-glieder, doch stehen die Bahnen auch sogenannten Greenfee-Spielern zur Ver-fügung, denjenigen, die keinem Verein angehören oder noch gar nicht golfen können. Mit Platzreife dürfen sie auf die 18-Loch-Anlage, Anfänger können sich am 9-Loch-Kurzplatz versuchen.

Fürs Anfangen ist es übrigens nie zu spät, findet Bernd Müller, Nadine Eineder-Müllers Mann. „Golf ist auch für ältere Menschen geeignet“, sagt er. Gräfin Ursula von und zu Papenheim etwa habe mit 80 Jahren begonnen. „Und unsere Tochter spielt auch schon“, erzählt seine Frau Nadine. Die fünfjährige Juliana hantierte schon vor einem Jahr mit dem Schläger. Auch der Bekanntenkreis gibt hier ein gutes Beispiel, mehrere Spielerinnen waren gleichzeitig mit der Platzbesitzerin schwanger. „Die Leute schätzen ohnehin das Familiäre bei uns“, sagt Nadine Eineder-Müller, „wir sind nicht hochgestochen.“

Genau das ist das Etikett, das dem Sport noch immer anheftet. „Es gibt so viele Vorurteile“, ärgert sich Bernd Müller. Dabei habe sich viel verändert seit der Zeit, als es den Reichen und Schönen vorbehalten war, den Schläger zu schwingen – wenn es denn diese Zeit überhaupt gegeben hat. „Ein Kinobesuch mit der Familie kostet mehr als ein Nach-mittag auf dem Golfplatz“, sagt er. Und rechnet vor: Ein Erwachsener zahlt für eine Runde auf dem 9-Loch-Platz fünf Euro, ein Kind einen Euro weniger – am Wochenende ist beides wiederum einen Euro teurer. Inklusive dem ausgeliehenen Schlägerset und ein paar Bällen – „ein bisschen Schwund ist normal“ – kommt Müller auf rund 25 Euro. Für mehrere Stunden unterhaltsame Bewegung an der frischen Luft. Ein Schnupperkurs beim Golflehrer schlägt mit 19 Euro zu Buche. Wer den nicht will, „kriegt von uns eine kurze Einweisung“, sagt Nadine Eineder-Müller: Wie hält man den Griff, wie geht das mit dem Schwung?

Die Betreiber des Golfplatzes unterrichten übrigens nicht selbst, wenngleich sie das Unterrichten gelernt haben. Während die Chefin Grundschullehramt studiert hat, war die Planung ihres Mannes, eines Maschinenbauingenieurs, an einer beruflichen Schule Karriere zu machen. Es kam anders, doch für einen Golflehrer hat es nicht gereicht. „Man muss schon eine gewisse Befähigung mitbringen“, sagt Bernd Müller und lacht. Vier Trainer, sogenannte Pros, stehen an der Zollmühle zur Verfügung, der Head Pro Charles Mickle zählt Müller zufolge „vom Ausbildungsgrad her zu den Top Five – weltweit“. Selbst der Nürnberger Profi Bernd Ritt-hammer trainiert des öfteren mit ihm an der Zollmühle.

Derart ambitioniert muss es aber nicht zur Sache gehen. Wichtiger ist es den Betreibern der Zollmühle, dass sich Aktive aller Generationen in freier Natur näherkommen. „Ein Sport, den der Großvater mit dem Enkel ausüben kann, das gibt es sonst nicht“, sagt Bernd Müller. „Beim Golf geht das.“