Hilpoltstein: Der warme Klang der Goll-Orgel
Foto: Manfred Klier
Hilpoltstein

Am Adventskranz brennt die erste Kerze. Nun geht ein Schmunzeln durch die Reihen der voll besetzten Kirche, als sich Pfarrvikar Makiewicz an die Zuhörer wendet: "Ich begrüße Sie, nicht im Namen des Vaters, sondern im Namen des Stadtpfarrers Franz-Josef Gerner, den ich heute vertrete." Jutta Quiring vom Kulturamt hat ein vielseitiges Programm zusammengestellt, das die Organistin Christiane Hummel stimmungsvoll einleitet. Erstmals erklingt bei einem Adventskonzert die neue Goll-Orgel. In der Pastorelle "Kindlwiegen" eines anonymen Passauer Meisters des 18. Jahrhunderts erfreut der volle, warme Klang des Instruments.

"Jetzt fangen wir zum Singen an", verkünden die Frankenbeidl unter der Leitung von Gerhard Schwing. Eine steirische Harmonika, Klarinette, Gitarre und ein Akkordeon sind ihre Instrumente. Dazu singen sie mit harmonischen Stimmen vom Gottessohn, der als kleiner "Bou" auf die Welt gekommen ist, um Frieden zu bringen. Durchaus aktuell folgt "Heit hat's a Schneela g'schneit". Später berichtet das Quartett, dass Winter und in der Welt staad geworden ist.

Manfred Seitz spricht zwischendurch passende Texte, heuer zum letzten Mal, wie er betont. Nach den Gedanken über den Advent von Theodor Fontane fragt er mit Walter Rupp, ob denn die Heilige Nacht gar so still gewesen sei, wie es im Lied dargestellt wird. Haben Maria und Josef nicht geschimpft, weil sie nirgends aufgenommen wurden? Hat das Neugeborene nicht geweint? Waren die Hirten und die Tiere lautlos? Und hat der Chor der Engel unhörbar gesungen?

Hörbar, und wie üblich in höchster Präzision und Brillanz, interpretieren Carolin Brandl (Piccolo-Querflöte) und ihre Mutter Susanne Czieharz (E-Cembalo) das Flötenkonzert in C-Dur RV 443 von Antonio Vivaldi. Hier, wie auch an anderen Stellen, hätte man gerne applaudiert. Aber das musste man sich bis zum Schluss aufheben. Sicher würden die Zuhörer gerne ihre Freude zum Ausdruck bringen und die Akteure sähen sich für ihre Mühen belohnt. Weihnachten soll ja schließlich auch ein frohes Fest der Freude sein.

Konrad Kerschenlohr dirigiert den Gesangverein Hilpoltstein. Er beginnt mit dem Lied "Da drauß'n in der Nacht", eine Weise, die Kowalenko selbst geschrieben hat. Mit freudigen Stimmen verkündet dann der Chor "Joy to the world - Freue dich, Welt", ein Weihnachtslied des Barockkomponisten Georg Friedrich Händel.

Das Gitarrenensemble der Musikschule Hilpoltstein unter Eugen Götzfried, entführt in andere Länder. Die vier jungen Herren interpretieren, bestens aufeinander eingespielt, Volkslieder aus Katalonien, Chile und Mexico.

"Vous qui désirez sans fin - Ihr, die ihr endlos wünscht" ist nicht etwa ein aktueller Ausspruch. François Dandrieu hat die gleichnamige Komposition für Orgel bereits um 1700 geschrieben.

Noch einmal wendet sich Manfred Seitz an die Zuhörer. Ein Erlebnis in der Kirche von Eysölden ist der Anlass. Bei der Waldlermesse war es plötzlich in der Kirche dunkel geworden. Stromausfall. Das Stromnetz war wegen zu vieler Heizgeräte überlastet gewesen. Seitz fragte sich im übertragenen Sinn: "Haben wir selber nicht auch zu viele Verbraucher eingeschaltet? Sehen wir vor lauter Geschenken, Terminen und Planungen noch den Stern von Bethlehem" Seitz empfiehlt: "Zieht rechtzeitig den Stecker raus!"

Das gemeinsame Schlusslied "Leise rieselt der Schnee" hat durchaus aktuellen Bezug, denn draußen auf dem Weihnachtsmarkt hat es unaufhörlich weitergeschneit.