Hilpoltstein: Warmer Klang und aggressive Töne
An der restaurierten Front der neuen Orgel bessert Susanne Meyer noch einige Lackschäden aus. Unterdessen lässt Intonateur Christian Kubli die ersten Töne erklingen, die sein Kollege dann mit gezielten Schlägen auf die Pfeife anpasst. - Fotos: Bader
Hilpoltstein

Während die Kirchenmalerin Susanne Meyer immer noch kleine Lackschäden an der Orgel retuschiert, bugsiert Michael Wettstein gerade eine der silbern schimmernden Pfeifen in die vorgesehenen Halterungen und zieht anschließend die Schutzfolie ab. "Wir packen sie bei uns im Werk einzeln ein, damit ihnen beim Transport auch wirklich nichts passiert", sagt er.

Dann beugt er sich unter die Klaviatur des Instrumentes und zieht einige Schrauben an. "Ich kümmere mich im Moment nur um die rein mechanische Seite der Traktur", sagt er und verlegt anschließend ein Kabel zu den Fußtasten. Die sogenannte Pedaltraktur wird später das Einzige sein, das nicht nur rein mechanisch funktioniert. Zwar kann die Funktion am Spieltisch auch über die Register gesteuert werden, "doch manchmal hat der Orgelspieler einfach keine Hand frei, dann kann er es über Taster an den Pedalen machen". Damit steuert er zwar die Registerzugmotoren an, die allerdings wie bei der mechanischen Variante lediglich die Registerstangen ziehen oder sie lösen.

Sein Kollege Luca Troxler hat sich dagegen bereits in das Innere der Orgel gequetscht und testet jeden einzelnen mechanischen Abzugsdraht der sogenannten Windlade. Immer wieder zieht er an den kleinen Metallhaken und lässt sie langsam in ihrer Führung zurückgleiten. Wenn sich dann ein solcher Zug nicht einwandfrei bewegen lässt, poliert er die Drähte noch einmal nach und testet erneut. "Wir arbeiten ohne Öl oder ein sonstiges Schmiermittel", sagt Troxler. "Diese machten es nur noch schlimmer, weil es früher oder später verklebt."

Kaum hat er seine Arbeiten abgeschlossen, beginnt auch schon die Intonation, also das Stimmen der Orgel und das Anpassen an den Raum der Hilpoltsteiner Stadtpfarrkirche. Dabei geht es Intonateur Christian Kubli nicht etwa zuerst um den korrekten Ton einer Pfeife, sondern um die Lautstärke der Pfeifen im Verhältnis zueinander. Erst dann kümmert er sich um die eigentliche Tonhöhe.

"Wenn ich bei einer Pfeife beispielsweise 200 Herz brauche, dann höre ich am leichten Schwingen des Tons, wenn sie nicht mit dem Referenzton übereinstimmt." In diesem ersten Durchgang, der groben Abstimmung, verändert sein Kollege Thomas Murray-Robertson den Ton erst einmal, in dem er die sogenannten Seitenbärte mit dem Stimmmesser anschlägt und sie so weiter öffnet oder schließt. "Das ist noch nicht das richtige Stimmen der Pfeife", betont Murray-Robertson. Vielmehr gebe es ihm nur einen Anhaltspunkt, um wie viel er die Höhe der Pfeife in einem zweiten Durchgang kürzen muss.

"Wir lassen die Pfeifen beim Vorintonieren in der Werkstatt immer etwas tiefer klingen, denn dann können wir die Pfeife später leicht kürzen und sie höher klingen lassen", erklärt Kubli. Zwar könnte man eine Pfeife theoretisch auch wieder verlängern, "aber das ist deutlich mehr Arbeit".

Von da an hat Murray-Robertson zahlreiche Möglichkeiten, die Pfeife in ihrer Tonhöhe und in ihrem Klangbild noch zu ändern: "So kann ich beispielsweise das Fußloch, zu dem die Luft hereinkommt, mit einer sogenannten Glocke verengen oder mit einem Dorn erweitern", sagt er. "Außerdem könnte ich den Kernspalt der Pfeife ändern oder das Oberlabium über dem Aufschnitt entsprechend anpassen." Rechnet man noch dazu, dass man die Pfeifen wie erwähnt kürzen oder verlängern, an der Stimmrolle drehen oder den Raum für den Luftaustritt, also besagten Aufschnitt, ändern kann, bleiben unzählige Möglichkeiten den Klang der Pfeife immer weiter anzupassen.

Dabei geht es aber bei weitem nicht nur um die Lautstärke oder die genaue Tonhöhe. "Stimmen kann eine Pfeife jeder, den da kommt es nur auf den präzisen Ton an. Intonieren heißt jedoch, dass ich den Klang der Pfeife an den Kirchenraum anpasse", sagt Kubli. So wirke ein Ton in einer Kirche mit viel Holz tendenziell weicher und wärmer, bei harten und festen Oberflächen werde der Ton dagegen etwas härter und halle länger nach. Und Kubli kommt die Hilpoltsteiner Kirche hier entgegen. "Ich mag es, wenn es etwas länger nachhallt", sagt er.

Überhaupt sei die Intonation keine präzise Wissenschaft. "Da gibt es kein richtig oder falsch, das ist eine reine Gefühlssache." Kubli vergleicht das mit dem Backen eines Apfelkuchens. Überall habe ich Mehl, Eier und Zucker, habe einen Teig und Äpfel. Aber je nach Bäcker wird der Kuchen ganz anders schmecken", so Kubli. Und auch beim Intonieren komme es auf viele Feinheiten an. "Also ob ich noch ein bisschen Zimt darüberstreue oder es eben lasse", sagt er.

Der Klang einer Orgel spiegle sogar sehr oft den Charakter des Intonateurs wider. "Ich habe mal mit jemandem gearbeitet, der war, nun ja, von seiner Art her ordinärerer - und wirklich klangen bei ihm die Orgeln grundsätzlich härter und aggressiver", sagt Kubli.

Kubli wird sich mit seinem Kollegen in den nächsten Tagen von der Frontseite der Orgel langsam nach hinten durcharbeiten. "Die Pfeifen im Prospekt sind der Prinzipal", sagt Murray-Robertson. Nach ihm würden sich demnach alle hinteren Pfeifen richten. "Und so bekommen wir ganz langsam das richtige Klangbild der Orgel", ergänzt Kubli.

Das Intonieren der Orgel wird wegen der großen Zahl an Pfeifen also noch etwas Zeit brauchen. "Ich nehme aber an, dass wir in rund sieben Wochen fertig sind", sagt Kubli. "Erst dann können die Zuhörer die neue Orgel in ihrer ganzen Klangfülle erleben."

Die Einweihung des Instruments ist für den 26. November um 10 Uhr festgelegt. Und es wird an diesem Tag auch ein Konzert mit dem Eichstätter Domorganisten Martin Bernreuther geben, bei dem sich die Besucher am neuen Klang erfreuen können. Die Uhrzeit für das Konzert steht laut dem katholischen Pfarramt allerdings noch nicht fest. Sie wird aber rechtzeitig bekanntgegeben.