Hilpoltstein: Der neue Vorstand des Kreisjugendrings Roth. Zum Nachfolger von Elke Lades-Eckstein als Vorsitzender wurde Simon Volkert (4.v.r.) gewählt..
Der neue Vorstand des Kreisjugendrings Roth. Zum Nachfolger von Elke Lades-Eckstein als Vorsitzender wurde Simon Volkert (4.v.r.) gewählt.
Fischer
Hilpoltstein

Nur wenige Plätze im Kreistagssaal des Landratsamtes Roth bleiben am Montag frei. Zum letzten Mal hat die Vorsitzende Elke Lades-Eckstein die Delegierten zur Vollversammlung geladen. Neben Landrat Herbert Eckstein und Roths stellvertretendem Bürgermeister Hans Raithel (beide SPD) sind auch Kreistagsmitglieder gekommen. "Es ist immer wieder beeindruckend, was ihr auf die Beine stellt. Meinen allergrößten Respekt", sagt Birgit Helbig von den Grünen. Auch Michael Pfeiffer von den Freien Wählern dankt Lades-Eckstein für viele Jahre Engagement: "Mit Elke geht jemand, der sich eingesetzt hat - die Fußstapfen sind groß". Voll des Lobes und zugleich traurig über den Rücktritt sind auch Ute Mahl (SPD) und Cornelia Griesbeck (CSU), die ebenfalls da sind.

Zu viel realitätsferne Bürokratie, welche die Zeit für die eigentliche Arbeit vor Ort auffrisst, waren der Grund für Lades-Ecksteins vorzeitigen Rücktritt. Seit 1982 arbeitete die 62-Jährige im Vorstand des Kreisjugendrings, 1990 übernahm sie das Amt der Vorsitzenden. Mit ihr vorzeitig zurückgetreten ist auch ihr langjähriger Kollege und Stellvertreter Roger Büchner.

Das Fass zum Überlaufen brachte für beide eine neue Regelung des Dachverbandes Bayerischer Jugendring. Darin wird vorgeschrieben, dass der oder die Vorsitzende nach maximal zwölf Jahren ausgetauscht werden muss. "Wir können es so nicht mehr mittragen. Dem Gremium wird dadurch das Wahlrecht genommen - das ist undemokratisch", sagt Lades-Eckstein kurz vor den Wahlen mit lauter Stimme. Deshalb würden sie und Roger Büchner heute den Platz freimachen.

Die 62-Jährige nimmt sich ein Glas Wasser und setzt sich in die letzte Reihe des Saals. Es wird mucksmäuschenstill. Geschäftsführer Bernhard Abt schlägt den Kandidaten für das Amt des neuen Vorsitzenden vor: Simon Volkert. Der Rittersbacher ist bereits seit zehn Jahren als Beisitzer im Vorstand des KJRs tätig und daher für viele Delegierte kein neues Gesicht. Und so wird Volkert im ersten geheimen Wahlgang mit 42 von 43 Stimmen zum Nachfolger bestimmt. "Auch wenn Elke das Amt nun aufgegeben hat, bin ich sicher, dass sie uns bei der ein oder anderen Frage mit Rat und Tat zur Seite steht", sagt er nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses und bedankt sich für das ihm entgegengebrachte Vertrauen. Zu seinem Stellvertreter wählen die Delegierten den 45-jährigen Thomas Becker. Auch er prägt die Arbeit des KJR schon seit 1996 als Beisitzer. Neue Beisitzer wurden Steffen Schaefer (44) aus Eckersmühlen und Jonas Reißmann (19) aus Roth.

So richtig Freude über den neuen Vorstand kommt nicht auf. Der vorzeitige Rücktritt von Elke Lades-Eckstein drückt auf die Stimmung. Elke und Roger hätten eigentlich keine Verabschiedung gewollt, so Bernhard Abt. Ein paar Worte lässt er sich dann doch nicht nehmen. "Elke war jemand, der immer hinter uns stand und bei Gesprächen mit Politikern stets an vorderster Front mit dabei war", sagt er mit gebrochener Stimme und sichtlich tief gerührt. "Ich muss sagen, dass es mir sehr leid tut." Während alle Mitglieder klatschen und aufstehen, übergibt er Elke Lades-Eckstein einen Blumenstrauß und nimmt sie in die Arme. Beide weinen. "Bitte macht weiter so, der Landkreis Roth hat es verdient", sagt Lades-Eckstein mit zitternder Stimme.

Auch Roger Büchner hat zu kämpfen. "Ich weiß, die Neuen werden es gut machen. Für mich endet heute die Jugendarbeit, ich bin aus meinem Jugendverband ausgetreten", sagt er und wischt sich eine Träne aus dem linken Auge.

Bevor Simon Volkert die knapp dreistündige Versammlung schließt, ergreift Landrat Herbert Eckstein das Wort: "Was wir hier erlebt haben, nervt mich. Als junger Mensch hätte ich mir das nicht gefallen lassen. Diese Bürokratie ist von der Lebenswirklichkeit weit entfernt." Hier müsse von der Basis Druck gemacht werden gegen diesen "formalen Krampf". Viel zu viele Jugendliche blieben auf der Strecke ohne die Arbeit von engagierten Freiwilligen. Daher sei es unsere größte gesellschaftliche Pflicht Abhilfe zu schaffen.