Hilpoltstein: Rassismus gemeinsam den Kampf ansagen
Auf Plakaten können sich die Schüler über rechte Symbole informieren. Vor der Eröffnung der Ausstellung "Rechtsradikalismus in Bayern" hat Birgit Mair (Mitte) einen Vortrag über Rassismus gehalten. - Foto: Fischer
Hilpoltstein

"Die staatliche Realschule Hilpoltstein bezieht Stellung." Mit diesen Worten eröffnete der Schulleiter Kurt Wink die gestrige Veranstaltung an der Realschule Hilpoltstein. Demokratie habe sich in den letzten Jahren bewährt, deshalb müsse man weiterhin für sie eintreten. Dieser Meinung war auch Birgit Mair, Diplomsozialwirtin aus Nürnberg, die mit einem Fachvortrag die Ausstellung "Rechtsradikalismus in Bayern" von der Friedrich-Ebert-Stiftung eröffnete.

Mair setzt sich seit 30 Jahren gegen Fremdenhass ein. Dabei ist ihr der Kontakt zu jungen Menschen besonders wichtig. Schon drei Mal war Mair in der Realschule Hilpoltstein, Partnerschule von "Schule ohne Rassismus", um die Kinder und Jugendlichen gemeinsam mit Zeitzeugen an die Grausamkeiten im sogenannten Dritten reich zu erinnern. In ihrem gestrigen Referat thematisierte die Nürnbergerin die Auswirkungen von rechtem Terror. So seien seit 1990 etwa 185 Menschen an den Folgen rechtsradikal motivierter Straftaten gestorben. Sichtlich schockiert reagierten die Neuntklässer, die für den einstündigen Vortrag vom klassischen Unterricht befreit waren, als sie erfuhren, dass es alleine in Deutschland im Durchschnitt drei Gewalttaten pro Tag von Rechtsradikalen gegen Minderheiten gibt. Doch nicht nur körperlich, sondern vor allem psychisch würden Neonazis versuchen, Menschen immer wieder unter Druck zu setzen. So habe die rechte Partei "Der dritte Weg", welche zu einem Großteil aus ehemaligen Mitgliedern des mittlerweile verbotenen Netzwerks "Freies Netz Süd" besteht, vor einiger Zeit Postkarten mit der Aufschrift "Gutschein für die Ausreise aller Überfremdungsbefürworter Richtung Afrika" verschickt. Auch Mair hat kürzlich Post erhalten. Sie betreibe "Gehirnwäsche an deutschen Kindern" und solle in Zukunft besser aufpassen, was sie sagt und tut. Anschließend hat man ihr in der U-Bahn aufgelauert und sie einige Zeit lang verfolgt. Doch von diesen Einschüchterungsversuchen lässt sich Mair nicht unterkriegen. "Ich bin grundsätzlich kein sehr ängstlicher Mensch", erklärte die Nürnbergerin. Beunruhigt ist sie allerdings, wenn sie auf die Zahlen der im vergangenen Jahr verübten Angriffe auf Geflüchtete und deren Aufnahmeeinrichtungen blickt. 3 500 Angriffe, bei denen über 500 Menschen und darunter 43 Kinder verletzt wurden, sind 2016 registriert worden.

Ein wichtiges Anliegen war der Referentin vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung, den Jugendlichen die Augen für ihr Umfeld zu öffnen. "Nazis haben nicht immer eine Glatze und Springerstiefel an", betonte sie. Untermalt war ihr Vortrag deshalb mit Bildern von rechten Aufmärschen und Demonstrationen, die sie über die Zeit gesammelt hat. Alleine in ihrer Heimatstadt Nürnberg habe es im vergangenen Jahr 50 solcher Aktionen gegeben. Zuversichtlich stimme sie dabei die Tatsache, dass all diese Aufmärsche von einer großen Schar Gegendemonstranten begleitet wurden. "Es ist wichtig sich zu beteiligen", sagte Mair. Dass solche friedlichen Gegendemonstrationen etwas bringen, machte sie an einem Beispiel deutlich. Bei einer Kundgebung der rechten Bürgerinitiative "Sichere Heimat" in Nürnberg waren hunderte Menschen gekommen, um Flagge gegen menschenfeindliche Hetze zu zeigen. Wegen der Gegenaktion schrumpfte die Teilnehmerzahl bei der rechten Kundgebung schnell.

An eine Fragerunde nach dem Vortrag schloss sich die Eröffnung der Ausstellung "Rechtsradikalismus in Bayern" im ersten Stock an. Die Wanderausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung ist in den nächsten Tagen noch im Schulgebäude zu sehen, ehe sie weiterzieht. Insgesamt 17 große Plakate informieren die Schüler unter anderem über verschiedene Symbole der rechten Szene und deren Bedeutung.