Hilpoltstein: Eng zusammenrücken für die "Trisch-Tratsch-Polka" heißt es für die Musizierenden beim Festakt der Musikschule.
Eng zusammenrücken für die "Trisch-Tratsch-Polka" heißt es für die Musizierenden beim Festakt der Musikschule.
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Hilpoltstein

Max Netter, der Vorsitzende der Musikschule gab zu, sich ein bisschen geziert zu haben, als er vor ein paar Jahren das Amt von Vorgängerin Edeltraud Stadler übernommen habe, "denn mit Musik hatte ich nicht wirklich viel zu tun". Inzwischen sei er jedoch sehr stolz darauf, einer so hoch geschätzten Einrichtung vorzustehen. Ein großes Lob sprach er Harald Mulack für die aufwendig gestaltete Festschrift aus, für die sein Stellvertreter zuständig gewesen war. Dabei handle es sich um ein "rundweg gelungenes Werk, in dem viel Herzblut und Können steckt".

Früher seien die Zeitungsberichte über die Musikschule Hilpoltstein "aufregender" gewesen, sagte Landrat Herbert Eckstein, und dachte dabei an die Artikel über die Querelen und das befürchtete Aus der Hilpoltsteiner Musikschule um das Jahr 2004 herum. Mit dem Übergang der Musikschule zu einem eingetragenen Verein konnten 2005 diese Probleme beseitigt werden - und in den Zeitungsartikeln würden "nur noch" die musikalischen Darbietungen der Musikschule gelobt. Aber das sei auch gut so, denn die musikalische Grundbildung sei wichtig, "weil Bildung viel mehr ist als das Wissen, welches man in der Schule lernt oder im Computer nachschauen kann", sagte Eckstein. Die Hilpoltsteiner Musikschule habe das früh erkannt. "Seitdem ist diese Einrichtung ein Aushängeschild von Hilpoltstein, zu dem auch die Qualität der Musiklehrer und nicht zuletzt deren Leiter Burkhard Freimuth mit seinen Vernetzungsqualitäten viel beigetragen haben."

Hilpoltsteins Bürgermeister Markus Mahl gab zu, dass er von Musik - von gelegentlichen Summen einmal abgesehen - herzlich wenig Ahnung habe, aber dank seiner Kinder, die durch ihren Besuch der Musikschule in den Genuss eben dieser musikalischen Grundbildung gekommen seien, habe er doch das eine oder andere mitbekommen. "Es ist unglaublich, was für Fähigkeiten in Kindern stecken. Die Musikschule erweckt diese zum Leben und bringt ihnen Freude und Selbstbewusstsein", sagte Mahl. Und: Auch wenn die Musikschule keine städtische Einrichtung mehr sei, die Stadt werde sie auch in Zukunft finanziell unterstützen.

Weiter ging es mit einer Zeitreise durch die 50-jährige Geschichte der Musikschule. Das älteste Zeitdokument war ein Schwarz-Weiß-Foto von einem Auftritt des damaligen "Junggesang" unter der Leitung des beim Festakt anwesenden Gesangslehrers und Gründungsmitglieds Adolf Müller. Zudem gab es Fotos von Freizeiten, Workshops, Ausflügen, Besuchen und Gegenbesuche mit der Partnermusikschule im polnischen Limanowa und von Tagen der offenen Tür.

Die Vorsitzende des Elternbeirats Daniela Krawczyk wünschte sich, dass die Erfolgsgeschichte Musikschule weitergeschrieben werde, wenngleich, wenn es die Schule nicht geben würde, sie und alle Eltern vermutlich viel mehr Zeit und weniger Diskussionen mit ihren Kindern hätten, "dann aber auch viel weniger Spaß, Freude und Erfolgserlebnisse".

"Wir sind sehr stolz, dass die Hilpoltsteiner Musikschule Mitglied bei uns ist, schließlich gehört sie zu den allerbesten in Bayern - und damit auch in ganz Deutschland", sagte Markus Becker, der Vorsitzende im Landesverband der Freien Musikinstitute Bayern.

Das Schlusswort hatte der Leiter der Musikschule, Burkhard Freimuth, der die Monopolstellung der Hilpoltsteiner Musikschule betonte. "Grund dafür ist unser guter Unterricht, für den ich allen meinen Kollegen meinen Dank ausspreche. Gerade in den letzten Jahren hat sich unsere Schule toll weiterentwickelt."

Durchzogen war der Festakt von hochkarätigen musikalischen Darbietungen. So spielten Carolin Brandl, Evelyn Ebert sowie Susanne und Siegfried Czieharz auf Flöte, Klarinette, Fagott und Posaune zwei Stücke aus Johann Strauß' "Fledermaus". Auf ihren Konzertgitarren spielten Eugen Götzfried und Peter Juraschek die Stücke "Rain", "Dying Embers" sowie "A Bluesy Day in Brazil". Jazzig wurde es mit Jens Magdeburg, Jens Liebau und Gunther Rissmann mit "Jazz à la carte". Der Höhepunkt war jedoch das Johann-Strauß-Stück "Tritsch-Tratsch-Polka für Klavier zu acht Händen", bei dem Ludmilla Götzfried, Susanne Czieharz sowie Burkhard Freimuth und seine Frau Birgit ganz schön zusammenrutschen mussten.