Hilpoltstein: Feuer anzünden statt löschen
Langsam tasten sich die Kinder beim Feuerwehrerlebnistag an das Element Feuer heran. - Foto: Tschapka
Hilpoltstein

Auf die Idee dazu kamen die beiden Brandschutzerzieher der Hilpoltsteiner Feuerwehr, Melanie Flierl und Matthias Massopust, durch einen Vortrag in der Würzburger Feuerwehrschule. Dort referierte der Berliner Künstler Kain Karawahn zum Thema "mit Feuer spielen". Karawahn vertritt eine ganz neue Philosophie, nach der den Kindern schon frühzeitig der verantwortliche und sichere Umgang mit Feuer beigebracht werden sollte, damit diese nicht dessen unzweifelhaften "Reiz des Verbotenen" erliegen und eher darauf verzichten.

Also diesmal kein Zielspritzen mit dem Feuerwehrschlauch und kein Steigleiter-Ausflug in luftige Höhen beim Ferienprogramm, stattdessen gab es das Element Feuer buchstäblich "zum Anfassen". Aber enttäuscht war deswegen niemand - denn Feuer ist für praktisch alle Kinder dieser Welt ein riesiges Faszinosum. Jeder der kleinen Teilnehmer bekommt zu Beginn des Erlebnistages eine mit dem Namen beschriftete volle Streichholzschachtel, die am Abend wieder abzugeben ist. Ein Mädchen erschrickt und kriegt ganz große Augen, als nach dem zehnten Versuch das Streichholz in ihrer Hand auf einmal hell aufleuchtet und gleich wieder erlischt. "Ich hab zu Hause noch nie ein Streichholz anzünden dürfen", meint einer der anderen Teilnehmer, der sich ähnlich verbissen abmüht. Vielleicht ganz gut so - solange er nicht weiß, wie man das richtig macht.

Aber genau das sollen die Kinder heute lernen. "Immer vom Körper weg streichen und auf keinen Fall wegwerfen", machen es die Feuerwehrler den Kindern vor, und diese blicken konzentriert auf die roten Zündköpfe. Wenn das Streichholz brennt, landet es kurz darauf mit einem kleinen Zisch in einem vollen Wasserglas.

Im Lauf des Nachmittags wird die "Feuerdosis" ganz langsam gesteigert. Erst üben die Kinder in kleinen Gruppen mit Streichhölzern, dann mit Teelichtern und später entzünden sie kleine Lagerfeuer auf Alufolie. "Denkt immer daran, ein Feuer braucht einen Freund und ein Zuhause", macht Flierl deutlich. Die Freunde, sprich die Aufpasser, sind die Kinder, die das Feuer "füttern", und das Zuhause ist der Platz, an dem es keinen Schaden anrichten kann, "und den wir selbstverständlich hinterher genauso verlassen, wie wir ihn vorgefunden haben", fügt Flierl hinzu.