Hilpoltstein: Ein Werk mit Liebe zum Detail
Das Hochaltarblatt der Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer in Hilpoltstein wurde von Paul Bock gemalt. - Foto: Diözesanmuseum
Hilpoltstein

Ansonsten ist über den Künstler nur sehr wenig bekannt. Vorgestellt wird das Kunstwerk des Monats auf der Homepage des Domschatz- und Diözesanmuseums Eichstätt.

Nach dem Bau der Hilpoltsteiner Pfarrkirche Anfang des 18. Jahrhunderts im Stil des Spätbarock wurde im Jahr 1702 der mächtige Hochaltar aufgerichtet. Als Hauptbild verwendete man ein älteres Gemälde. Es handelt sich um ein Werk des Jesuitenfraters Paulus Bock, der offenbar in Neuburg lebte. Die Signatur lautet: "1656 Paulus Bock Soci. Jes. f. zu Neuburg".

Die Darstellung des Altarbildes bezieht sich auf den Kirchenpatron Johannes der Täufer und schildert seinen Märtyrertod durch Enthauptung. Die Szene spielt sich in einem tief gelegenen, dunklen Verlies des Palastes von Herodes ab. Die Tiefe des Raums wird durch eine starke perspektivische Verkürzung beschrieben. Eine einzige Lichtquelle, eine hoch gelegene Bogenöffnung, durch die Salome und Herodias die Hinrichtung verfolgen, erhellt die Szene. Im Vordergrund ist Johannes mit entblößtem Oberkörper erkennbar. Er kniet auf einem hölzernen Podest. Die Hände sind gefesselt. Er senkt den Kopf, erwartet den Schwerthieb. Seine in der Ikonographie typischen Attribute, der Kreuzstab und das Lamm, sind ihm zugeordnet. Der herabschwebende Engel hat die Märtyrerinsignien, - Lorbeerkranz und Palmzweig - vorbereitet.

Der Scharfrichter steht hinter Johannes. Es handelt sich um einen kräftigen jüngeren Mann in der typischen Tracht, der dabei ist, das Schwert aus der Scheide zu ziehen. Auf der linken Seite erscheint König Herodes als ein korpulenter Herrscher in türkischer Tracht mit einem Beil, das er als Gehstock benutzt, mit seinem Gefolge als Zeuge der Handlung. Dem Henker ist ein bemerkenswertes zeitgenössisches Detail zugeordnet, ein sogenannter Streckgalgen, also ein Folterinstrument. Das Gewicht hat die Form einer Glocke, und auf der Glocke hat der Maler seine Signatur angebracht.

Der Künstler Paul Bock (oder auch Pock) ist - so lässt sich aus den wenigen Daten über seine Person erschließen - 1606 in Konstanz geboren. Er trat in den Jesuitenorden ein, arbeitete als Maler und als Kunststicker. Dass er auch in der Architektur bewandert gewesen ist, erkennt man an der meisterhaften Konstruierung des Verlieses auf dem Altarbild. Ein Jahr nach Vollendung des Hilpoltsteiner Altarbildes ist Paul Bock 1657 in München gestorben.